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Regional „Move it!“-Filmfestival in Dresden startet
Nachrichten Kultur Regional „Move it!“-Filmfestival in Dresden startet
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17:25 06.11.2019
„Riders of Destiny“ über Kinderjockeys auf der indonesischen Insel Sumbawa. Quelle: Verleih Michael Niemann
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Dresden

Wer ein aufmerksamer Beobachter von Programmkino-Spielplänen ist, dem dürfte vor allem in Dresden in jüngster Zeit eine zunehmende Hinwendung zu Dokumentarfilmen nicht entgangen sein. Allein in diesem Monat stehen zehn Doku-Premieren in den hiesigen Kinos an.

Eine Entwicklung, der – mit spezieller thematischer Ausrichtung – auch das Filmfestival „Move it!“ entspricht, das vom Verein Akifra (Aktionsgemeinschaft für Kinder- und Frauenrechte) veranstaltet wird. In seiner mittlerweile 15. Ausgabe, die vom 7. bis 13. November im Thalia Kino und zusätzlich auch im Programmkino Ost über die Leinwände geht, widmet es sich anhaltend den Themen Menschenrechte und Entwicklung, und zwar fast ausschließlich mit Dokumentarfilmen. Nur ein Spielfilm ist dabei: die australische Produktion „Buoyancy“, die die Flucht eines 14-Jährigen aus seinem Leben als Feldarbeiter in Kambodscha zeigt.

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„Under Pressure“ überall

Die geografische Aufsplitterung der Festival-Filme ist dabei so umfassend wie möglich. Die Filmemacher setzen Problemfelder in Kenia, Afghanistan, Brasilien, Indonesien, Südafrika, dem Kongo, dem Sudan, Somalia oder Libyen in Szene. Insgesamt werden 23 Filme gezeigt, dazu kommen zahlreiche Filmgespräche unmittelbar im Anschluss. Der Sonnabend bietet zudem ein abendliches Konzert mit den Shampoo Boys im Club Kwang Lee (Görlitzer Str. 35, Hinterhof) und die anschließende Festivalparty im Club Plan B (Görlitzer Str. 35).

Im diesjährigen Festivalmotto „Under Pressure“ spiegeln sich die Drucksituationen, die sowohl global als auch vor der eigenen Haustür zugenommen haben. Natürlich in anderen Kategorien – denn während in Deutschland beispielsweise eine Zirkelschluss-Debatte um Sagen- und Nicht-Sagen-Dürfen dominiert, stehen anderswo existenzielle Fragen zur Disposition.

So zeigt die Französin Anne Poiret in ihrem Film „Mosul after the war“ (2018), wie sich die Einwohner der nordirakischen Stadt Mossul um den Wiederaufbau ihrer Stadt bemühen, die 2014 vom Islamischen Staat eingenommen worden war und drei Jahre später zurückerobert wurde. Die Brasilianerin Camila Freitas wiederum hat über vier Jahre lang die Kämpfe der landlosen Arbeiter-Bewegung „Movimiento dos Trabalhadores Ruraisin“ in ihrer Heimat dokumentiert – das Ergebnis ist ihr Film „Chão“ (2019).

Szene aus Quelle: Verleih Hans Pool

Und einen anderen Blick aufs Thema Menschenrechte hat schließlich der Niederländer Hans Pool geworfen. Sein Film „Bellingcat“ ist eine Art Porträt der gleichnamigen Investigationsplattform, die unter anderem detailliert nachzeichnete, wer für den Abschuss einer Boeing 777 von Malaysia Airlines im Juli 2014 über der Ostukraine verantwortlich ist, bei dem 298 Menschen starben.

Für einen „richtigen“ Wettbewerb fehlt Personal

Für die aktuelle Auswahl seien 85 Filme gesichtet worden, erzählt Festival-Sprecher Rico Schwibs. Dabei geht die Auswahlkommission selbst auf die Suche. Man würde zwar gern einen richtigen Wettbewerb mit Einsendeschluss ausrufen, sagt Schwibs. Es fehle aber das Personal, um die Masse der dann eingehenden Filme auch angemessen sichten zu können.

Neu in diesem Jahr ist der erstmals vom Kunstministerium gestiftete Filmpreis, der mit 5000 Euro dotiert ist und am Sonnabend übergeben wird. Eine Jugendjury kürt außerdem den Gewinner eines mit 400 Euro dotierten Nachwuchspreises.

Tickets: 6 Euro (erm. 4 Euro), Soliticket 7 Euro (erm. 6 Euro), Fünferticket 25 Euro

www.moveit-festival.de

Von Torsten Klaus