Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Regional Los Angeles River – Frank Lippold stellt in der Städtischen Galerie Dresden aus
Nachrichten Kultur Regional Los Angeles River – Frank Lippold stellt in der Städtischen Galerie Dresden aus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
14:36 05.03.2020
Frank Lippold: Figur 11, Sphingen; 2018, Lackfarbe, Holz, Holzschnitt Quelle: Herbert Boswank
Anzeige
Dresden

Frank Lippolds aktuelle Personalshow in der Städtischen Galerie Dresden trägt den Titel „Die heimliche Perspektive“. Eine Umschreibung des Begriffes Anamorphose, angewandt für Bilder, die nur aus einem bestimmten Blickwinkel oder mittels Hilfsmittel ihre tatsächliche Botschaft preisgeben. Zu den berühmten Anamorphen der Kunstgeschichte zählt der versteckte Totenkopf im Bild „Die Gesandten“ von Hans Holbein dem Jüngeren von 1533. Dieses verzerrte, wie ein Ast zwischen den beiden Porträtierten am Boden liegende Gebilde kann in Nahsicht bei Betrachtung von rechts oben nach links unten als Schädel entschlüsselt werden.

Gute Künstler müssen sich nicht ständig neu erfinden

Frank Lippold, 1970 in Greifswald geboren, studierte in den 1990er Jahren an der HfBK Dresden bei Professor Ralf Kerbach. Wie die meisten der heute noch beachteten autonomen Künstler dieser Hochschulgeneration fand Lippold schon während des Studiums jenseits der Lehre zu eigenen künstlerischen Ausdrucksmitteln.

Damals entstand die Holzschnittserie „Brettspiel“. Die stark abstrahierten Köpfe, als Papierabzüge und eingefärbte Druckstöcke präsentiert, markieren den Ausgangspunkt eines in dieser Ausstellung überzeugend erzählten Bogens künstlerischer Entwicklung Frank Lippolds. Der von den Druckstöcken ausgehende optische und haptische Reiz faszinierte den jungen Studenten derart, dass er auf die Produktion von Papierdrucken seiner Holzschnitte verzichtete und die Bearbeitung der Holzplatten veränderte. Klassisch wird der Druckstock erst eingefärbt, nachdem das Motiv geschnitten wurde. Bei Lippold beginnt die Arbeit mit dem schwarzen Farbauftrag. Es entstehen vor allem großformatige Werke, da die Bildgröße nicht mehr vom Blattmaß bestimmt wird.

2005 stellte Frank Lippold seine großen geschnittenen Arbeiten im Leonhardi-Museum Dresden aus. Eine bildgewaltige Ausstellung ins Holz gezauberter romantischer Landschaften, malerisch in Schwarz und Holztönen. Überwältigt, beschlich einen dennoch das flaue Gefühl, dass mit dieser großen Ausstellung Frank Lippold bereits am Ende seiner künstlerischen Reise angekommen sei. Was sollte da noch kommen außer dem Durchdeklinieren einer großartigen Idee? Aber gute Künstler müssen sich nicht ständig neu erfinden, um sich zu behaupten und zu entwickeln.

Die Platte „Sommerloch“ (2003) wurde von der Städtischen Galerie direkt aus der Leonhardi-Ausstellung heraus erworben. Zu sehen ist ein detailliertes Porträt einer Landschaft. Im Zentrum steht ein breit bekrönter Baum, zu dem sich ein Weg schlängelt, der von einem sanften Hang mit wehenden Gräsern flankiert wird. Der Künstler verwendete klassische Kompositionsprinzipien wie einen asymmetrischen, leicht unruhigen Vordergrund und bildräumliche Tiefe erzeugende unterschiedliche Verschattungen. Jedoch bricht Lippold seine leise Poesie und umformt dieses schöne, romantische Landschaftsmoment mit einer groben, abstrakten, ovalen schwarzen Form. Dadurch drängt sich die Frage auf, was man auf dem Bild eigentlich sehen kann. Ist es eine reale Landschaft? Handelt es sich um eine idealisierte Darstellung oder gar um eine fiktive? Wo befindet sich der Betrachter? Bereits hier ist die Interpretation des Bildes und die Sicht auf dieses auch eine Frage der Perspektive.

Zunehmende Distanzierung von realen Vorlagen

Dieses Mit- und Gegeneinander gegenständlicher architektonischer und landschaftlicher Motive mit abstrakten Formen und Störfeldern potenziert Lippold in den Folgejahren in Bildern wie „Paristice“ (2014). Hinzu kommt eine zunächst dezente, fortan mutig erweiterte Farbpalette. Eingesetzt nach verschiedenen Prinzipien. Grundierung, um dann mit Schwarz oder anderen Farben überzogen und an vom Künstler gewählten Stellen mit dem Messer wieder freigelegt zu werden. Zunehmend erobert sich auch ein anwachsendes Streifenraster einen Stellenwert im Bild wie in „Bellwald“ (2017).

Frank Lippold, Bellwald, 2017 . Quelle: Michael Belogour

Das Besondere an den Werken ist die Veränderung ihrer Bildaussage je nach Perspektive des Betrachtens. Ähnlich einem 3-D-Bild oder Kartendarstellungen im Internet verändert sich das Wahrgenommene beim Schweifen des Blickes von der einen zur anderen Bildseite. Binnenmotive wie Fenster entfalten erst dabei eine dominante räumliche Wirkung, zoomen heran und ziehen sich zurück, wirken aus der einen Richtung gesehen proportional perfekt und aus dem anderen Winkel zu groß oder zu klein.

Seit 2015 lebt Frank Lippold in Baden-Baden. Kurz nach dem Umzug begann er einen mittlerweile auf 24 Werke angewachsenen Zyklus „scheinbar“ ungegenständlicher Werke. Mit zunehmender Distanzierung von realen Vorlagen erlangt die Farbe im Werk vermehrt Beachtung. Schwarz kommt kaum noch zum Einsatz, dafür Blau-Rot-Grün-Töne. Rein oder miteinander vermischt. Parallele Linien überziehen die Bildplatte und bilden zusammen eine geometrische Form. Das Bildmotiv ist aus mehreren, in verschiedene Richtungen laufenden Streifenblöcken zusammengesetzt. Wenige entgegen dem Motivraster verlaufende schmale Linien unterbrechen den Bildrhythmus. Auch hier funktioniert das Prinzip der Illusion. Läuft man an den Tafeln vorbei, erheben sich aus dem zweidimensionalen Bild geometrische Körper.

Kulturnews aus Dresden

Bremst Corona nun auch die Kultur in Dresden?

Carl-Maria-von-Weber-Museum Dresden erhält neue Leiterin

Unplugged im Sitzen: Das Konzert der Spider Murphy Gang krankte am falschen Konzept

Frank Lippold hatte 1994 angefangen, sich dem Gegenständlichen zu widmen. Immer mit der Voraussicht, diesen realen Bezug im Bild irgendwann loszulassen. Im Text des schönen und ungewöhnlich gestalteten Kataloges findet sich folgende Bemerkung zu den jüngsten Arbeiten: „Landschaftliche oder architektonische Elemente fehlen hier gänzlich, die letzte Verbindung zur realen Welt ist gekappt.“ Und hier sind wir an dem Punkt, warum ich von „scheinbar“ ungegenständlichen Werken schrieb. Denn ein Bild wie „Fig. 9, Trojamentora“ (2018) lässt sich durchaus als Konstrukt geometrischer Flächen wahrnehmen, aber man könnte auch einen kleinen Innenhof mit hoch aufragenden Mauern darin sehen.

Frank Lippold führt an, dass er in seiner Bildfindung von einer „inneren Dringlichkeit“ gesteuert ist. Damit seine Bilder kein leeres formales Spiel sind, hat er für sich eine stille Überprüfungsebene gefunden. „Los Angeles River“ heißt seine persönliche heimliche Perspektive auf die Arbeiten. Findet er ihn in den neuen Bildern, dann sind es gute und haltbare Bilder. Das Bild „Fig. 23, Quandristonie“ (2019) zeigt weiße und bräunliche Flächen, für Lippold könnte es aber auch das Müllauffangbecken des Los Angeles River sein. Zwei blaue Dreiecke begrenzen das Bild „Fig. 2, Half-Cut“ (2017). Diese könnten aber auch den Fluss darstellen. Es ist letztlich alles eine Frage der Perspektive.

bis 10. Mai, Städtische Galerie Dresden, geöffnet Di-So 10-18, Fr 10-19 Uhr

www.galerie-dresden.de

Von Patrick-Daniel Baer

Wie nennt man ein Duo bestehend aus Alexander Hacke, Bassist bei Einstürzende Neubauten, und Multikünstlerin Danielle de Picciotto? „Hackedepicciotto“ natürlich! Am Freitag geben die Musiker und Eheleute in der Scheune eine Hörprobe aus ihrer neuen Platte „The Current“.

05.03.2020

Am Samstag findet im Kulturhaus Loschwitz die Premiere für Uwe Tellkamps erzählenden Essay „Das Atelier“ statt. Namen wie Fabian, Christian Hoffmann, Orion, die Bezeichnung „Treva“ für eine Stadt – wahrscheinlich Berlin – deuten auf Verbindungen zum neuen Roman „Lava“, den Suhrkamp für Frühjahr 2021 angekündigt hat.

05.03.2020

Die Albrechtsburg Meißen bietet im August 2020 als erstes Schloss und Museum in Deutschland das sogenannte Histopad an. Mit diesem Tablet-Schlossführer können die Besucher in virtuelle Welten der Schlossgeschichte eintauchen. Mit der Einführung dieses digitalen Angebots steigen die Eintrittspreise.

04.03.2020