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Regional Jaroslav Rudiš in Dresden mit dem Chamisso-Preis/Hellerau geehrt
Nachrichten Kultur Regional Jaroslav Rudiš in Dresden mit dem Chamisso-Preis/Hellerau geehrt
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09:11 07.02.2020
Jaroslav Rudiš bei der Chamisso-Preisverleihung in Hellerau. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Jaroslav Rudiš steht für ein Erzählen mit historischer Tiefendimension. Das bekräftigte der 47-jährige tschechische Schriftsteller, als er am Mittwochabend in den Deutschen Werkstätten den mit 15.000 Euro dotierten Chamisso-Preis/Hellerau entgegennahm. In seiner Dankesrede, einem erzählerischen Essay, berichtete er vom Böhmischen Paradies (Ceský ráj), wo er als ältester von drei Brüdern geboren wurde; schilderte, wie sein Vater auf dem Friedhof von Libun Zwiesprache mit den Toten zu halten pflegt.

Auch wenn es eine liebliche Landschaft ist – „alles wird düster, wenn man in die Geschichte hinter den Geschichten schaut“, konstatiert er. Die Gegend wird zur „beautiful landscape of battlefields, cemetries and ruins“, zur „wunderschönen Landschaft aus Schlachtfeldern, Friedhöfen und Ruinen“. Mit diesen Worten lässt er Wenzel Winterberg einen Engländer zitieren in „Winterbergs letzte Reise“, seinem auf deutsch verfassten Roman einer langen Eisenbahnfahrt, für den er den Preis erhielt. Die Schlacht bei Königgrätz zwischen Österreichern und Preußen 1866, bei der Sachsen auf Seiten der unterlegenen Österreicher kämpften, zieht sich als Leitmotiv durch dessen Kapitel.

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Überschienter Nationalismus

Die große mitteleuropäische Geschichte verknüpft Rudiš in seiner Prosa mit den kleinen privaten Geschichten. Gleich seinem Helden Winterberg, der in „historischen Anfällen“ wieder und wieder daran erinnern muss, ist er der Ansicht: „Die nicht verarbeitete Geschichte kommt zurück wie die schwere böhmische Kost.“ Das besitzt für diesen Schriftsteller, der weiß, wie Nationalismus zu zwei Weltkriegen führte, aktuelle Brisanz. „Ich fürchte, heute meldet sich wieder dieser vermeintlich tote Nationalismus, diese Sehnsucht nach Abgrenzung, Abschottung, Trennung, nach Feindbildern. Schade, dass man den Nationalismus nicht so einfach überschienen kann wie die Alpen.“

Als „Literatur des Rückspiegels“ hatte Katrin Schumacher, Literaturredakteurin beim Radiosender MDR Kultur, die Prosa von Jaroslav Rudiš in ihrer leidenschaftlichen Laudatio gepriesen. Wie in einer Wohnung kämen die Toten darin zusammen. Dieser Autor, selbst ein Reisender, zeige, was Europa wirklich sei. In Büchern, die eine „berauschende, lustige Lektüre“ böten. Mit dem Blick zurück in die gemeinsame Geschichte schaue Jaroslav Rudiš nach vorn.

Lesen Sie auch: „Abgrenzung ist Unsinn“ – Jaroslav Rudiš im Interview

6. März,17 Uhr, Lesung des Autors im Bio-Bahnhof Dresden-Klotzsche, zuvor Essen mit Speisen, die im Buch erwähnt sind, Reservierung per E-Mail bio-bahnhofswirtschaft@vorwerkpodemus.de

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