Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Regional Innovation als Kind der Neugier: Heinrich-Schütz-Musikfest gibt sich avantgardistisch
Nachrichten Kultur Regional Innovation als Kind der Neugier: Heinrich-Schütz-Musikfest gibt sich avantgardistisch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:10 10.09.2019
Der RIAS Kammerchor ist in diesem Jahr artist in residence des Heinrich Schütz Musikfestes und wird am 6. Oktober mit dem Alte-Musik-Ensemble Capella de la Torre sowie am 13. Oktober in Dresden im Abschlusskonzert zu hören sein. Quelle: Matthias Heyde-sh
Dresden

Das ist nur folgerichtig: Im vergangenen Jahr erhielt der Dirigent Hans-Christoph Rademann den erstmals vergebenen Heinrich-Schütz-Preis für seine Verdienste um die Einspielung des Gesamtwerks dieses großen Komponisten. In diesem Jahr wird der von 2007 bis 2015 durch Rademann geleitete RIAS-Kammerchor Berlin als Artist-in-Residence beim Heinrich-Schütz-Musikfest prägend mitwirken und neben dem Eröffnungs- auch drei sogenannte Festkonzerte gestalten.

„Moderne war schon immer“

In mehreren der insgesamt 39 diesjährigen Veranstaltungen wird wieder die Sopranistin Dorothee Mields zu erleben sein, die im vorigen Jahr als Residenz-Künstlerin des Musikfestes auftrat. Folgerichtig die preisverdächtige Kandidatin für dieses Jahr?

Das bereits im Frühjahr in Dresden und anderen mitteldeutschen Städten vorgestellte Programm des bevorstehenden Heinrich-Schütz-Musikfests steht unter dem Motto „etwas neues herfürzubringen“ und soll sich damit auf Spurensuche zur Avantgarde des 17. Jahrhunderts begeben. Wie Christina Siegfried als Intendantin dieses Drei-Länder-Festivals hervorhebt, soll damit just im Bauhaus-Jahr darauf hingewiesen werden, dass es schon immer und zu allen Zeiten um Fortschritt, um Innovation als „Kind der Neugier“ gegangen sei. „Moderne war schon immer“, und einer ihrer führenden Vertreter auf musikalischem Gebiet sei nun mal der 1585 in Köstritz geborene und 1672 in Dresden gestorbene Heinrich Schütz gewesen.

Das nach ihm benannte Musikfest findet traditionell, in diesem Jahr bereits zum 22. Mal, an den einstigen Wirkungsstätten des Komponisten und ehemaligen Dresdner Hofkapellmeisters in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen statt. Neben „liebgewonnenen und bewährten Stätten“ verspricht die Intendantin diesmal aber auch „faszinierende neue Orte“, so im „Hauptstandort“ Dresden das Albertinum sowie das Alte Pumpenhaus an der Marienbrücke. Weitere der alles in allem 24 Spielstätten befinden sich in Bad Köstritz, Gera, Weißenfels und Zeitz.

Dresdner Auftakt im Jazzclub Tonne

„Vielfalt und Breite“ des aktuellen Programms seien wichtig, um ein möglichst buntes Publikum mit seinen mannigfaltigen Interessen zu gewinnen. Dennoch habe man kein beliebiges, sondern ein „klug aufeinander abgestimmtes“ Angebot erarbeitet, heißt es. Dessen Inhalt startet am 4. Oktober mit dem Eröffnungskonzert und Schütz’ „Opus Ultimum“, dem „Schwanengesang“ von 1672, in Gera. Unter der Leitung des derzeitigen Chefdirigenten des RIAS-Kammerchores, Justin Doyle, erklingen Werke des Namensgebers sowie von Giovanni Gabrieli und Michael Praetorius. Dasselbe Programm soll am 6. Oktober in Dresdens Annenkirche wiederholt werden.

Heinrich Schütz Musikfest – 4. bis 13. Oktober –Veranstaltungen in Dresden

4. Oktober, 10 Uhr, Dresdner Frauenkirche: Installation „Kaleidoskop der Räume“ des Komponisten und Raumklangkünstlers Fabian Russ, zu sehen bis 13. Oktober

5. Oktober, 18.30 Uhr, Jazzclub Tonne: „Singen ist besser als Weinen“: Babara Strozzi zum 400. Geburtstag; Silke Leopold, Musikwissenschaftlerin, Universität Heidelberg, und Andreas Henning, Kunsthistoriker, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

5. Oktober, 20 Uhr, Jazzclub Tonne: „Talkin’ about Barbara – 17th Century Jazz“; Laila Salome Fischer, Sopran, Magnus Mehl, Saxophon, Ensemble Il Giratempo

6. Oktober, 17 Uhr, Annenkirche: „Festkonzert Opus Ultimum“, Heinrich Schütz‘ Schwanengesang und Werke von Giovanni Gabrieli, Michael Praetorius u.a.; RIAS Kammerchor Berlin, Capella de la Torre, Katharina Bäuml, Schalmei/Leitung, Justin Doyle, Leitung

7. Oktober, 17 Uhr, SLUB, Tayllerand-Zimmer: „Musikalische Schätze“, Präsentation von und Gespräch über Quellen der SLUB

7. Oktober, 19.30 Uhr, Altes Pumpenhaus: „Divino Farina! Der Paganini des 17. Jahrhunderts“, Werke von Carlo Farina, Michelangelo Rossi, Pietro Paolo Melli; Ensemble La Centifolia und Leila Schayegh, Barockgeige und Leitung

8. Oktober, 14.30 und 19.30 Uhr, Palais im Großen Garten: „Es ist, was es ist – Liebe!“, Werke von Barbara Strozzi, Claudio Monteverdi, Johann Hieronymus Kapsberger, Alessandro Grandi, Giulio Caccini, mit Lesungen von Texten aus dem Hohelied, Gedichten von Erich Fried, François Villon und Rainer Maria Rilke; Dorothee Mields, Sopran, Andreas Arend, Theorbe, und Claas Harders, Viola da gamba

9. Oktober, 18.30 und 20.15 Uhr, Albertinum: Wandelkonzert „Perspektiven“, mit Werken von Heinrich Schütz, Andreas Hammerschmidt, Heinrich von Herzogenberg, Hugo Distler und Michael Christfried Winkler, Lesungen und kunsthistorischen Erläuterungen; Vocal Concert Dresden, Katja Fischer, Sopran, Stephan Keucher und Jan Lang, Tenor, Ulrich Wedemeier, Laute, Peter Kopp, Leitung

10. Oktober, 20 Uhr, Annenkirche: „Himmelsmusik“, Werke u. a. von Johann Theile, Heinrich Schütz, Johann Christoph Bach, Franz Tunder und Johann Sebastian Bach; L‘Arpeggiata, Céline Scheen, Sopran, Kacper Szelążek, Countertenor, Christina Pluhar, Theorbe und Leitung

11. Oktober, 19 Uhr, Heinrich-Schütz-Konservatorium: „Junge Interpreten spielen Alte Musik“, Vokal- und Instrumentalwerke von Heinrich Schütz, Dietrich Buxtehude, Georg Philipp Telemann bis Hugo Distler u.a.; Schüler des Heinrich-Schütz-Konservatoriums Dresden, Gretel Wittenburg, Sopran, Dresdner Motettenchor, Matthias Jung, Leitung, Gabriele Bäz, Projektleitung

12. Oktober, 20 Uhr, Frauenkirche: „Tränen der Auferstehung“, Heinrich Schütz: Historia der Auferstehung Jesu Christi SWV 50; Johann Hermann Schein: Israelis Brünnlein (Auswahl); Vokal- und Instrumentalensemble La Tempête, Georges Abdallah, Evangelist der byzantinischen Tradition, Simon-Pierre Bestion, Leitung

13. Oktober, 17 Uhr, Dreikönigskirche: „Abschlusskonzert“, Verleihung des Internationalen Heinrich-Schütz-Preises 2019, Heinrich Schütz Historia des Leidens und Sterbens unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi nach dem Evangelisten St. Lukas SWV 480 mit eingefügten Chor- arien von Torsten Rasch auf Texte von Helmut Krausser, Uraufführung; RIAS Kammerchor Berlin, Anna Carewe, Violoncello, Justin Doyle, Leitung

Die ersten Dresdner Veranstaltungen gibt es tags drauf im Jazzclub Tonne, wo die vor 400 Jahren in Venedig geborene Sängerin und Komponistin Barbara Strozzi per musikwissenschaftlichem Vortrag sowie in einem mit der Sängerin Laila Salome Fischer nebst Magnus Mehl am Saxofon spannend besetztem Konzert näher vorgestellt werden soll.

Der Residenz-Chor wird am 6. Oktober mit dem Alte-Musik-Ensemble Capella de la Torre sowie am 13. Oktober im Abschlusskonzert zu hören sein. Dort steht die „Lukaspassion“ von Heinrich Schütz mit der Uraufführung darin eingefügter Chorarien des Dresdner Komponisten Torsten Rasch zu Texten von Helmut Krausser auf dem Programm.

Leila Schayegh Quelle: Pr/Mona Lisa Fiedler

Spannend dürfte auch „Divino Farino!“, das Konzert der Barockgeigerin Laila Schayegh zu Ehren des „göttlichen“ Komponisten Carlo Farino, am 7. Oktober im Alten Pumpenhaus werden.

Erste Eintrittskarte geht nach Japan

Dass Dorothee Mields am nächsten Tag gleich zweimal im Palais im Großen Garten mit einem amourösen Strauß „Es ist, was es ist – Liebe!“ und Kompositionen von Barbara Strozzi, Claudio Monteverdi und anderen zu erleben sein wird, wird die Freunde barocker Sangeskunst besonders freuen.

Das Vocal Concert Dresden unter Peter Kopp bringt das Publikum im Albertinum auf Tuchfühlung mit moderner Kunst und Musik des 17. Jahrhunderts (9. Oktober, ebenfalls zweifach), L’Arpeggiata und die wunderbare Christina Pluhar versprechen „Himmelsmusik“ mit der Sopranistin Céline Scheen (10. Oktober), unter dem bewährten Titel „Schütz_Junior“ werden Schülerinnen und Schüler des Heinrich-Schütz-Konservatoriums in ihrer Schulstätte Alte Musik aufführen (11. Oktober), und in einer Kooperation mit der Stiftung Frauenkirche werden Schützens „Auferstehungshistorie“ sowie Madrigale von Johann Herrmann Schein vom Ensemble La Tempête präsentiert. Der libanesische Bariton Georges Abdallah verleiht dieser Musik ganz eigene Töne (12. Oktober).

Der Vorverkauf zu all diesen klingenden Kostbarkeiten läuft. Als erster Kartenkäufer hat sich Christina Siegfried zufolge ein japanischer Fan gemeldet. Ein schon regelmäßiger Besucher des Heinrich-Schütz-Musikfestes. Also auch dies nur folgerichtig.

Hier gibt’s Karten

Ticketverkauf bei allen Reservix-Vorverkaufsstellen und unter www.reservix.de

www.schuetz-musikfest.de

Von Michael Ernst

350.000 Euro pro Jahr stellt das Land Sachsen für die Sicherung historischer Film- und Tondokumente zur Verfügung. Nun präsentierte die zuständige Stelle erste Fundstücke aus den Archiven.

10.09.2019

„Gebilde“ nennt der Dresdner Maler Arend Zwicker die vier Werke, die derzeit in einer Ausstellung in der Alten Feuerwache Loschwitz zu sehen sind. Der Begriff betont die bildnerische Seite von Zwickers Malerei.

09.09.2019

In der Karaokekomödie „Spielplatzhirsche“ von Christian Kühn, die an der Comödie Dresden Premiere hatte, geht es um die Tücken des Vaterdaseins. Die Zuschauer waren begeistert, von den Songs und aufgrund des famosen Timings beim Ausspielen politisch inkorrekter Gags.

09.09.2019