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Regional Millionenförderung der EU für die HfBK Dresden
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12:20 26.02.2020
HfBK-Rektor Matthias Flügge (r.) und Kanzler Jochen Beißert in der Druckgrafikwerkstatt der Hochschule. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Dresdens Hochschule für Bildende Künste hat über ein EU-Allianz-Projekt bis 2022 mindestens 2,6 Millionen Euro an Land gezogen. Darüber haben Rektor Matthias Flügge und Kanzler Jochen Beißert mit den DNN gesprochen – außerdem über ihre Kollegen in Budapest, Eigenheiten deutscher Forschungsförderung und das vorläufige Ende der Pläne, Kunstpädagogik-Studenten künftig an der HfBK zu unterrichten.

Frage: Es hat sich einiges getan seit unserem letzten Gespräch im Dezember 2018. Damals war von der HfBK ein Baurückstand für einige künstlerische Werkstätten angemahnt worden, vor allem für die Werkstatt Holz auf der Güntzstraße und die Werkstatt Keramik auf der Pfotenhauerstraße. Ist der einigermaßen aufgearbeitet?

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Jochen Beißert: Spatenstiche haben wir zwar noch nicht vollzogen, aber in der Sache ist trotzdem viel passiert. Es gibt Planungen für Interimslösungen von Werkstätten, vor allem für die Holzwerkstatt.

Aber auch bei Keramik und Stein ist das durch den SIB (Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement, Anm. d. A.) vorangetrieben worden. Wir stecken außerdem mitten in den Entwicklungsplanungen. Das ist eine große Bedarfsermittlung der Hochschule, immer mit der Frage: Passt das, was in den 1990ern erhoben wurde, noch zu unseren heutigen Aufgaben? Oder gibt es mittlerweile zusätzliche Bedarfe?

Welche Bedarfe sind das denn?

Beißert: Bei den Seminarräumen herrscht eine hohe Frequenz, da gibt es Überbelegungen. Auch neue Werkstätten wie die für den 3D-Druck, der Career Service oder die Lehrer-Fortbildung brauchen angemessene Räume.

„Letztlich geht es darum, die Kunsthochschulen der Zukunft aus einer europäischen Perspektive zu entwerfen.“

Also hat sich die Baufront etwas beruhigt.

Matthias Flügge: Von Beruhigung würde ich nun nicht gleich sprechen. Was wir brauchen, haben wir ja schon mehrfach formuliert. Nun sind es auch die neuen Technologien wie computergestütztes Entwerfen, 3D-Druck oder Laserschnitt – die wir in den vergangenen Jahren an der Hochschule eingeführt haben –, die Arbeitsraum benötigen.

Alles hat 2019 eine zusätzliche Kraft bekommen, seit wir mit den Kunstakademien in Budapest, Riga und Rom im Projekt „EU4ART“ verbunden sind, in der Pilotrunde für die europäischen Hochschulallianzen. Das Ganze ist erstmal auf drei Jahre angelegt und soll neben mehr Mobilität für Studierende auch eine Art gemeinsames Curriculum für die künstlerische Bildung in der Bildenden Kunst schaffen. Dort haben wir schon im Antrag formuliert: Eine unserer Kernkompetenzen liegt in den künstlerischen Werkstätten. Da können wir auf eine ungebrochene Entwicklung in den letzten Jahrzehnten verweisen, sogar auf einen Ausbau. In die technische Ausstattung haben wir einiges investiert, hinzu kommt erstklassiges Personal. All das hat aber natürlich auch räumliche Konsequenzen. Eins bedingt das andere.

Dass wir bei dem EU-Projekt mit unseren Partnern den Zuschlag bekommen haben, hat uns übrigens überrascht, andererseits aber auch einen ziemlichen Schub gegeben. Und in den verbleibenden gut zweieinhalb Jahren werden wir noch viel unbekanntes Terrain erkunden müssen. Wir gehen aber davon aus, dass die EU das Experiment danach nicht abwürgen wird. Derzeit wird in Brüssel darüber diskutiert, ob und wie es verstetigt werden kann. Angelegt ist alles jedenfalls als europäische Harmonisierung. Ein Beispiel: Bei uns studiert man Bildende Kunst. In Budapest studiert man entweder Skulptur, Grafik oder Malerei. Wer dort Skulptur studiert, hat kaum etwas in den grafischen Werkstätten zu suchen und umgekehrt. Das wollen auch die Kollegen in Budapest ändern. Letztlich geht es darum, die Kunsthochschulen der Zukunft aus einer europäischen Perspektive zu entwerfen. Deshalb das in jede Himmelsrichtung ambitionierte geografische Programm, zu dem noch assoziierte Partner hinzukommen, zum Beispiel in Manchester.

Was war eigentlich ausschlaggebend für die Auswahl der Partneruniversitäten Budapest, Riga und Rom für das Projekt?

Flügge: Wir haben seit ein paar Jahren gute Verbindungen zur Hochschule in Budapest und haben die politische, künstlerische und intellektuelle Situation dort vielfach diskutiert. Sie richten ihre Energien und Hoffnungen auf die EU, denn von ihrer Regierung werden sie eher kurz gehalten. Und die kann natürlich auch über den finanziellen Hebel in die Inhalte von Forschung, Lehre und Projekten eingreifen. Für Lehrende und Studierende in Ungarn ist so ein EU-Projekt also auch eine Art Rückversicherung. Budapest ist in dieser Allianz mit Rom, Riga und uns federführend, der „leading partner“.

Für alle vier Hochschulen fließen nun fünf Millionen Euro über drei Jahre. Wird das Geld paritätisch verteilt? Wie groß ist der Anteil der HfBK?

Beißert: Es ist eine ganz stattliche Summe. Wir bekommen rund 1,5 Millionen Euro, natürlich projektbezogen.

Dazu kommt nun sogar noch Geld vom DAAD, der die deutschen Hochschulen, die für das EU-Programm ausgewählt wurden, in einem nationalen Begleitprogramm fördert.

Beißert: Das stimmt. Zunächst waren das 250.000 Euro pro Jahr für die drei Jahre. In diesem Jahr aber hat die Bundesregierung angekündigt, die DAAD-Mittel nochmals aufzustocken – auf 600.000 Euro für 2020.

„Wer je einen Antrag an die EU gestellt hat, weiß, was dafür an Lebenszeit draufgeht.“

Wer sich die Liste der deutschen Hochschulen ansieht, die in den 17 erfolgreichen Europa-Allianzen vertreten sind, findet die HfBK Dresden dort als einzige Kunsthochschule...

Flügge: Nicht nur das. Wir sind überhaupt das einzige Kunsthochschulprojekt in diesen Allianzen. Und wir haben uns auch an der Ausschreibung beteiligt, um ein bisschen wider den Stachel zu löcken. Unser Problem gegenüber Abgeordneten der Parlamente und Hochschulpolitikern ist es immer wieder, dass wir als Kunsthochschulen nach den gleichen Maßstäben beurteilt werden wie die wissenschaftlichen Hochschulen. Dabei entstehen aber manchmal komische Situationen. Kunsthochschulen werden zum Beispiel nicht von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert, was eigentlich ein unhaltbarer Zustand ist. Es wird immer mehr von Kunst als künstlerischer Forschung geredet, aber von verantwortlicher Seite dann nicht ernst genommen.

Auch deshalb haben wir uns nach der Idee der Budapester Rektorin erst einmal gefragt: Haben wir als Kunsthochschule in so einem Verfahren überhaupt eine Chance? Wir hatten nach vielen Beobachtungen und Erfahrungen eher den Eindruck, dass unsereiner da immer durchfällt. Um das herauszufinden, haben wir uns beteiligt. Wer je einen Antrag an die EU gestellt hat, weiß, was dafür an Lebenszeit draufgeht.

Von den 54 dort eingereichten Allianzen war also die Achse Budapest-Dresden-Riga-Rom tatsächlich die einzige, wo Kunsthochschulen beteiligt sind?

Flügge: Ja, das hat sich sonst keiner getraut. Aber wir in unserer fröhlichen Naivität... (lacht) Doch ernsthaft mit Erfolg hatte ich nicht gerechnet, bei aller Liebe. Aber vielleicht wollte die EU ja auch mal mutig sein, wer weiß?

Von der europäischen zur Landesebene. Welche Erwartungen gibt es an die neue sächsische Regierungskoalition?

Beißert: Wir hoffen vor allem, dass wir bisher befristete Stellen verstetigen können. Sechs entsprechende Stellen sind aktuell beim Ministerium beantragt. Je früher wir von dort Signale bekommen, desto größer ist unsere Planungssicherheit.

Flügge: Planung ist ein gutes Stichwort. Bei der Besetzung von Professuren sind wir mittlerweile gut unterwegs. Sechs Berufungsverfahren laufen und wir haben wunderbare Künstlerinnen und Künstler als Gastprofessoren verpflichten können, wie Nevin Aladag, Susan Philipsz oder Anton Henning. Sie kamen auch, weil sich in der Stadt etwas getan hat, die Menschen selbstbewusster geworden sind und sich nicht mehr so sehr von der Negativwirkung an jedem Montag beeindrucken lassen. Die Hysterie hat sich gelegt. Man reagiert jetzt politischer auf Phänomene wie Pegida.

Projekt mit der TU Dresden „gleichsam mit einem Federstrich beendet“

Was machen eigentlich die Pläne, die künstlerisch-praktische Ausbildung der Kunstpädagogik-Studenten von der TU Dresden zu übernehmen?

Flügge: Da hat uns die TU leider einen Korb gegeben, nachdem wir knapp fünf Jahre lang eine gemeinsame Planung verfolgt haben, die ihrerseits auch schon der zweite Anlauf dazu war. Ausgangspunkt war die Feststellung, dass die künstlerische Ausbildung der Kunstlehrer-Studenten zu wünschen übrig lässt. Deshalb sollten sie, wie in anderen Bundesländern auch, mit in unseren Klassen studieren können – nach einer künstlerischen Eignungsprüfung. Wir hatten also etliche sehr intensive Gespräche dazu und uns auch fachmännischen Rat aus anderen Bundesländern geholt, wo das alltägliche Praxis ist.

Dann gab es in der Philosophischen Fakultät der TU einen Personalwechsel und wir erhielten völlig überraschend die briefliche Mitteilung, dass man zu dem Schluss gekommen sei, die gesamte Lehre der Kunstpädagogik gehöre zur unverzichtbaren Identität des Instituts. Wir wollten darüber hinaus die Expertise von Kunstgeschichte an der TU und von zeitgenössischer Kunst und -theorie bei uns in engere Verbindung bringen und einen gemeinsamen kunstgeschichtlichen und kunsttheoretischen Wissensort schaffen. Das wurde gleichsam mit einem Federstrich beendet – auch mit dem Argument, dass es gar nicht nötig sei, dass Kunstpädagogen über künstlerische und handwerkliche Kompetenzen verfügen, weil die laut Landesprüfungsordnung gar nicht gefordert seien. Stelle Sie sich mal Musiklehrer vor, die kein Instrument spielen können, nicht singen und keine Noten lesen...

Beißert: Wenn man bedenkt, dass man schon Studien- und Prüfungsordnungen abgestimmt hatte – so weit war das schon gediehen –, ist das natürlich ärgerlich

Rückblick: Das große Doppelinterview 2018 – Probleme der HfBK Dresden beispielhaft für die anderer Kunsthochschulen

Lesen Sie auch: Die Diplomausstellung der HfbK Dresden wird den Erwartungen nicht gerecht

Von Torsten Klaus

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