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Regional Konferenz der Plastiktiere im Stadtmuseum Dresden
Nachrichten Kultur Regional Konferenz der Plastiktiere im Stadtmuseum Dresden
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17:31 30.11.2019
Tiere aus Gummi, gefertigt in Leningrad. Quelle: Foto aus „Zoo Mockba. Aufbruch in die Moderne“
Dresden

Plastik, oder Plaste wie einige gelernte DDR-Bürger noch zu sagen pflegen, umgibt unsereinen auf Schritt und Tritt: Es ist im Coffee-To-Go-Becher, im eingeschweißten Bioapfelgebinde und leider auch in den Meeren. Mit der Ausstellung „Konferenz der Plastiktiere“ widmet sich das Stadtmuseum Dresden nun Spielzeugtieren, die zwischen den 1950er und 1980er Jahren aus eben jenem heute heiß diskutierten Material in Leningrad hergestellt wurden, in einer Zeit also, als die neueste Errungenschaft der chemischen Industrie im Bereich der Kunststoffe nicht einen Hauch von Skepsis auslöste.

Man wisse um die heutige Problematik von Plastik, lasse die Diskussionen in der Ausstellung aber außen vor, ließ Andrea Rudolph, die Kuratorin der Weihnachtsausstellung der etwas anderen Art gestern wissen, fügte zudem aber noch hinzu, dass das Dilemma mit Plastik im umfangreichen Begleitprogramm durchaus eine Rolle spielt.

Leningrader Spielzeugtiere im Fokus

Der Titel der Schau ist angelehnt an Erich Kästners Buch „Konferenz der Tiere“, das global gesehen vermutlich weniger bekannt ist als der Horrorfilmklassiker „Der Friedhof der Kuscheltiere“. Vor Augen geführt wird, dass das „Material der Moderne“ sich binnen kürzester Zeit seinen Platz gerade in der Welt des Spielzeugs eroberte. In der Sowjetunion wurde natürlich auch andernorts Spielzeug aus Plastik hergestellt, aber man beschränkte sich auf Leningrader Spielzeugtiere, weil es „zur Agenda des Stadtmuseums gehört, die Städtepartnerschaft mit St. Petersburg auch museal mit Leben zu erfüllen“, wie Erika Eschebach versicherte, die Direktorin des Stadtmuseums.

Die Schau basiert auf dem „ZOO MOCKBA“, einer umfangreichen Sammlung sowjetischer Spielzeugtiere der beiden Berliner Fotografen Sebastian Köpcke und Volker Weinhold. Die Sammlung umfasst an sich gut 400 Objekte, etwa die Hälfte davon wird im Stadtmuseum präsentiert, ergänzt um einige Gipsentwürfe, Porzellanfiguren sowie Fotos.

Die Exposition zeigt nicht zuletzt die modernen Ansätze im Spielzeugdesign auf und vermittelt auch, dass die Spielzeugproduktion ein durchaus ungeliebtes Nebenprodukt des Kombinats Plastpolymer war, aber immerhin eine eigene Planungsabteilung erhielt, die mit diversen Gestaltern zusammenarbeitete. Schon früh entstanden Kooperationen mit dem Leningrader Ilja Repin Institut für Malerei, Bildhauerei und Architektur und der Vera Muchina Hochsschule für Kunst und Design. Deren Studenten lieferten die Entwürfe für die örtlichen Spielzeughersteller, als da wäre etwa die Gummifabrik „Rotes Dreieck“.

Begleitprogramm (Auswahl)

30.11., 15 Uhr: Die Kinderchöre Bel Canto und Con Passione aus Dresdens Partnerstadt Breslau singen Weihnachtslieder

7.12., 14 Uhr: Weihnachtssingen mit dem Chor „Friedrich WolfDresden e. V., dem Dresdner Volksliedchor „Hanns Eisler“ e. V. dem Frauenchor der Stadt Bischofswerda e. V., dem Musikverein Freital e. V. sowie Vokalwerk Dresden e. V.

29.1.2020, 18 Uhr: Sebastian Köpcke und Volker Weinhold referieren zum Thema „Aufbruch in die Moderne! Sowjetisches Spielzeugdesign 1950–1980“

Im Katalog zur Schau (DZA Druckerei zu Altenburg, 128 Seiten) wird versichert, das die Absolventen ab Mitte der 1950er-Jahre den Aufbruch in die Moderne wagten. „Viele ihrer bunten Spielzeugfiguren sind große Kunst für kleine Kinder, Skulpturen aus Kunststoff, die ein traditionsreiches kulturelles Erbe in sich tragen. Die preiswerten Industrieprodukte würden häufig von einem Gestaltungswillen künden, „der bis heute beispielgebend ist“. Generationen von Kindern waren mit diesen Spielsachen vertraut, zu fragen wäre durchaus, ob sie bei freier Wahl nicht doch lieber zu einer Barbie einem Steiff-Teddybär gegriffen hätten.

Die Schau würdigt auch einige als Spielzeuggestalter wirkende Bildhauer, Maler, Grafiker, Form-, Keramik- und Glasgestalter. Einer von ihnen war der jüdischstämmige Lew Razumowsky. Nachdem er 1944 bei Kämpfen in Finnland den linken Arm verloren hatte, begann er 1945 ein Studium der Bildhauerei an der Architektur- und Kunstgewerbeschule in Leningrad. 1953 machte er seinen Abschluss an der Wera-Muchina-Hochschule. Seine Diplomarbeit war die lebensgroße, im Stil der Zeit ziemlich pathetisch ausfallende Bronzestatue eines Militärpiloten, der sich mit entschlossen Blick den linken Handschuh anzieht. „Der Pilot“ steht heute noch im Park des Sieges in St. Petersburg.

„Konferenz der Plastiktiere“, bis 1. März 2020, Di bis So 10 bis 18 Uhr, www.museen-dresden.de

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