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Regional Lizz Wright beschert einen Konzertabend in Perfektion
Nachrichten Kultur Regional Lizz Wright beschert einen Konzertabend in Perfektion
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13:40 12.11.2019
Jazzerin Quelle: Jesse Kitt
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Dresden

Vor ziemlich genau drei Jahren war sie das letzte Mal bei den Jazztagen in Dresden – in jener Nacht, in der ein Teil des US-amerikanischen Wahlvolks dafür sorgte, dass die gesamte Welt bis heute ein Riesenproblem hat. Natürlich erinnert Lizz Wright sich daran, die Mimik der großen Sängerin bezeugt deutlich, was sie von den Entwicklungen seither hält.

Lange, expressive Live-Versionen

Was tun als Künstlerin in solch einer Situation? Vor allem weiter großartige Kunst machen. 2017 erschien mit „Grace“ ihr fünftes – und zu recht wieder hoch gelobtes – Album, das auch als Titel über ihrem Auftritt stand. Dennoch singt die schwarze Schönheit aus Georgia mit der tiefen Stimme nur einige wenige Stücke daraus, sondern fügt vielmehr gezielt Songs aus ihrer langen Karriere zu einem perfekten Konzertabend zusammen, zelebriert diese in langen, expressiven Live-Versionen: so viel mehr als eine Album-Vorstellung!

Sie ist mit anderen Musikern unterwegs als 2016, auch nicht mit denjenigen, mit denen sie „Grace“ eingespielt hat, aber die aktuelle Besetzung bezeugt in jeder Minute die perfekte Zusammenarbeit, das wirkliche Miteinander-Spielen, das für eine Jazzband unabdingbar ist. Allen voran ist da Gitarrist Adam Levy, der aussieht wie ein älterer Sozialkundelehrer, jedoch die akustische Gitarre wie beseelt spielt und sich an der elektrischen in einen veritablen Rocker verwandelt. Ben Zwerin am E-Bass ist der zweite Gitarrist – was ausdrücklich als Kompliment gemeint ist, der coole Michael J. Moore am großen Schlagwerk ein Jazzer reinsten Wassers, und David Cook an Keyboard und Flügel die Komplementär-Kraft zu Wright selbst.

Die Diva reicht Song-Perlen

Die Diva – in rosafarbener, halb schulterfreier, eng anliegender Robe – verkündet, sie habe sich extra für das schöne, neu sanierte Gebäude in das Kleid gehüllt und warnt vor, sie würde vielleicht die Schuhe ausziehen. Und man kann sich die Frau, die mit solchem Können, solcher Eleganz, ihre Song-Perlen vor uns ausbreitet, auf einmal genauso gut vorstellen wie sie mit ihren „Brüdern“, wie sie die Band nennt, im Flanellhemd ein Bier trinkt.

Highlights eines perfekten Abends? Schon auch, zu erfahren, dass „My Heart“ vom 2008er-Album „The Orchard“ mit seinen Ohrwurm-Qualitäten nicht nur ihr Versuch war, einen Popsong zu schreiben, sondern auch Resultat einer Liebesgeschichte zu einem spanischen Percussionisten. Auf musikalischer Ebene unbedingt ihre Version von Neil Youngs „Old Man“ mit Adam Levy und Ben Zwerin in oben erwähnten Aktionen! Oder auch das tieftraurige „Hit the Ground“ von dem ihr Vater gesagt habe, so etwas könne doch eine so junge Frau wie sie nicht schreiben. „Aber wer weiß schon, wie alt wir tatsächlich sind?“ Wenn sie hier lautmalerisch ihre grandiose Stimme durchs Zelt des Ostra-Dome schickt, hat wohl jeder eine Gänsehaut.

Das Politische ist immer mitgedacht

Beim herzzerreißend schönen Liebeslied „Stop“ von „Dreaming Wide Awake“ glänzt David Cook durch sein Flügelspiel; beim Titelstück der aktuellen CD setzt sie selbst sich an das akustische Tasteninstrument während Cook Keyboard-Melodien hinzufügt. Prompt braucht der Song in dieser „Neuaufstellung“ ein paar Momente, bis die Instrumente auch hier organisch zusammenfinden. Unglaublich jedenfalls, dass ihr Gesang sitzend genauso voll und intensiv erklingt wie im Stehen.

„Freedom“ als Hymne, das ergreift unbedingt. Und man geht wohl nicht falsch zu vermuten, dass bei Wright, die so viel über persönliche Dinge, über die Liebe und ihre Konflikte schreibt, das Politische sowieso immer mitgedacht ist. Ebenso, dass sie uns meint, uns im Ostra-Dome und uns, als ihr Publikum allgemein, wenn sie bei der Zugabe „Seems I’m Never Tired Lovin’ You“ (Scheint, als bekäme ich nie genug davon, dich zu lieben) von „Grace“ ihre Arme weit ausbreitet. Und selten hat man bei Künstlern das Gefühl, dass die guten Wünsche, das „Passt auf euch auf!“, so ehrlich geäußert werden.

Von Beate Baum

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