Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Regional Landesbühnen mit 21 Premieren in der Spielzeit
Nachrichten Kultur Regional Landesbühnen mit 21 Premieren in der Spielzeit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:16 05.09.2019
Die Sänger Tobias Bieri und Veronika Hörmann gaben auf der Jahrespressekonferenz der Landesbühnen schon mal einen musikalischen Vorgeschmack auf Sondheims Musical „Sunday in the park with George“, hinter ihnen sitzen Ballettchef Carlos Matos, Oberspielleiter Schauspiel Peter Kube und Steffen Pietsch, Schauspieler, Regisseur und Leiter Junges.Studio. Quelle: Pawel Sosnowski
Radebeul

Ein Mehrspartentheater besteht herkömmlich aus Schauspiel und Musiktheater mit mehr oder weniger streng geschiedener ernster (Oper) und heiterer Abteilung (Operette), die sich dass Ballett nach Bedarf teilen. Das klingt mittlerweile sehr nach Provinz, ist aber in der Provinz längst Geschichte.

Auch und gerade deshalb sind die Landesbühnen (in) Sachsen so wichtig. Hier gibt es ein eigenständiges Ballett mit eigenen Uraufführungen, man traut sich spartenübergreifend an die „großen“ Musicals, die schon wegen der schwierigen Rechtevergabe meist an speziellen Häusern aufgeführt werden.

Spielzeitmotto: „Das Lachen hält uns vernünftiger“

Doch damit nicht genug; hinzu kommen im weiten Umkreis die Aufführungen des Figurentheaters und des Jungen Studios in Schulen und Kindergärten, und das ist genau genommen die Basis für das Ganze, indem sie für ein nachwachsendes Interesse sorgen. Warum dies not tut, muss, wie vielseitig es in der Praxis ist, kann an dieser Stelle nicht vertieft werden.

Die Angebote der neuen Spielzeit, die am Mittwoch von Intendant Manuel Schöbel und seinem Leitungsteam im Radebeuler Stammhaus vorgestellt wurden, setzen auf ein vielseitig interessiertes Publikum und große Vielfalt der künstlerischen Mittel.

Insgesamt 21 Premieren erscheinen auf den ersten Blick im Vergleich zu eher inflationistisch arbeitenden Häusern nicht besonders viel, aber hier sind ja die Ensembles eher klein, die Besetzungsmöglichkeiten begrenzt.

Da muss sich Schauspielchef Peter Kube für seine Inszenierung „Die acht Frauen“ eigentlich mehr als eine „borgen“, um die filmbekannte Kriminalkomödie auf die Bühne zu bringen. Doch Spaß und Hintersinn bedeuten nicht zwangsläufig Flucht vor der Realität „...wer über gewisse Dinge den Verstand heute nicht verliert, der hat keinen zu verlieren, sinniert Kube im Programmheft, darüber komme man nur mit Humor hinweg.

Und so will auch das Spielzeitmotto, Zitat aus „Minna von Barnhelm“ verstanden sein. „Das Lachen hält uns vernünftiger“ glaubte Lessing. Für dieses besondere Lachen soll Steffen Pietsch als Regisseur sorgen, eben der Mann, der speziell für die Jugendsparte verantwortlich ist.

Das Politische kommt weniger frontal

Ungewöhnlich, dass eine Inszenierung bewusst zum Vergleich lädt. „Mein Kampf“, George Taboris Farce über den jungen Postkartenmaler Adolf Hitler, der nur dank der Hilfe jüdischer Mitbewohner im Obdachlosenheim überlebt, kommt parallel am Dresdner Staatsschauspiel auf die Bühne, und nach den Worten der neuen Chefdramaturgin Kerstin Weiß sollen die Zuschauer ermuntert werden, sich mit beiden Lesarten (in Radebeul der von Peter Dehler) auseinander zu setzen.

Das Politische kommt weniger frontal, gelegentlich geradezu leichtfüßig. Ballettchef Carlos Matos etwa setzt sich mit Picasso auseinander und mit dem Kampf der Frauen in patriarchalischen Gesellschaften: Antigone und Lysistrata. Bei jedem Stück müsse man wissen, warum man es heute auf die Bühne bringe, meint auch Operndirektor Sebastian Ritschel.

Unter seiner Regie steigt am 28. September mit „Sunday in the Park with George“ die erste Premiere der Saison. Das vielfach ausgezeichnete Musical von Stephen Sondheim handelt von dem Maler Seurat, dem „Erfinder“ des Pointillismus, einem seiner berühmten Gemälde und einer Inspiration, die hundert Jahre später im modernistischen Paris davon ausgeht. Da darf man noch gespannt sein im Vergleich zur permanenten Relevanz von Brecht/Weills Oper „Mahagonny“, die anschließend von Manuel Schöbel inszeniert wird (musikalische Leitung jeweils Peter Preu).

Mancherlei zum (wieder) entdecken

Ebenfalls musikalisch endet der Premierenreigen. O‘Brians „Rocky Horror Show“ erlebt am 15. Mai 2020 die erste von zehn Aufführungen im Alten Schlachthof in Dresden, einer der Ausweichspielstätten für die Felsenbühne Rathen, die bis April 2022 modernisiert wird und ein neues Funktionsgebäude bekommt. Ziemlich alternativ dazu wird es wohl klingen, wenn am 17. Mai zum großen Wunschkonzert mit der Elblandphilharmonie ins Stammhaus geladen wird.

Dazwischen gibt es mancherlei (wieder) zu entdecken. Den legendären Puppenspieler Carl Schröder etwa im Figurentheater, Neil SimonsSonny Boys“ mit Michael Heuser und Olaf Hörbe oder die Oper „Der Vampyr“ von Heinrich Marschner. Auch zum Opernball wird wieder geladen (zum Beginn der neuen Goldenen Zwanziger?) und zu vielerlei Lesungen, Konzerten, Ausstellungen im Glashaus.

Premieren der Spielzeit 2019/20 – Auswahl

28. 9., 19 Uhr: „Sunday in the Park with George“, Musical von James Lapine/Stephen Sondheim,  

6.10., 19 Uhr: „Ich und Du“, von Ingeborg von Zadow, P5 Studiobühne

12. 10., 16 Uhr: „Der gestiefelte Kater“, Thomas Freyer nach den Brüdern Grimm, P6

18. 10., 19.30 Uhr: „Sonny Boys“, von Neil Simon |

25.10., 19.30 Uhr: „Salzwasser“, irischer Abend von Connor McPherson, Goldne Weintraube

26. 10. 19 Uhr: „Die acht Frauen“,  von Robert Thomas |

So., 10.11., 19 Uhr:  (Uraufführung) „Picasso“, Tanzabend von Carlos Matos 

30. 11., 19 Uhr: „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“, Oper von Kurt Weill, Text von Bertolt Brecht

17. 1., 18 Uhr: „Blauer als sonst“, Eva Rottmann | P12 Studiobühne 

18. 1., 19 Uhr: „Minna von Barnhelm“, von Gotthold Ephraim Lessing

26.1.20, 19 Uhr: „Diplomatie“, von Cyril Gely | Studiobühne

1. 2., 16 Uhr: „Rund ums Eck 117“, ein Figurentheater-Tanz-Theater-Erlebnis P2 Werkstatt junges.studio

8. 2. Bühnenball „Die Goldenen Zwanziger“

11. 3., 10 Uhr: „Zilan B. – Die Geschichte einer Flucht“, von Marc van der Velden und Jesper Wamsler P14, Kulturhaus Freital

14. 3., 19 Uhr: DER „Vampyr“, Romantische Oper von Heinrich Marschner

28. 3., 19 Uhr: „Mein Kampf“, Farce von George Tabori,

3. 4., 19.30 Uhr: „The Kraut“, Ein Marlene-Dietrich-Abend von Dirk Heidicke

9.4., 19.30 Uhr: „Carl Überall und ich mittendrin“, Figurentheater über Carl Schröder, für Erwachsene! Goldne Weintraube

11. 4., 19 Uhr: „Antigone I Lysistrate, Zweiteiliger Tanzabend frei nach Sophokles und Aristophanes

15. 5., 19.30 Uhr: Richard O’Brien – „The Rocky Horror Show“, Alter Schlachthof Dresden

17. 5., 19 Uhr: „Ich lade gern mir Gäste ein“, Das große Wunschkonzert mit der Elbland Philharmonie Sachsen

(Wo nicht anders vermerkt finden die Premieren im Stammhaus Radebeul statt)

Von Tomas Petzold

Peter Kopp ist mit seinem Vocal Concert Dresden der Freimaurermusik nachgegangen – nur mit Männerstimmen. Denn erst im zwanzigsten Jahrhundert entstanden auch Frauenlogen. Am Freitag erscheint die CD. Wir haben reingehört.

05.09.2019

Das Sächsische Vocalensemble stellt in seiner 10. Schumann-Ehrung die vor 200 Jahren geborene Pianistin und Komponistin in den Mittelpunkt. Über den Herbst sind zehn Veranstaltungen geplant.

04.09.2019

Auch in der Spielzeitpause kehrt hinter der Bühne der Staatsoperette keine Ruhe ein. Denn für die kommenden Inszenierungen werden momentan bereits aufwendige Bühnenbilder gefertigt. Die DNN durften einen Blick in die Theaterwerkstätten des Hauses werfen – und den facettenreichen Bau begleiten.

04.09.2019