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Regional Mit einer zeitkritischen Revue startet die Staatsoperette in die neue Saison
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08:50 09.09.2019
Bryan Rothfuss (vorn) fungiert als Platzanweiser, als Conférencier, als Maitre de Plaisir, hinten das Ballett. Quelle: Pawel Sosnowski
Dresden

„Hier und Jetzt und Himmelblau“ heißt die Revue mit Musik von Leo Fall bis Friedrich Holländer, von Sven Helbig bis Wincent Weiss , mit der die Staatsoperette Dresden als Auftragswerk ihre erste Saison mit der neuen Intendantin Kathrin Kondaurow eröffnet hat. Das Theater gewissermaßen als Ort für den großen Spaß und die kleine Traurigkeit, für das Lachen, das Lächeln, auch mal die kleine Träne im Auge.

Und wenn die Zeiten mal wieder so sind, dass man am Abend im funkelnden Glanz des Theaters vergessen möchte, was den Tag verdunkelt, wenn man hier herzhaft lachen möchte über das, worüber man am Tag nur heulen könnte, dann ab in die Revue, wo das große Vergnügen versprochen wird, im Theater Grand Plaisir.

Auch mal träumen

Und das macht diese Revue, die mit dem Versprechen ihres Titels auch mehr damit lockt, als dass sie ihn wirklich einlöste, zum Anlass unterhaltsamer Aufklärung. „Eine Revue der gesammelten Gemeinsamkeiten“ heißt es im Untertitel dieses sich doch auch in die Länge ziehenden Abends, zu dem Regisseur Jan Neumann Szenen und Texte selbst verfasst hat.

Und so führt in 20 Szenen Bryan Rothfuss als Platzanweiser, als Conférencier, als Maitre de Plaisir, eine gemischte Gesellschaft alltäglicher Zeitgenossinnen und Zeitgenossen, mit oder ohne Gehhilfen, im Hochzeitskleid, in Arbeitskluft oder feinem Zwirn, mit Tanz und Spaß, mit Unsinn und Klamauk, mit viel Gesang, durch die Stationen der Wartesäle ihres kleinen Lebens, in denen sie mal groß sein dürfen, wenn sie davon singen, wie es wäre, wenn sie sich was wünschen dürften.

Szenen aus der Revue

„Hier und Jetzt und Himmelblau“ in der Staatsoperette

Sie dürfen hier von einem Tag im Frühling träumen, ganz frei und offen auch mal eingestehen, dass sie in ihren Nächten nicht so gern alleine sind, und die Hoffnung nicht aufgeben, dass es doch, irgendwo auf der Welt, ein kleines bisschen Glück für sie gibt. Und sie können wie dieser herrliche Maitre de Plaisir zeigen, dass mancher Mann unter der Hose gern Röckchen trägt, ein Faible hat für feine Seidenstrümpfe.

Nur verwirrend, dass dieser charmante Verführer, wie ihn Rothfuss spielt und singt und tanzt, spätestens dann, wenn er uns den Rücken zuwendet, auf seinem Gewand einen massigen Totenschädel sichtbar werden lässt. So wird dann diese Revue, hier und jetzt, schon mal zum Totentanz auf den Vulkanen, die man längst erloschen glaubte.

Wie mächtig die Glut noch glüht, das zeigt die erste Szene, die stärkste wohl an diesem Abend, in dem es um einen Knall zwischen weiß und blau geht, im Jahre 1943, und der dann geradewegs ins Hier und Jetzt führt. „Er“ und „Sie“ – Gerd Wiemer als pensionierter Beamter, und Silke Richter als seine Gattin verirren sich beim Streit über die Bedeutung der Präpositionen „an“ oder „am“ in die allegorischen Abgründe gemeinsam verbrachter Zeiten.

Ein absurder Dialog, der in den Fragen gipfelt, ob beim richtigen Gebrauch der genannten Präpositionen Hitler als Beilage oder als Hauptgericht zu verdauen ist. Und wann war Hitler wo, und wer saß auf seinem Schoß und auf wessen er. War er überall und ist er weg oder noch immer, zumindest als Beilage, da. Richter und Wiemer brillieren in der Kunst der Beiläufigkeit netter Normalität und alltäglicher Verdrängungsscherze. Hier setzt auch der Regisseur Jan Neumann seine Maßstäbe der Genauigkeit, ohne die jede Kunst der Unterhaltung sonst schnell zu flachem Quatsch verkommt.

Klingender Spiegel einer Zeit

Nicht immer aber kann Neumann seinen Ansprüchen in gleichem Maße genügen, mitunter schleichen sich belehrende Töne gut gemeinter Aufklärung und Erklärungen mit leicht sich hebendem Zeigefinger ein.

Die herrlichen Protagonistinnen und Protagonisten können das aber meistens wegspielen, vor allem in den Songs und Duetten, den Ensembles aus eben jenen Revueerfolgen der Goldenen Zwanziger des 20. Jahrhunderts, die zum klingenden Spiegel einer Zeit werden, die es eben nicht vermochte, bei allem Flitter, Glanz, Gold und Gloria zu verhindern, dass sich die scheinbar unbeschwerten Freiheiten immer dunkler, bald bräunlich einfärbten.

Noch einmal ist es Silke Richter, die als genervte Reisebusfahrerin auf die Pauke haut, weil alle immer nur wollen, dass sie für sie erledigt, was sie selber mal versuchen könnten. Immerhin, Hauke Möller, versucht als Bühnenarbeiter, mal richtig über seinen Schatten zu springen, und schwingt sich auf zu höchsten Tenortönen. Herbert G. Adami singt als Millionär ganz selbstverständlich davon, dass er keine Millionen brauche, er hat sie ja.

Jeannette Oswald gibt als Fotografin ganz ehrlich nebenbei einen Einblick, wie sie es schon versteht, genau hinzusehen, was und wen sie wann und wo und wie ablichtet. Was sich retuschieren lässt, was nicht, und dass es doch immer darauf ankommt zu entdecken, was die Oberfläche verbirgt. Steffi Lehmann, glaubt sogar als Statistikerin noch daran, dass es für sie das kleine bisschen Glück gibt. Wenn das keine Hoffnungsträgerin ist.

Revue zum Auftakt

„Hier und Jetzt und Himmelblau“:

Text von Jan Neumann, Musik von Leo Fall bis Friedrich Holländer, von Sven Helbig bis Wincent Weiss

Regie: Jan Neumann

Ein Auftragswerk der Staatsoperette Dresden

Aufführungen: 10., 11., 12., 14 und 15. September

26. und 27. Oktober

31. Dezember und im nächsten Jahr in der Staatsoperette Dresden

www.stattsoperette-dresden.de

Hier und jetzt darf Ingeborg Schöpf als Frau in den besten Jahren auf ihrem Traumausflug als Marschallin im Strauss’schen „Rosenkavalier“ darüber nachsinnen, wie es ist zu ertragen, was die Zeiten mit sich bringen. Ganz schön einfühlsam sind, wenngleich diesmal auch fast immer im Begleitungsmodus, das Orchester der Staatsoperette und die Band des „Le Grand Plaisir“ unter der Leitung von Andreas Schüller.

Nicht ganz so einfühlsam geraten Szenen, deren Anliegen wohl eher zur Erläuterung ins Programmheft passten. So steigert sich Beate Kortner in eine politische Aufklärungshysterie, wie sie einen Song des jüdischen Komponisten Leo Fall heute singen müsse.

Leider gibt es in dieser Revue zu wenige Tanznummern für die tollen Tänzerinnen und Tänzer der Kompanie, für die Choreografien von Radek Stopka, wer könnte den wilden Glücksstep vergessen? Beeindruckend ist, wie diese Inszenierung alles nutzt, was das Haus herzugeben scheint: in der Bühne von Cary Gayler, in Nini von Selzams Kostümen, mit den in vielen Typisierungen agierenden Mitgliedern des Chores in der Einstudierung von Thomas Runge.

Wenn das Licht wieder angeht nach der Vorstellung im Theater, geht es los bei den Zuschauern, in den Köpfen, in den Diskussionen, beim Nachsummen und Singen der Songs, die man irgendwie kennt und doch ganz neu gehört hat. Der Klang der Goldenen Zwanziger von damals, im Hier und Jetzt. Ob es darüber hier und jetzt auch noch himmelblau wird, das wird sich zeigen. Wäre ja ein Wunder, aber die gibt es ja bekanntlich immer wieder, auf jeden Fall im Theater, und das Spiel geht weiter, keine Frage. Versprochen, Frau Kondaurow?

Von Boris Gruhl

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