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Regional „Mit Teddy durchs Dresdner Spielzeugland“ im Stadtmuseum
Nachrichten Kultur Regional „Mit Teddy durchs Dresdner Spielzeugland“ im Stadtmuseum
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11:18 02.12.2017
Kuratorin Andrea Rudolph und drei ihrer Kuschelbären.
Kuratorin Andrea Rudolph und drei ihrer Kuschelbären.   Quelle: Anja Schneider
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Dresden

 Ein amerikanischer Präsident ist schuld. Okay, mal nicht Donald Trump, sondern Theodore „Teddy“ Roosevelt. Der weigerte sich 1902 bei einem Jagdausflug, einen Bären abzuschießen, den seine Subalternen, die offenbar den Schießkünsten ihres Präsidenten nicht trauten, ihm praktisch vor die Flinte führten. Erich Honecker, Hermann Göring und ähnlich nur auf „Strecke“ erpichte Nimrods hätten abgedrückt. Teddy nicht. Ein Karikaturist griff das auf. Im Nu war „Teddy’s Bear“ in aller Munde. Aber der Durchbruch in punkto Teddybären war der „Filz-Spielwaren-Fabrik“ Margarethe Steiffs im schwäbischen Giengen an der Brenz beschieden, die 1903 auf der Leipziger Messe einen Bären mit Plüschfell anbot – und zwar einen mit beweglichen Gliedern. Seitdem ist der Bär ungemein beliebt in deutschen Kinderzimmern.

Mit dem Teddy durchs Dresdner Spielzeugland - die Weihnachtsausstellung im Stadtmuseum Dresden.

„Mit Teddy durchs Dresdner Spielzeugland“ ist nun auch der Titel der Weihnachtsausstellung im Stadtmuseum – und es sind große und kleine Teddybären des Dresdner Sammlers Lutz Reike und des Gestalters Holger Friebel, die als Reiseleiter durch dieses mit Spielzug aller Art gefüllte Paradies führen. Alles in allem sind es um die 370 Objekte aller Art, die man betrachten kann. Ob Dampfmaschine, Autorennbahn oder Puppenstube – in Dresden wurde eine erstaunlich bunte Vielfalt an Spielzeug hergestellt, erst Krieg, dann Enteignung und Kombinatsbildung in der DDR sorgten dafür, dass vieles in den Orkus ging.

Die Kuscheltiere in Bärengestalt begleiten die Besucher zum Geschäft B. A. Müller, das sich einst selbst als „Deutschlands größtes Spielwarenhaus“ bezeichnete, und in Spielwarenabteilungen späterer Zeiten. Man schrieb das Jahr 1875, als der Nadler Bruno Albin Müller eine Drahtzieherei mit Kurz- und Galanteriewarenhandlung eröffnete. Ein Jahr später zog er in die Prager Straße, die bis 1945 Standort des Geschäfts blieb. Anfang des 20. Jahrhunderts hatte sich der nunmehr „Königlich Sächsische Hoflieferant“ B. A. Müller auf den Handel von Spielzeug und Sportartikeln spezialisiert. Zum Sortiment gehörten Anker-Steinbaukästen und Eisenbahnen, die Traumwelten in H0, N oder Z boten.

Erinnert wird in der von Andrea Rudolph kuratierten Ausstellung, in der viele Vitrinen „tiefergelegt“ sind, damit kleine Besucher nicht zu Stelzen greifen oder von Erziehungsberechtigten in einer Tour hochgehoben werden müssen, an diverse Dresdner Werkstätten, Fabriken und Verlage, in denen beispielsweise Zinnfiguren von Georg Heyde, Handpuppen von Curt Meißner, Brettspiele von Hugo Gräfe und Autorennbahnen von VEB Prefo entstanden. Auch Chemie- und Metall-Baukästen sowie Dampfmaschinen-Modelle sind zu bestaunen – sorgten sie doch dafür, dass sich hier der einst viel gepriesene deutsche Ingenieurgeist ausleben konnte? Von ein paar Ritter- und Indianerfiguren abgesehen, fehlt aber jenes Spielzeug, das einst Knaben begeisterte. Keine Ulanen und Husaren der Kaiserzeit, keine Panzer und Gewehre, wie sie später en vogue waren. Pazifistische Geister werden das natürlich gut finden, aber zu unterschlagen, dass Jungs einst darauf voll abfuhren, zeugt eigentlich von ziemlicher Verdrängung.

Dafür tummeln sich (Teddy-)Bären en masse. Meist in früher Kindheit begonnen, sind Beziehungen zu flauschigen wie knuffigen Teddybären oft stabiler als Freundschaften und Ehen. Mensch und Bär gehen gemeinsam durchs Leben, verlieren Form und Haare, und selbst hart gesottene Zeitgenossen geraten ins Grübeln, wenn ihnen unverhofft der sich nicht selten als Sorgenfresser erweisende Begleiter ihrer Kindheit vor Augen tritt.

Großen Raum nimmt die DDR-Zeit ein. So wird vermittelt, dass eines der neuen Fachgeschäfte die „Spezialverkaufsstelle für Spielwaren“ der staatlichen Handelsorganisation HO mit dem Kurznamen „balli“ war. Neben dem Ringcafé gelegen, machte sie vor allem mit ihrer auffälligen Außenwerbung auf sich aufmerksam. Die Ausstellung wartet mit einem Warensortiment auf, wie man es bei „balli“ Anfang der 1970er Jahre hätte finden können, sofern es nicht doch Bückware war. Trotzdem werden bei gelernten DDR-Bürgern angesichts von Plakaten mit großsprecherischen Behauptungen wie „Wer HO sagt, meint guten Einkauf“ eher gemischte Gefühle aufkommen.

bis 4. März, umfangreiches Begleitprogramm von Vorträgen (2. und 16.12. sowie 6.1., 20.1., 3.2., 17.2. und 3.3.2018, jeweils 11 Uhr) und Führungen. In der Adventszeit gibt es immer sonnabends auch Weihnachtskonzerte.

Von Christian Ruf