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16:59 18.08.2018
20180817-Dresden- Ausstellung „Briefe aus der Heimat 18“ von Barbara Lorenz Höfer“ – Am Freitag den 17.8.2018 fand das Pressegespräch zur Eröffnung der Ausstellung „Briefe aus der Heimat 18“ von Barbara Lorenz Höfer“ statt. Die Künstlerin setzt hauptsächlich mit den Themen Krieg und Vertreibung auseinander. So auch in der neuen Ausstellung auf dem Nordfriedhof in Dresden. Schwerpunkte der Ausstellung sind unter anderem Feldpostbriefe aus dem Ersten Weltkrieg und schlägt gleichzeitig einen Bogen bis hin zum Zeiten Weltkrieg.
20180817-Dresden- Ausstellung „Briefe aus der Heimat 18“ von Barbara Lorenz Höfer“ – Am Freitag den 17.8.2018 fand das Pressegespräch zur Eröffnung der Ausstellung „Briefe aus der Heimat 18“ von Barbara Lorenz Höfer“ statt. Die Künstlerin setzt hauptsächlich mit den Themen Krieg und Vertreibung auseinander. So auch in der neuen Ausstellung auf dem Nordfriedhof in Dresden. Schwerpunkte der Ausstellung sind unter anderem Feldpostbriefe aus dem Ersten Weltkrieg und schlägt gleichzeitig einen Bogen bis hin zum Zeiten Weltkrieg. Quelle: Tino Plunert
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Dresden

Die Kapelle auf dem 1901 angelegten Nordfriedhof in der Dresdner Albertstadt steht seit 1975 ungenutzt da. Der Verein „Denk Mal Fort!“ macht das leere Gebäude am Beginn des Kannenhenkelweges jetzt zu einem Erinnerungsort. Die Mitglieder haben die Künstlerin Barbara Lorenz Höfer aus Buxtehude eingeladen, einige ihrer Werke dort auszustellen - Collagen, Installationen, Skulpturen. „Briefe aus der Heimat, 18“ heißt ihre Exposition, die am Freitag Abend eröffnet worden ist. Zu sehen ist sie bis 16. September.

Der Titel erinnert an das Ende des Ersten Weltkrieges vor hundert Jahren. Die Künstlerin hat Reproduktionen von Feldpostbriefen in ihre Collagen eingearbeitet. „Sie waren damals die einzige Möglichkeit für die Soldaten, Kontakt mit ihren Angehörigen zu Hause zu halten“, erläutert Vereinsvorsitzender Holger Hase. „Zugleich geben sie die subjektive Sicht des sogenannten ‚kleinen Mannes’ auf große historische Ereignisse wieder.“

Aber auch einen alten Leiterwagen hat Barbara Lorenz Höfer in einer Installation verwendet. Es handelt sich um ein Original. Flüchtlinge haben damit am Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 ihre Habe auf dem Weg nach Osten gerettet. Das Gefährt stammt aus Dresden. Den Themenkreis Krieg, Gewalt, Frieden fasst sie historisch weit.

Den Tod stellt sie auch allegorisch dar: Die Figur draußen vor der Kapelle bezieht sich auf Charon, jenen uralten Fährmann aus der griechischen und römischen Mythologie, der die Verstorbenen gegen ein Entgelt, eine Münze, über den Totenfluss in die Unterwelt transportiert.

Hier bildet er die Verbindung zwischen dem Ausstellungsraum und dem Gelände des Friedhofs.

Diese Skulptur hat die 1958 im niedersächsischen Jork geborene Künstlerin eigens für Dresden geschaffen. Ebenso wie zwei Glasfenster im Altarraum der Kapelle. Sie nehmen Bezug auf den Kieler Matrosenaufstand von 1918 und die Räterepublik in München. Zuerst verweigerten Matrosen den Befehl, Arbeiter schlossen sich an. Sie wollten einen Friedensvertrag erzwingen. Kurz darauf brach die Novemberrevolution aus, die Monarchie endete. Die Weimarer Republik entstand.

Der Verein, der sich als „Erinnerungswerkstatt“ versteht, will deutlich machen, dass sich dieses Stück Geschichte auch in Dresden vollzog. Etwa

1500 Soldaten starben während des Ersten Weltkrieges in den Lazaretten der Albertstadt. Begraben wurden sie auf diesem Areal, das als Garnisonfriedhof angelegt worden war.

Auch in Sachsen endete mit der Flucht und Abdankung des letzten Königs Friedrich August III. am 13. November 1918 die Monarchie. Arbeiter und Soldaten begehrten auf, bildeten Räte, hissten die Rote Fahne auf dem Residenzschloss. Mit der sächsischen Volkskammer zog die Demokratie ein

- eine brüchige, wie sich 1933 zeigte.

Diese Folgen seien im heutigen historischen Bewusstsein kaum noch verankert, konstatiert Holger Hase. Sie sichtbar zu machen und zugleich im Zusammenhang mit aktuellen Entwicklungen zu betrachten, sei Anliegen der Ausstellung. „Es werden Mechanismen der Gewalt und der Macht thematisiert, die den Besucher zur Positionierung und Reflexion einladen“, sagt Holger Hase. „Dadurch soll ein Beitrag zur Fortentwicklung und Widerstandsfähigkeit der lokalen Erinnerungskultur gegen die Inanspruchnahme für antidemokratische und menschenfeindliche Zwecke geleistet werden.“

Kannenhenkelweg 1, Zugang von Marienallee, bis 16. September, geöffnet Sa. und So. 14-18 Uhr, Eintritt frei

Von Tomas Gärtner

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