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Regional Kein Forum für die Zeitschrift „Tumult“ im Dresdner Lingnerschloss
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14:26 07.01.2020
Schriftsteller Uwe Tellkamp sollte am 9. Januar auftreten. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Ein Forum mit Autoren der Dresdner ZeitschriftTumult“ kann vorerst nicht stattfinden. Beginnen sollte es am 9. Januar im Lingnerschloss mit einer Lesung des Schriftstellers Uwe Tellkamp aus Vorarbeiten zu seinem neuen Roman.

Der Althistoriker Egon Flaig wollte am 13. Februar sein neues Buch „Was nottut. Plädoyer für einen aufgeklärten Konservatismus“ vorstellen. Als Band 9 einer von „Tumult“ herausgegebenen Werkreihe kündigt es der Manuscriptum-Verlag für 8. Januar an. Den Staat in einem säkularisierten Europa sieht Flaig in seiner Publikation gefährdet durch religiösen Fundamentalismus von außen und „pseudoreligiösen Humanitarismus von innen“. Den „Humanitarismus“, also menschenfreundliche Denkhaltung, betrachten konservative Philosophen als moralische Übersteigerung und Anzeichen für den Niedergang der westlichen Gesellschaft.

Tumult-Herausgeber reagiert mit Unverständnis

In seinem Buch „Die Niederlage der politischen Vernunft“ (2017) hatte Flaig Angela Merkels Flüchtlingspolitik als „Staatsstreich“, die „kirchlichen Funktionäre“ als Lügner, Massenmedien als „Pflichtlügen“ verbreitende „Widersacher der Meinungsfreiheit“ gegeißelt. Die Frankfurter Allgemeine (FAZ) befand, mit dieser Verschwörungstheorie habe er sich der „rechtsradikalen Propaganda“ angeschlossen.

Als weitere Gäste der „Tumult“-Reihe waren Rolf Schilling, Bettina Gruber, Jörg Bernig und Michael Klonovsky angekündigt. Seit 29. Dezember 2019 warb „Tumult“-Herausgeber Frank Böckelmann für diese „Bühne des Eigensinns“ in Internet und sozialen Medien. Am 3. Januar jedoch sagte das Lingnerschloss ab. Der Herausgeberverein von „Tumult“ werde als „umstritten bis extrem eingestuft“, sagte Rolf Backe vom Vorstand des Lingnerschloss-Fördervereins zur Begründung. „Somit ist er inhaltlich nicht mit unserer Satzung und der notwendigen Neutralität des Fördervereins vereinbar.“

Frank Böckelmann Quelle: Pr

Die Beiträge in der neuen Nummer von „Tumult“, seiner „Vierteljahresschrift für Konsensstörung“, zeigten, „wie bewährte Instrumente des politischen Trickbetrugs eingesetzt werden“, fasst Frank Böckelmann zusammen. Sie kritisieren die Berufung von Politikern und Großunternehmen auf Menschenrechte und Menschenwürde, die Reduzierung des Klimawandels auf Verbrennung fossiler Energieträger und die Migrationspolitik. Und wenn Bundesbürger dazu angehalten würden, „unsere fortwährende kollektive Schuld (Nationalsozialismus, Dritte Welt) zu bekennen“, sei „höchste Wachsamkeit“ geboten, meint er.

Auf die Absage seines Forums reagierte Böckelmann mit Unverständnis. Es wundere ihn, wie man durch eine Lesung mit Uwe Tellkamp gegen das Neutralitätsgebot verstoßen könne. Egon Flaig sei ein hoch angesehener Historiker und weder hasserfüllt noch radikal. Doch Veranstalter und Teilnehmer des politischen Zeitgesprächs seien einem „erpresserischen Tugendterror ausgesetzt - selbstherrlichen Gesinnungswächtern, die mit stillschweigender Zustimmung einer öffentlichen Meinung, die alte Vormachtstellungen absichert, Etiketten mit verleumderischen Kampfbegriffen verteilen“. Sobald politisch radikale Gruppen drohend die Keule erhöben, zögen sich Veranstalter in vorauseilendem Gehorsam zurück. „Ich hätte vom Lingnerschloss mehr Courage erwartet.“

Piano-Salon-Mitarbeiter unter Druck

Bei mindestens fünf Veranstaltern habe er vergebens angefragt, so Böckelmann. Ende Oktober schien der Dresdner Piano-Salon als Ort der Reihe sicher. Dann gab es dort am 22. November eine Podiumsdiskussion zur Frage „Was ist konservativ?“ mit den AfD-Politikern Matthias Moosdorf, Maximilian Krah, Marc Jongen, Albrecht Glaser, dazu Götz Kubitschek, Gründer des als Denkfabrik der „Neuen Rechten“ geltenden Instituts für Staatspolitik (IfS) und Herausgeber der Zeitschrift „Sezession“. Dagegen protestierte draußen eine Gruppe, die sich selbst als „Antifaschisten“ bezeichnete.

Organisiert hatte das Podium eine Stiftung, die sich in Gründung befindet. Benannt ist sie nach dem Geschichtsphilosophen Oswald Spengler (1880-1936), der ab 1918 sein Hauptwerk „Der Untergang des Abendlandes“ veröffentlichte. Er lehnte die Demokratie der Weimarer Republik ab, jedoch auch die Nationalsozialisten.

Er habe seinen Salon mehr als 50 Mal Parteien wie CDU, Grünen, SPD oder Linken zu öffentlichen Diskussionen zur Verfügung gestellt, sagte Bert Kirsten, Klavierbauer und Geschäftsführer des Piano-Salons. „Ich sehe es als meine Verpflichtung, den politischen Meinungsstreit zu ermöglichen.“

Doch wegen des Podiums im November seien seine Mitarbeiter in sozialen Netzwerken unter Druck gesetzt worden. Sie hätten ihn gebeten, den Salon nicht mehr für politische Veranstaltungen zu öffnen. „Ihrer Sorge bin ich nachgekommen.“ Er bedauere das zutiefst. „So wird die Situation immer extremer.“

Frank Böckelmann will jedoch nicht aufgeben. „Wir suchen jetzt nach einem anderen Veranstaltungsraum. Im Februar fangen wir neu an.“

Von Tomas Gärtner

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