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Regional Künstlerpaar Reinemehr stellt in Radebeul aus
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16:14 24.11.2019
Gabriele Reinemer: Wehrdorf I (Zement, bemalt) Quelle: Museum hoflößnitz
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Radebeul

Detlef Reinemer spricht lapidar von „Keramische(n) Objekte(n)“; Gabriele Reinemer holt mit ihrem Ausstellungstitel poetisch-universell „Sonne, Mond, Sterne“ vom Himmel. In zwei Räumen der Hoflößnitz sind Werke des Künstlerpaars wieder einmal getrennt vereint. Auffallend ist: das „Grundrauschen“ unserer Zeit scheint deutlicher als in früheren Präsentationen hörbar, wenngleich – und dies ist ein Vorzug – jede Arbeit für sich zeitlos ist.

Objekte in beachtlicher, beim Brennen höchst gefährdeter Größe

Detlef Reinemers Werkzusammenstellung gleicht einem Fazit, das eher zweifelnd und pessimistisch ausfällt. Dem aus weiß glasiertem Porzellan bestehenden „Januskopf“ quillt Fisch aus dem Mund, hängt über den Kopf – ein wenig glitschig wohl, passend zu den wechselnden Standpunkten des Doppelgesichtigen, der zu den uralten, immer noch gültigen Mythen zählt. Ebenso zieht sich seit ewigen Zeiten Gewalt durch das Handeln der Menschheit – im Kleinen wie im Großen. „Johannes – du warst mir nicht willig – so brauch ich Gewalt“ – nach diesem Macht-Motto handelte Salomé und viele andere nach ihr.

Detlef Reinemer: Janus-Kopf (Porzellan, Eisen) Quelle: Museum hoflößnitz

So bleibt bis heute die Frage nach der Möglichkeit des Auskommens untereinander erhalten, ebenso wie die nach Gerechtigkeit und Solidarität. Detlef Reinemer kleidet sie in die große Plastik „Einer trage des anderen…“, bestehend aus zwei männlichen Halbfiguren – eine weiß, eine schwarz –, die, sich den Rücken zuwendend, eine Last geschultert haben. So werden sie aber nicht voran kommen, sich nicht verständigen können. Dafür muss man sich einander zuwenden. Dazu bedarf es aber – und deshalb steht ein solcher wohl in Detlef Reinemers Ausstellung – der „Ketzer“, die als Mahner, Wahrheitssucher, Kämpfer wirken – auch auf die Gefahr hin, selbst dabei draufzugehen.

Das Mittel der Wahl, in dem sich der Bildhauer und Plastiker Detlef Reinemer schon längere Zeit ausschließlich (am Steine behauen hinderte eine lädierte Hand) ausdrückt, ist die Keramik. Damit folgt er einer Tradition, die etwa in den 1920er Jahren wieder aufgegriffen wurde. Er verleiht dem Material ganz unterschiedliche Ausdrucksweisen – vom grob Urtümlichen, Erdverbundenen bis zum kostbar weiß glänzendem Objekt. Seine Formen erreichen eine teils beachtliche, beim Brennen höchst gefährdete Größe, etwa in Gestalt der beschriebenen Halbfiguren.

Grundlagen für Reinemers Schaffen waren eine Keramformerausbildung in Freital (1959–1962), ein Bildhauerstudium an der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) Dresden (1966–1971) bei Arnold und Jaeger, später eine Assistenz bei Heinze. Die profunde Ausbildung fand nicht zuletzt Niederschlag in zahlreichen Arbeiten im öffentlichen Raum, etwa in Jena, wo er in den 1970er Jahren tätig war, oder in Dresden (die Bronzeplastik „Die Schöne und das Tier“ am Hotel „Bellevue“). Reinemers Lehrschwerpunkt an der HfBK (ab 1981) wurde schließlich die Keramik, die er seit 1992 als Professor vertrat (bis 2009). Sie ist mittlerweile zudem eine Art Lebenshaltung, die ihm nicht zuletzt ein Japan-Besuch und intensive Beschäftigung mit dem Land nahe brachten.

Phantasievolle Umformungen von Gesehenem und Erlebtem

In Gabriele Reinemers Raum ist man in einer anderen Welt. „Sonne, Mond, Sterne“ sind nah auf einer ihrer neuen bemalten Keramikarbeiten, auf denen auch „Paradiesäpfel“ reifen. Dominanter wirken allerdings zeichenhafte „Türme“, vorrangig schwarz-weiß bemalt, sowie rot und schwarz bemalte burgartige Objekte aus Zement. Vor etwa anderthalb Jahrzehnten erschienen solche fremdartig wirkende Arbeiten im Schaffen der Künstlerin. Sie entstanden vor dem Hintergrund von Reisen nach Nord- und Schwarzafrika, die zur unmittelbaren Auseinandersetzung mit den dortigen Kulturen anregten. Ein Ergebnis waren an kultische Gegenstände erinnernde Objekte, deren Bemalung nur dem Schein nach afrikanisch geprägt ist. Die Werke sind phantasievolle Umformungen von Gesehenem und Erlebtem.

In der aktuellen Schau nun werden die aus Holz geschaffenen Zeichen – manchmal kommt zur Schwarz-Weiß-Bemalung ein wenig Rot oder eine goldene Spitze – häufig mit Titeln wie „Wehrturm“, „Radarturm“ oder „Waffenzeichen“ versehen. Sie tragen wehrhafte Spitzen oder metallene Stacheln, die an frühere Frauentorsi von Gabriele Reinemer erinnern, deren Brüste mit „Stacheln“ bewehrt waren. Hinzu kommen „Wehrdörfer“, die – anders als frühere architektonisch anmutende Arbeiten aus Papiermasse – eine gewalthafte Aura ausstrahlen.

Diese „wehrhaften“ Arbeiten weisen wohl einerseits auf die vielen kriegerischen Konflikte, aber auch auf Empfindungen der Künstlerin, die die vorgefundenen Gesellschaften als schwer durchschaubar und verstehbar erlebte. Die „Stacheln“ sind somit ebenso Zeichen einer empfundenen Abwehr. Es war wohl die Mischung aus Reizvollem, Fremdartigem und Erstaunlichem, aus Verheerung und Stillstand, die Gabriele Reinemer bis heute nicht losgelassen hat, ihr ein ganzes Schaffenskapitel bescherte. Die kraftvolle Tuschezeichnung „Das Boot“ erinnert zugleich daran, wie nah uns diese Konflikte kommen.

Reinemer verfügt über ein breites Spektrum künstlerischer Mittel, dessen Basis sie sich während eines Maskenbildnerstudium an der HfBK Dresden und entsprechender Tätigkeit an der hiesigen Staatsoperette sowie von 1977 bis 1982 in einem Studium der Plastik an der Kunsthochschule in Berlin-Weissensee aneignete. Ganz den Traditionen von Seitz, Grzimek oder Cremer folgend, war zunächst die menschliche Figur ihr Thema, oft auch die Verletzlichkeit andeutenden Torsi. Nicht zuletzt beschäftigte die Mitbegründerin der Dresdner Sezession ’89 die Geschlechterfrage. So wurde der die Merkmale beider Geschlechter vereinende Hermaphrodit, der dem Besucher in den aktuellen keramischen Arbeiten als „Mondhermaphrodit“ begegnet, gewissermaßen zur Hoffnungsfigur.

bis 1. Dezember, Knohllweg 37, Radebeul, geöffnet Di bis So 10 bis 18 Uhr

www.hofloessnitz.de

Von Lisa Werner-Art

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