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Regional „Kachel & Mann“ mit Sigmund Jähn und Gregor Gysi im Boulevardtheater
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17:35 16.05.2017
Angelika Mann, Sigmund Jähn, Gregor Gysi und Jörg Kachelmann (v.l.) im Talk. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Als „Talkshow für alle Wetterlagen“ hat das Boulevardtheater seine neue Reihe „Kachel & Mann“ angekündigt, was nicht ganz ohne Risiko ist. So ein Titel schreit danach, den Machern um die Ohren zu fliegen, sobald die Fragen nebulös bleiben, ein Gast mal nicht auftaut oder die Stimmung eher bewölkte Züge annimmt, zumal eine Hälfte des Moderatorenduos mal der erfolgreichste Schweizer TV-Export seit Kurt Felix war, den Platz an der Sonne aber mittlerweile eingebüßt hat.

Angelika Mann und Jörg Kachelmann laden im Boulevardtheater zum Plausch. Am Montag waren Sigmund Jähn und Gregor Gysi zu Gast.

Aber das muss man den Programmverantwortlichen lassen: Ihr meteorologisches Thema nahmen sie bei der zweiten Ausgabe des Formats am Montag, das auf die Premiere mit Gast Uta Schorn folgte, durchaus ernst. Angelika Mann trällerte zum Auftakt Reinhard Lakomys nimmermüde „Regenwolke“, und Ko-Moderator Jörg Kachelmann bewies als hemdsärmeliger Erklär-Bär mit seinen ad-hoc-Lektionen über Hoch- und Tiefdruck an der Tafel, dass er einer der wenigen Menschen sein dürfte, die tatsächlich geistreich übers Wetter plaudern können. Angesichts dieses kunterbunten Beginns stellte sich ein wenig der Verdacht ein, hier gelte (wie schon bei vergleichbaren medienübergreifenden Ereignissen wie „Olaf verbessert die Welt“) in erster Linie das Medien-ABC frei nach Clausewitz: Theater ist Fortsetzung des Fernsehens mit anderen Mitteln.

Zum Glück kamen „Kachel & Mann“ dann aber doch noch mit ihren beiden Gästen ins Gespräch: Sigmund Jähn, für dessen Heimatort Morgenröthe-Rautenkranz sich Kachelmann schon aus meteorologischen Gründen interessierte, durfte Auskunft über Toilettengänge im Weltall geben, das von einem geschäftstüchtigen vogtländischen Bäcker angebotene „Weltraumbrot“ verkosten und den sanften Chauvi herauskehren, dem im Saal keiner so recht böse sein mochte, als er das Kochen mal eben zur exklusiven Domäne seiner Frau erklärte. Wer Jähn gelegentlich schon in Fernsehbeiträgen erlebt hat, dürfte hier wenig Neues über trinkfeste Kosmonauten und ehrfurchteinflößende Blicke aus dem Fenster der Sojus 31 erfahren haben, zumal die Moderatoren dieses verkappten „River-Bötchens“, das auf das einst von Kachelmann mitgestaltete MDR-Erfolgsformat schielt, eher erwartbare Stichpunkte à la „Wie war’s so im All?“ abarbeiteten.

Das birgt das Risiko, das ein ins lauschige Kaffeekränzchen einfallender rhetorischer Orkan wie Gregor Gysi, der sich als zweiter Gast neben Jähn gesellte, die Moderatoren schlichtweg obsolet macht. Gysi zehrt ebenfalls von einem zielgruppenorientierten, bewährten Repertoire an Anekdoten nd gab u.a. seinen unfreiwilligen Hasch-Rausch im Kreise von St.-Pauli-Fans und skurrile Erlebnisse als alleinerziehender Vater in der DDR zum Besten. Mit knappen Trump-Analysen und seiner fundierten Kritik am Ost-West-Gefälle riss er das Dresdner Publikum derart mit, dass Kachelmann die Veranstaltung denn auch kurzzeitig in die „Gregor-Gysi-Show“ umtaufte. Dass sich ein paar interessante Parallelen zwischen beiden Gästen auftaten, Jähns schlichte Absage an die Angst im Weltraum („Sie lohnt sich nicht!“) Widerhall in der vom Linken-Politiker umrissenen „abstrakten Angst“ vor der Flüchtlingswelle fand oder die von Gysi anlässlich der NRW-Wahl beklagten steigenden und fallenden (Umfrage-)Werte seiner Partei ein wenig ans Auf und Ab der vom ersten Deutschen im All geschilderten Blutkreisläufe und Raketenflugbahnen gemahnten, wurde vom Gastgeber-Duo nicht vertieft. Die Moderatoren sind noch kein eingespieltes Team, lassen punktuell aber ihre Klasse aufblitzen, wobei das Format eher Kachelmanns Stärken begünstigt. Während er mit spontanem Witz auch eine leichte Gesprächskrise umschiffte (als nämlich die in der Pause vom Publikum eingereichten Fragen bizarrerweise dazu führten, dass der sanftmütige Jähn mit deutlichem Unbehagen auf Schlüpfrigkeiten antworten sollte), blieb seine Partnerin Angelika Mann in „Einen hab ich noch!“-Manier eher stur an ihren vorbereiteten Kärtchen kleben („Ich darf die privaten Sachen machen!“) und ließ den Abend mit einem leicht deplatzierten, ihrem Freund Gysi gewidmeten schlüpfrigen Lied ausklingen. Wenn die unterhaltsame Gesprächsrunde, um mal im Bild zu bleiben, demnächst derlei Feuchtgebiete links liegen lässt und sich etwas mehr trockenen Humor verordnet, dürfte es ihrer Wetterfestigkeit nicht schaden.

Nächster Termin: 20. Juni (mit Gast Ute Freudenberg, bereits ausverkauft)

Von Wieland Schwanebeck

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