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Regional „Klassik Picknickt“ künftig ohne Decke und Klappstuhl in der Jungen Garde
Nachrichten Kultur Regional „Klassik Picknickt“ künftig ohne Decke und Klappstuhl in der Jungen Garde
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15:58 23.05.2019
So wie hier 2016 wird „Klassik Picknickt" nicht mehr stattfinden. Im neuen Spielort Junge Garde in Dresdens Großen Garten gibt es keine Wiese zum freien Platzieren. Quelle: Oliver Killig
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Dresden

Derart viele Fragen hat „Klassik Picknickt“ noch nie aufgeworfen: „Das beliebte allsommerliche Freiluftkonzert der Sächsischen Staatskapelle Dresden findet auch in diesem Jahr vor der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen seinen Platz.“ So steht es in der vor gut einem Jahr präsentierten Saisonvorschau des Orchesters.

Konzertveranstaltung ist keine „Kernkompetenz“ von VW

Aufmerksamen Betrachtern hätte damals schon auffallen können, dass dieses Konzert inhaltlich deckungsgleich ist mit dem 12. Symphoniekonzert, das Gastdirigent Franz Welser-Möst am 7., 8. und 9. Juni in der Semperoper leiten wird. Werke von Franz Schubert, Bohuslav Martinu, Otto Nicolai sowie Johann Strauß Vater und Sohn stehen auf dem Programm. Keine Russische, Spanische oder sonst wie musikalisch thematisierte Nacht wie in vergangenen Jahren.

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Nun allerdings auch nicht mehr vor der Gläsernen Manufaktur von VW, sondern in der Freilichtbühne Junge Garde auf der anderen Seite des Großen Gartens.

Als Grund für diese Verlegung führt Lars-Eric Schuldt von Volkswagen Wolfsburg an, es sei „nicht die Kernkompetenz der Gläsernen Manufaktur“, Konzertveranstaltungen zu organisieren. In den vergangenen Jahren habe man jeweils „unglaublichen Aufwand“ betreiben müssen, um die Infrastruktur für „Klassik Picknickt“ herzurichten.

Akustisch schwierig, aber stimmungsvoll war „Klassik Picknickt“ auf dem Gelände der Gläsernen Manufaktur von VW immer. Quelle: Matthias Creutziger

Im Ergebnis hatte das zu Tausenden strömende Publikum ein einzigartiges Konzerterlebnis auf der grünen Wiese gehabt und konnte sich an den dramaturgisch originell konzipierten und stets professionell moderierten Konzerten erfreuen. Ein positiver Nebeneffekt dieser gemeinsamen Anstrengungen von Kapelle und Sponsoringpartner VW war die Gewinnung neuer Publikumsschichten für die regulären Konzerte. Der zweite ist die einmalige Atmosphäre gewesen, auf Decken oder Campinggestühl der Musik zu lauschen und nebenher mitgebrachte oder vor Ort erworbene Speisen und Getränke zu genießen.

Nach mehr als zehn Jahren, so Schuldt, habe man jedoch nach einer Lösung suchen müssen, wo die Infrastruktur für solche Konzerte vorhanden sei. Daher werde in diesem Jahr die Junge Garde ausprobiert. Ob das eine dauerhafte Lösung werde, sei vollkommen offen. Allerdings müsse nun der Betreiber bezahlt werden, somit ist es nicht nur mit der Freiheit auf Picknickdecken, sondern auch mit dem kostengünstigen Eintritt von 10 Euro pro erwachsenen Gast (Kinder mussten nichts zahlen) vorbei.

Erlesener Kunstgenuss auf der Picknickdecke: Zum 11. Mal hat die Sächsische Staatskapelle Dresden zum beliebten Open-Air-Konzert unter dem Motto „Klassik picknickt“ eingeladen.

Am 6. Juni sollen die Karten zwischen 19,25 (bei eingeschränkter Sicht) und 50,30 Euro kosten (abweichende Preise finden sich auf der Homepage von Eventim, wo 19,26 bis 51,30 Euro aufgerufen werden). Schuldt tröstet das Publikum mit dem Hinweis, dass eigene Picknickkörbe nach wie vor mitgebracht werden dürften, nur auf Decken und Liegestühle müsse verzichtet werden.

3.500 Gäste reichen für „gerade kostendeckend“

Von Seiten der Staatskapelle hieß es auf DNN-Anfrage, Grund für die Verlegung seien bessere Sicht- und Akustikbedingungen in der Jungen Garde, zudem hätten nun noch mehr Menschen die Chance, an diesem Konzerterlebnis teilzunehmen. Das überrascht angesichts nüchterner Zahlen: Die Garde fasst 4000 Plätze, vor der Manufaktur wurden stets 3500 Karten verkauft, treue Zaungäste nicht mitgerechnet.

Lediglich beim Jubiläum zum 10. Picknick-Konzert mit Plácido Domingo auf der Cockerwiese habe man etwa 10.000 Besucher erreichen können. Der hohe Aufwand könne jedoch nicht erneut betrieben werden, meint Hans Reimann, Geschäftsführer von Concert Management Berlin, der nun für das Anmieten der Garde verantwortlich zeichnet. Mit den bisherig durch VW subventionierten Preisen sei dies nicht möglich, er arbeite „gerade kostendeckend“ und sei mit dem jetzigen Stand des Vorverkaufs durchaus zufrieden.

Hilfreich wäre sicher, wenn der Termin auf der Website der Jungen Garde erschiene (zum Redaktionsschluss nicht der Fall). Die Gläserne Manufaktur wirbt währenddessen auf ihrer Startseite, sie sei „nicht nur Fertigungsstätte und Ausstellungsort, sondern auch eine beliebte Veranstaltungslocation“.

„Klassik Picknickt“ am 6. Juli, 20 Uhr, Freilichtbühne Junge Garde

Von Michael Ernst