Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Regional Malerei und Grafik von Anne Kern in der Galerie Himmel
Nachrichten Kultur Regional Malerei und Grafik von Anne Kern in der Galerie Himmel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:12 25.09.2019
Anne Kern, Granitsteinbruch Hohwald, 2017, Öl auf Leinwand (Ausschnitt). Quelle: Repro: PR
Dresden

Anne Kern (*1981 in Dresden) zählt zu den jüngeren Künstlerinnen, deren Entwicklung von den Galeristen Anja Himmel und Michael Böhlitz seit Jahren mit großer Aufmerksamkeit verfolgt und begleitet wird. Nach zwei Beteiligungen 2016 („fünfmal Landschaft“) und 2017 (mit Klaus Drechsler, bei dem sie Zeichenunterricht erhalten hatte) zeigt sie nun unter dem Titel „Essenzen“ ihre erste Personalausstellung in der Galerie am Obergraben.

Aufbrüche, die jederzeit wieder aktiv werden könn(t)en

In der Sächsischen Schweiz aufgewachsen, ist sie sehr stark in der Region, das heißt auch in der angrenzenden Oberlausitz verwurzelt und findet dort ihre Motive. Sie lebt heute in Wehlen, aber es sind nicht etwa die Elbpanoramen oder paradiesisch ursprüngliche Felsformationen, denen sie sich in erster Linie widmet. Vielmehr findet sie dort ihre Motive, wo die zivilisatorische Tätigkeit des Menschen und deren Folgen ihre Wahlheimat stark mit geprägt haben.

Was da zu sehen ist, stellt keine Retrospektive dar, sondern einen erreichten Stand anhand von jüngsten Arbeiten aus dem Atelier: Zur Hälfte sind es großformatige Gemälde, dazu Malerei in mittlerem Format auf Papier, die etwas ursprünglicher, spontaner wirkt, und einige Grafiken, die im Unterschied zur großzügigen Maltechnik sehr filigrane Strukturen aufweisen. All das entstand zumeist in Steinbrüchen der Umgebung, vorwiegend im Granit.

Diese Steinbrüche sind in einem Übergangsstadium, keine „Mahnmale geschundener Landschaft“, sondern allenfalls heilende Wunden, verstanden im Sinne von Metamorphosen, aus denen aber auch völlig neue Wesenheiten hervorgehen werden, die zumeist einmal kostbarer erscheinen werden als die einstige Unberührtheit der Natur „im dunklen Tann“. Aber noch sind es wohl keine voll ausgebildeten Biotope, sondern Übergangszustände.

Wie Vulkane wirken sie als Aufbrüche, die jederzeit wieder aktiv werden könn(t)en. In diesem ambivalenten Zustand spiegeln sich nicht nur Felsen im Wasser, sondern in besonderer Weise auch das (erst seit vergleichbar wenigen Generationen vom Menschen wesentlich mit beeinflusste) Vergehen und Werden in der Natur, aus dem er seine Existenzgrundlagen gewinnen muss und in dem er nach immer neuen Ansätzen sucht.

Weit entfernt von gängigen Freizeit-Visionen

Ein etwas ferneres Beispiel dafür ist der Zulaufgraben des kleinen Wasserkraftwerks im Wehlgrund mit seine italienisch anmutenden Galerie – sicherlich eines der stärksten Motive. Ein Sinnbild dafür sind vielleicht die leeren Kähne, die allenthalben einsam ihre Dämmerschatten in die tiefen stillen Wasser der Restlochseen versenken, während sich manchmal großartige Tektonik in starken Farben darin spiegelt, dann wieder der Blick ganz auf die seltsam archaischen Gefährte konzentriert, als seien sie auch im übertragenen Sinn Transportmittel zum Übergang zwischen den Elementen, den unterschiedlichen Welten.

Das alles erscheint aber eher fremd und jedenfalls weit entfernt von gängigen Freizeit-Visionen. Allenfalls klingt noch die herbe Produktionsromantik des vergangene Jahrhunderts nach in einer verfallenden Behausung oder in der Aufreihung vorgearbeiteter oder verworfener Steine, die aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gerissen wurden, ohne – außer in der Kunst – eine neuen zu finden.

Das alles kling meist in einem herben Grundintervall zwischen Blaugrün und Orange, wird strukturiert durch Grautöne zwischen fahl und tiefem Schwarz, wird von Gelbtönen durchleuchtet, die gelegentlich auch ganz das Grün verdrängen. Oft sind Spiegelungen so klar, dass die Landschaft Kopf zu stehen scheint, es braucht aber Distanz, um sich in die Tiefen hineinzusehen.

Anne Kern hat nach neun Jahren Studium (Sozialpädagogik, Abendschule der HfBK Dresden, Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig) inzwischen auch zehn Jahre freischaffender Arbeit hinter sich und zu ihrem eigenen, herben, mittlerweile recht stark abstrahierenden Stil gefunden, ohne sich dabei vom unmittelbaren Erleben zu entfernen. Ganz im Gegenteil, jede Vereinfachung ist Resultat intensiver Beobachtung, führt daher weder zu Verflachung noch zu expressiver Übersteigerung.

Einziges Ziel scheint eine geradezu meditative Ruhe, in der das Wesenhafte der gegenständlichen Formen hervortritt, ohne Mystifizierung und ohne philosophische oder gar polemischen Attitüde. Was aber entsteht, ist immer wieder eine Spannung aus Fremdem und Vertrautem, denn insbesondere Kerns Farbharmonie widerspricht nicht nur gelegentlich der alten Schulweisheit, aber gerade das macht einen Teil ihres Charakters aus und lädt dazu ein, sich neu in die Dinge einzusehen – fern von den Aufgeregtheiten, die der Alltag zum Thema Steinbruch produziert.

bis 6. Oktober, Galerie Himmel, Obergraben 8, geöffnet Mo-Fr 10-18, Sa 10-16 Uhrwww.galerie-himmel.de

Von Tomas Petzold

Florian Brandl ist Trompeter aus München, der zum Masterstudium nach Dresden kam, sein Abschlusskonzert im Jazzclub Tonne absolviert hat und sich nun mit einer CD namens „Dresden“ für die Zeit an der Elbe revanchiert.

25.09.2019

Mit dem geistreichen Gerichtsdrama „Die zwölf Geschworenen“ startet das Chemnitzer Schauspiel in eine ereignisreiche Spielzeit. Damit hebt der Schauspieldirektor geschickt einen weiteren Klassiker als Stück zur Lage von Stadt wie Nation in den Spielplan, der es nicht nötig hat, plakativ mit dem Rohrzeigestock zu agieren.

26.09.2019

Die Mainzer Künstlerin Nikola Jaensch beseelt Fundstücke: Zeitungsausschnitte, Autographen, Fotos, Briefe, Schnittmusterbögen, Notenblätter, sie stickt Titel, umnäht Papiere. Ihre Arbeiten sind in der galerie drei zu sehen.

24.09.2019