Meister der metaphorischen Plastik: Wolf-Eike Kuntsche wird 80 Jahre alt
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Meister der metaphorischen Plastik: Wolf-Eike Kuntsche wird 80 Jahre alt

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09:11 04.07.2021
Wolf-Eike Kuntsche in der Stadtgalerie Radebeul.
Wolf-Eike Kuntsche in der Stadtgalerie Radebeul. Quelle: Martin Förster/Archiv
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Radebeul

Nach einer Ausbildung zum Steinbildhauer und der Arbeit in diesem Beruf absolvierte der am 4. Juli 1941 in Berlin geborene Wolf-Eike Kuntsche 1961 bis 1966 ein Studium als Bildhauer an der HfBK Dresden bei den Professoren Walter Arnold, Gerd Jaeger und Hans Steger. 1969 erhielt er eine Aspirantur bei Walter Arnold und war von 1969 bis 1975 dessen Assistent. Dabei lernte er auch den Bildhauer, Keramiker und Maler Herbert Naumann (1918–2003) kennen, der als belesener und skurriler Lehrer und Kollege großen künstlerischen und menschlichen Einfluss auf Kuntsche hatte.

Der „starke Jahrgang“ von Kunststudenten um Kuntsche hat u. a. Künstler wie Wolfram Hänsch, Horst Leifer, Elfriede Raphael, Fridrun Kuhle und Klaus Drechsler hervorgebracht. Viele von ihnen dürfen, so sie denn noch leben, wie Kuntsche dieses Jahr ihren 80. Geburtstag feiern.

Herausragender Bildhauer aus starkem Studienjahrgang

Als exzellenter Bildhauer für den öffentlichen Raum ist Kuntsche in den 1980er Jahren durch seine zahlreichen Plastiken im Zentrum Dresdens bekannt geworden. Neben seiner originellen Plastik zu Erich Kästner am Albertplatz – ein Porträtkopf des Schriftstellers auf einem Stapel Bücher, der Plastik „Völkerfreundschaft“ auf der Prager Straße und dem stilllebenartigen Ensemble im Vorhof des Hotels Bellevue „Die Familie Körner und ihr Kreis in Dresden“, ist besonders die komplexe Plastik zu Caspar David Friedrich im Brühlschen Garten zu nennen. Diese bezieht fast wie eine Rauminstallation das historische Umfeld des Albertinums in das Kunstwerk ein. Kernstück bildet ein stilisiertes Fenster, das die romantische Metaphorik von Innen und Außen aufgreift.

Wolf-Eike Kuntsches komplexe Plastik zu Caspar David Friedrich im Brühlschen Garten. Quelle: Dietrich Flechtner

Von diesem aus verbinden Metall-Seile perspektivisch und raumgreifend den Blick des Betrachters mit der ein wenig abseits stehenden Staffelei und der Ehrentafel mit den Lebensdaten des Künstlers, um sich letztlich im Mittelpunkt der Installation zu treffen. Ein Stuhl lädt dabei symbolisch zum Verweilen und zur Kontemplation ein.

Zahlreiche Kuntsche-Plastiken in Radebeul

Auch in Radebeul-West, wo Wolf-Eike Kuntsche seit 1976 mit seiner Frau, der Malerin und Grafikerin Bärbel Kuntsche, lebt und arbeitet, findet man zahlreiche Arbeiten von ihm. Wie die Stahlplastik „Weintraube“ (1987) im Hof des Gymnasiums Luisenstift sowie das plastische Ensemble „Quintett“ (2009) im Bürgerpark. In einer Ausstellung im Juni 2011 waren darüber hinaus zu seinem 70. Geburtstag in der Stadtgalerie Radebeul verschiedene Werkgruppen in Holz, Zement, Bronze und Porzellan in einer Reminiszenz an fünf Jahrzehnte Wirken zu sehen.

Preisgekrönter Medailleur

Neben den großen Arbeiten im Stadtbereich von Dresden und Radebeul hatte Kuntsche auch als Medailleur und Kleinplastiker Erfolg: 1980/84/86 war er Teilnehmer und Preisträger der internationalen Symposien für Medaillenkunst und Kleinplastik in Nyiregyhaza (Ungarn). 1987 wurde ihm der Grand Prix der VIII. Internationalen Biennale des Humors und der Satire in Gabrowo (Bulgarien) zugesprochen. 1988 gewann er den 1. Nationalen Medaillen-Wettbewerb der DDR zum Thema „Natur und Umwelt“. Bei diesen Möglichkeiten lernte Wolf-Eike Kuntsche ein besonderes Verfahren der Wachsausschmelztechnik kennen, das kompliziertes Arbeiten mit Gravuren und Abdrücken zulässt. Bereits 1972 hatte Kuntsche eine Medaille mit dem Porträtkopf des Komponisten Carl Maria von Weber geschaffen.

Seine politisch engagierten Objekte „Großes Finale“ und „Ende der Vorstellung“ sind sensible Vorahnungen zu den politischen Veränderungen in der DDR zwischen 1984 und 1989. Ebenso schuf er 1986 ein Objekt zur Katastrophe in Tschernobyl. Auf einem Symposium in der Sächsischen Porzellanmanufaktur Freital-Potschappel entstanden 2002 zahlreiche Porzellanarbeiten unter dem Thema „Arkadien“. 2004 wurde an Wolf-Eike Kuntsche der Kunstpreis der Großen Kreisstadt Radebeul vergeben.

Von Heinz Weißflog