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Regional „Mann größter musikalischer Gestaltungskraft“: Dresden nahm Abschied von Peter Schreier
Nachrichten Kultur Regional „Mann größter musikalischer Gestaltungskraft“: Dresden nahm Abschied von Peter Schreier
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13:10 09.01.2020
„Ach Herr, lass dein lieb Englein“, den Schlusschoral aus Bachs Johannespassion, sangen die Kruzianer im Halbkreis auf dem Altarplatz. Quelle: Oliver Killig
Dresden

Dresden hat in bewegender, würdiger Anteilnahme Abschied von Peter Schreier genommen. Zum Trauergottesdienst der Familie des am 25. Dezember im Alter von 84 Jahren gestorbenen Sängers und Dirigenten am Mittwoch in der Kreuzkirche waren neben den Angehörigen, Weggefährten, Freunden, Künstlern, Vertretern aus Kirche, Kultur und Politik tausende Menschen aus Dresden und von außerhalb gekommen.

Unter den Gästen erwiesen auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, die Ministerin für Kultur und Tourismus, Barbara Klepsch, Dresdens Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch, Leipzigs Thomaskantor Gotthold Schwarz, die Sänger René Pape und Olaf Bär und die Familie Theo Adams, des im Januar 2019 verstorbenen Dresdner Bassisten, Peter Schreier die letzte Ehre. Viele legten Blumengebinde am Sarg im Altarraum nieder.

Ein „Mann größter musikalischer Gestaltungskraft

„Ein wahrhaft Großer ist von uns gegangen“, ein „Mann größter musikalischer Gestaltungskraft“, würdigte ihn Kreuzkantor Roderich Kreile. Er erinnerte an den Künstler, der als Sohn eines Kantors und Lehrers erste musikalische Bildung erfahren hatte und den ab 1945 die Zeit im Dresdner Kreuzchor entscheidend prägte. Nach privatem Gesangsunterricht und Studium hatte Peter Schreier danach eine beeindruckende Karriere zunächst als lyrischer Tenor, später auch als Dirigent eingeschlagen, war ein international gefragter Künstler geworden.

„Meine erste Begegnung erfolgte spät“, so Kreile, nach seiner Berufung 1997 zum 28. Dresdner Kreuzkantor. Das gemeinsame Musizieren bei Aufführungen von Bachs h-Moll-Messe und Matthäuspassion sei für ihn ein Urerlebnis gewesen, beim Dirigieren seien seine Hände von Schreiers Intentionen geradezu geführt worden. Als Evangelist habe dieser die Musik Johann Sebastian Bachs lebendig gemacht. Seine „äußerste Hingabe“ sei Vorbild für junge Menschen, sagte Kreile, an die Kruzianer gewandt.

Bilder aus dem Leben von Peter Schreier

In die Traurigkeit des Abschieds mische sich große Dankbarkeit

Der Dresdner Kreuzchor gestaltete den Gottesdienst mit Heinrich Schütz‘ Motette „Selig sind die Toten“ und dem „Dankpsalm“ von Rudolf Mauersberger, Kreuzorganist Holger Gehring spielte Orgelmusik von Schütz und Bach; Superintendent Christian Behr nannte Peter Schreier einen „Verkünder des Evangeliums und großen Musiker“.

Pfarrer Markus Deckert von der ev. Kirchgemeinde in Loschwitz, der auch Schreier angehörte, sprach in seiner bewegenden, den prominenten wie den privaten Menschen Peter Schreier fassenden Predigt von den „unvergesslichen Momenten tiefer Ergriffenheit“, die dieser den Menschen geschenkt hat. Schreier habe eine Stimme gehabt, die ganz unverwechselbar er selbst war und mit der er es geschafft habe, das Wort im Hörer zum Wirken zu bringen. In die Traurigkeit des Abschieds, so Deckert, mische sich große Dankbarkeit. Peter Schreier habe viel erreicht, ein Weltbürger, der sich immer der sächsischen Heimat zugehörig fühlte und ihr verbunden blieb, ein Mensch ohne Abgehobenheit, der eine unzählbare Schar von Menschen mit seiner Kunst in den Bann zog und Verehrer bis nach Japan hatte.

Beisetzung im engsten Kreis der Familie

Peter Schreier hatte im Jahr 2000 Abschied von der Oper genommen, fünf Jahre später in Prag als Sänger von der Bühne. Dennoch war er auch danach noch musizierend zu erleben, zum Beispiel 2005 zur Weihe der wiedererrichteten Dresdner Frauenkirche und als Unterstützer des Wiederaufbaus der Loschwitzer Kirche. Der Sänger, der als Knabe das Ende des zweiten Weltkrieges erlebte und durch das zerstörte Dresden gelaufen war, hat erleben können, wie seine Heimat wiedererstand.

„Ach Herr, lass dein lieb Englein“, den tröstenden Schlusschoral aus Bachs Johannespassion, sangen die Kruzianer zum Schluss des Gottesdienstes im Halbkreis auf dem Altarplatz, bevor nach dem Segen Angehörige und enge Freunde mit dem Sarg Peter Schreiers die Kirche verließen. Die Beisetzung wird im engsten Kreis der Familie stattfinden.

Zur Person Peter Schreier

Der Ende 2019 gestorbene Dresdner Sänger Peter Schreier hat weltweit in mehr als 60 Partien brilliert. Der lyrische Tenor wurde für seine Mozart- und Schubertinterpretationen besonders geschätzt, aber auch als Evangelist in den Oratorien Johann Sebastian Bachs.

Schreier wurde 1935 im sächsischen Meißen geboren und wuchs als Sohn eines evangelischen Kantors im nahe gelegenen Dorf Constappel auf. Mit acht Jahren kam er zum Dresdner Kreuzchor. In der Nachkriegszeit sang er dort unter Kreuzkantor Rudolf Mauersberger (1889-1971), der ihn früh als Solist förderte.

Schreier studierte in Dresden Gesang und Dirigieren. Erstmals auf der Opernbühne stand er 1959 in Dresden als Erster Gefangener in Beethovens „Fidelio“. Seinen Durchbruch schaffte er 1962 mit Belmonte in Mozarts „Entführung aus dem Serail“.

25 Jahre lang war er bei den Salzburger Festspielen engagiert. Auch bei den Bayreuther Festspielen war er wiederholt zu Gast. Einen Namen machte er sich zudem als Liedinterpret. Mit 70 Jahren verabschiedete sich der Tenor 2005 in Prag von seinem Publikum und sang ein letztes Mal das Weihnachtsoratorium von Bach. Bereits fünf Jahre zuvor hatte er seine Opernkarriere beendet. Danach war er weiter als Dirigent tätig. Der Familienvater, Großvater und Urgroßvater lebte in Dresden-Loschwitz.

Von Kerstin Leiße

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