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19:40 24.09.2019
Die Sächsische Staatskapelle unter Dirigent Ton Koopman. Quelle: Oliver Killig
Dresden

Es ist schon köstlich, was sich alles an musikalischen Eintagsfliegen aus den Vitrinen des Kuriositätenkabinetts hervorkramen lässt, winkt nur ein – und möglichst ein höfisches – Dresdner Jubiläum. Das Entzücken über die 300. Wiederkehr der Kurprinzenhochzeit Anno 1719 war sogar so groß, dass die Sächsische Staatskapelle an ihrem 471. Gründungstag – horribile dictu – „La Gara degli Dei“ (Der Wettstreit der Götter) von Johann David Heinichen aufführte – eine musikalische Schmonzette, die damals dem Feuerwerk voranging.

Dass dies wohl nicht das rechte Zugpferd für die Pflege des eignen Gründungsmythos war, dürfte den Kapellmitgliedern beim Blick in die leeren Reihen (nicht nur Plätze!) maßgeblich in Parkett und erstem Rang schnell aufgegangen sein.

Lapidar und im Gleichmaß abgespult

Hofkomponist Heinichen hatte dereinst in der ihm eignenden, aus heutiger Sicht nicht sonderlich gewitzten Art zur Unterhaltung des Brautpaares und dessen Hochzeitsgästen einen italienischen Text vertont, der grob umrissen die Erhabenheit der Brautleute, das baldige Kinder-in-die-Welt-setzen, die Jagd und andere Annehmlichkeiten zum Inhalt hat und worüber die Götter Diana, Venus, Merkur, Mars, Saturn und Jupiter in der Länge einer Mahler-Sinfonie diskutieren dürfen. Der Inhalt, auch der musikalische Gehalt spielen aber offenbar keine Rolle, wenn man nur etwas zur Sehnsucht nach monarchischem Glanz beisteuern kann.

Also denn: Nach fast der Hälfte gab es endlich eine harmonisch ansatzweise interessante Arie zu hören. Etwas, das die Sache gewürzt hätte, ein Duett vielleicht, kannte Heinichen noch nicht und erst ganz kurz vor dem Schluss hatte auch die Aufführung als solche den ersten Lichtblick dank des Tenors Mauro Peter (Saturn), der mit feinem lyrischem Ton und gestalterischem Gespür mit seiner Arie – begleitet von einem Horn, zwei Theorben (Stefan Maass, Stephan Rath als Gäste) und einem Kontrabass! – eine Ahnung davon gab, worin der Zauber des Stückes hätte liegen können.

Den aber verhinderte standhaft als Dirigent Ton Koopman, dem der Ruf vorauseilt, ein Barockspezialist zu sein. Doch angesichts des mal schlurfenden, mal stapfenden und fast uncharmanten Ergebnisses seiner Leitung fiel einem gleich eine ganze Phalanx andrer Spezialisten ein, die an diesem Sonntagvormittag in der Semperoper durchaus für musikalischen Zauber auch mit diesem Stück hätten sorgen können. Wie man die Rezitative, in denen ja die eigentliche Geschichte erzählt wird, nur so lapidar und im Gleichmaß abspulen kann (mit Koopman selbst am Cembalo), blieb schleierhaft.

Eilends durch den Schlusschor

Auch sängerisch blieb die Aufführung durchwachsen, da Yetzabel Arias Fernandez (Sopran – Merkur) gleich am Beginn noch mit dem lockeren Lauf der Koloraturen rang, Robin Johannsen (Sopran – Diana, Venus) mit ihrem Soubrettentimbre kaum die Idee der Partien traf, Manuel Walser (Bariton) als Jupiter zu kleinlich wirkte und vor allem der Countertenor Maarten Engeltjes bei dünner Tiefe und Intonationsschwankungen in der Höhe ständig mit der Bildung seiner Töne beschäftigt schien. Dabei war seine Partie des Mars als quasi Maître de Plaisier tragend für das Ganze und es hätte ihm obliegen müssen, durch das Stück zu leiten und dramatische Akzente zu setzen. Davon aber kam nichts über die Rampe.

Nachdem Saturn für einen Moment musikalisch gezaubert hatte, war es auch gleich vorbei. Koopman brach noch dem Finale die Würde und die Größe ab, indem er durch diesen Schlusschor eilte, wie schon durch die eröffnende Sinfonia.

Dass er tatsächlich anders zu gestalten vermag, zeigte Ton Koopman nach der Pause bei Joseph Haydns Londoner Sinfonie B-Dur (Nr. 98), mit der auch die Staatskapelle musikalisch richtig zum Zuge kam. Die Schönheit und Spezialität des Klanges, über die das Orchester verfügt, war bei Heinichen zwar unüberhörbar gewesen (Konzertmeister Wollong dabei sogar mit Barockbogen spielend), doch bei Haydn blühte der Klang ungeahnt auf (großartig: Matthias Wollong, Violine, Andreas Kißling, Querflöte – die hölzerne Böhmflöte – und Armand Djikoloum, Oboe, als Gast aus Hannover).

Hier schuf Koopman Strukturen und Kontraste, ließ weiten Bögen im Adagio Raum, holte kraftvoll Schwung im Menuett und ließ den Witz des letzten Satzes ganz zur Geltung kommen. Auch die vielen Details einzelner Stimmen und die Akzente (herrlich unterstützt von Thomas Käppler, Pauken) waren bestens gearbeitet und musikalisch ein Vergnügen. Dafür gab es dann auch deutlich kräftigeren als den höflichen Applaus nach Heinichens Hochzeitskantate. Unbefriedigt durfte man trotzdem sein, denn so blieb ein unüblicher Anlass als Chance für ein außergewöhnliches Konzert nur halb genutzt.

Von Hartmut Schütz

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