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Regional Katarína Dubovská und Eric Keller in der Galerie Stephanie Kelly in Dresden
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20:11 21.11.2019
Eric Keller: o.T., 2019, Öl auf Holz, 70 x 100 cm (Ausschnitt). Quelle: Patrick Daniel Baer / PR
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Dresden

„Interference“: Die Galerie Stephanie Kelly zeigtArbeiten von Katarína Dubovská und Eric Keller.

Das Team des Projektraumes Galerie Stephanie Kelly beweist mit diesem auf den ersten Blick waghalsig erscheinenden Experiment, dass solch ein Konzept durchaus aufgehen kann. Vorausgesetzt, man lässt sich als Betrachter darauf ein und hinterfragt den Titel der Ausstellung.

Digitale Bildwelten körperlich und sinnlich erfahrbar

Die Ausstellung heißt „Interference“ und meint damit tatsächlich nüchtern-rational den Begriff aus der Physik, der die Änderung der Amplitude durch die Überlagerung beim Zusammentreffen mehrerer Wellen beschreibt. Übersetzt auf die ausgestellten Kunstwerke, bedeutet das, dass sich Impulse der einen künstlerischen Position durchaus auch auf die andere übertragen lassen.

Die Formensprache und der Duktus von Eric Keller, sein Umgang mit Fläche, Transparenz und Überlagerung, das fragmentarische Abstrahieren spiegeln sich in Katarína Dubovskás Arbeiten. „UPATEOA_hybrid“ nennt die in Leipzig lebende, gebürtig slowakische Künstlerin ihre Objektserie aus dem Jahr 2018, von der sechs Arbeiten in der Galerie Stephanie Kelly ausgestellt sind.

Katarína Dubovská: UPATEOA hybrid (Flexible Object #3), 2018, mixed media, 113,5 x 82 x 17 cm Quelle: Patrick-Daniel Baer / PR

Die im Untertitel „Flexible Object #3“ genannte Arbeit, eine an der Wand präsentierte, gefaltete, hinterleuchtete Form aus mit Inkjet-Tinten bedrucktem Latexgummi, lässt wie in Kellers Bildern harte und weiche Formen erkennen, Farbüberlagerungen, Kontrastschwankungen sowie Störfelder in der Fläche und Irritationsmomente, wenn z.B. aus der wohl geschwungenen Latexform noch der Rest einer Leuchtstoffröhre herauskommt und somit das ästhetische Empfinden von Schönheit brachial von naturwissenschaftlichen Welten überlagert wird.

Zwei Teleskopstangen sind zwischen Galerieboden und dem oberen Ende von Pfeilern verspannt und lassen die Frage offen, wer hier wen stütze – die Stange den Pfeiler oder umgekehrt. Gehören die Teleskope zusammen? Vom Galerie-Eingang nimmt man beide zusammen als ein X wahr, bewegt man sich durch den Raum, löst sich die verschränkte Form auf. Dubovská hinterfragt das Verhältnis von analogem und digitalem Bild, Raum und Dehnung, Transformation und Funktion, Technik und Mensch, Rastern und Fehlern. Das X verweist auf ein Platzhaltersymbol im Grafikprogramm InDesign als notwendiges Hilfsmittel in einem komplexen Arbeitsprozess. Eine Marke der digitalen Welt als materialisierte Markierung im Realen, digitale Bildwelten körperlich und sinnlich erfahrbar.

Eine kleine, feine und ungewöhnliche Ausstellung

Raumdehnung. Diese Vokabel lässt sich als Metapher auch auf die Bilder von Eric Keller anwenden. Der großartige Künstler speist seine Bildmotive aus seinen Erinnerungen. Doch geht es dem Künstler weniger um das Abbild einer erlebten Realität als „vielmehr der Umwidmung und Materialisierung dieser Erfahrungen zu einem nutzbaren inneren Archiv und zu einer Quelle seines formalen Repertoires“ (M. Klipphahn). Als Betrachter wird man der konkreten erinnerten Momente Kellers in dessen Bildern nicht habhaft. Selbst wenn das Bild „Elsterweg“ benannt ist, weiß man nicht, wo dieser ist, der „Festsaal“ kann in jedem (geschlossenen) Gasthof zu finden sein, die Landschaft nah und fern. Szenen sind verknappt dargestellt, die Personen nicht identifizierbar, und doch meint man sie zu kennen. Die festgehaltenen fragmentarischen Rückblenden wecken beim Betrachter eigene Assoziationen. Schnell betritt man über Kellers Welten den eigenen Raum, verschwimmen die Grenzen zwischen den Rückschauen des Künstlers und eigenen Erfahrungen.

Ähnlich, wie bestimmte Erinnerungen den Künstler Eric Keller immer wieder zu neuen Bildern führen, legt Katarína Dubovská digitale Bildstrukturen frei und seziert organisches Bilddatenmaterial. Die Künstlerin transformiert z.B. Konglomerate aus Kunststoff und Fragmente früherer Arbeiten und verhandelt sie in anderen Kontexten neu, beispielsweise an den Teleskopstangen.

Licht. Auf diesem physikalischen Phänomen basieren zwei Arbeiten Katarína Dubovskás in der Ausstellung, doch plötzlich sieht man Licht auch in Eric Kellers Bildern. Das ist überraschend, denn in Kellers Landschaften zeigt sich am Himmel keine Sonne, in seinen Innenräumen fehlen direkte Lichtquellen. Es sind auch keine Reflexionen der Leuchtobjekte auf den glänzenden Oberflächen der Holztafeln gemeint. Die in monochromer Tonigkeit mit wenig farblicher Dissonanz anderer Paletten gehaltenen Bilder (hier ist ebenfalls eine Verwandtschaft beider künstlerischer Positionen zu sehen) wurden von Eric Keller mit einem großen Gespür für Licht variabler Intensität erarbeitet. Gezielt baut der Künstler über leichte, fast unmerkliche Varianzen im Hell und Dunkel eine sich steigernde Bilddramatik auf.

Eine kleine, feine und ungewöhnliche Ausstellung.

bis 30. November: „Interference“, Galerie Stephanie Kelly,Neustädter Markt 9,

Do/Fr 16-20 Uhr, Sa 12-16 Uhr

Von Patrick-Daniel Baer

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