Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Regional Manaf Halbouni ist wieder in Dresden und zeigt „Ende ist gleich Anfang“
Nachrichten Kultur Regional Manaf Halbouni ist wieder in Dresden und zeigt „Ende ist gleich Anfang“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:21 22.10.2018
Manaf Halbouni: "Die Zeit wie ein Schwert"
Manaf Halbouni: "Die Zeit wie ein Schwert" Quelle: Manaf Halbouni
Anzeige
Dresden

Ab dem heutigen Montag steigt er dem Auswärtigen Amt der Bundesrepublik aufs Dach. Manaf Halbouni ist eingeladen worden, als dritter Stipendiat des Artist-in-Residence-Programms sein Studio ganz oben am Werderschen Markt über allen Regierungskreisen zu beziehen. Dort wird er in den nächsten Tagen und Wochen sein Projekt „What if“ weiterentwickeln.

In Dresden aber, wo der 1984 in Damaskus geborene Künstler an der Kunsthochschule sein Studium beendet hat (wegen des Krieges war dies in seiner syrischen Heimat nicht möglich), ist Halbouni jetzt wieder mit einer kleinen Werkschau präsent. Dabei wollte er nach dem teilweise abnorm hässlichen Protest gegen seine Installation „Monument“ auf dem Neumarkt in Dresden eigentlich erst einmal nicht mehr ausstellen.

Doch in den Büroräumen der Agentur Oberüber Karger ist seit dem Wochenende die Werkauswahl „Ende ist gleich Anfang“ zu sehen – und die ist überaus sehenswert. Neben einer umfangreichen Serie von Selbstporträts des Künstlers – einmal in karnevalesker Generalsuniform und daneben immer wieder in absurd bunten Freizeithemden – gibt es eine Auswahl von Skulpturen, die metapherngleich deutliche Aussagen reflektieren.

Manaf Halbouni: „Der General im Urlaub“ und „Der General“, aus der Serie „What if“ Quelle: Manaf Halbouni

Da geht es einerseits um das mögliche (!) Miteinander verschiedener Kulturen, dargestellt etwa in einem hölzernen Fachwerkkonstrukt, dessen Gefache mit Beton gefüllt sind, und andererseits um die Folgen von Krieg und Gewalt. Wird das Gemeinsame beispielsweise verdeutlicht, indem das „altdeutsche“ Fachwerk mit dem Ornament eines achteckigen Sterns gefüllt ist, dem sowohl im Islam als auch im Hinduismus bekannten Symbol, so wirken ab- und ausgrenzende Inhalte mitunter schockierend. Einmal mehr hat Halbouni arabische Schriftzeichen in armierten Beton gegossen, unter Verwendung eines Sprichworts etwa in „Zeit ist wie ein Schwert“ mehrere Armbanduhren als Ausdruck von Flucht, Raub und Vertreibung in das harte Material eingearbeitet. Das weckt Assoziationen sowohl an die Untaten der Krieger im heutigen Syrien wie an die Deportationen der Juden im faschistischen Deutschland.

Hoch aktuell ist das Objekt „Festplatte“. Ein Computerlaufwerk in einem Rahmen aus Beton und Kabeln – Verhörmaßnahmen der Geheimdienste werden damit bildhaft gemacht. Auch der Verlust, das Verschwinden von Kunst ist ein Thema, deutlich geworden in „Betonierte Erinnerung“ mit einer kalligraphierten Leinwand, die zur Hälfte im Betonmantel steckt. Und selbst ein hintermaltes „Kirchenfenster“ steckt in stahlbewehrtem Beton – vieldeutig auslegbar, denn der Krieg in Nahost und anderswo betrifft Christen ebenso wie Muslime und Menschen, die frei von Gottesgläubigkeit sind.

Am heutigen Montag sowie am 6. November gibt es die Möglichkeit, mit Manaf Halbouni in seinem Berliner „Polit“-Studio ins Gespräch zu kommen und das temporäre Atelier auf dem Dach des Auswärtigen Amts zu besichtigen.

Ausstellung bei Oberüber Karger, Dresden, Devrientstr. 11

Von Michael Ernst