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Regional Zeitlos in Schweigen gehüllt: Michael Klose und Jürgen Cominotto stellen aus
Nachrichten Kultur Regional Zeitlos in Schweigen gehüllt: Michael Klose und Jürgen Cominotto stellen aus
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12:49 29.02.2020
Michael Klose & Jürgen Cominotto in der Galerie Mitte: hinten Triptychon "Großer Gletzscher" (Öl, 2019) von M. Klose, vorn Cominotto "Schweinehund" (2008) Quelle: Heinz Weißflog
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Dresden

Inmitten der Ölbilder vom Wald, die Michael Klose (geb. 1963 in Dresden) in den vergangenen Jahren im Freien malte, stehen glasierte Tonfiguren und Köpfe von Jürgen Cominotto (geb. 1952 in Bremen) wie archaische Kommentare zum Geheimnis von Landschaft und Mensch. Die günstige Konstellation von Bild und Tonplastik ergibt einen stillen, fast heiteren Raumzusammenklang, dessen Schwingungen an alte völkerkundliche Artefakte (wie z.B. die Steinskulpturen der Osterinsel) erinnern, die gleichsam zeitlos in Schweigen gehüllt im Raum stehen und ihre magischen Blicke unverhüllt in die Ferne richten.

Was zwischen Maler und Natur geschieht

Man schaut durch die Räume an den Plastiken vorbei auf die Landschaft. Auf dem Hintergrund der naturpantheistischen Waldbilder, aber auch der barocken Dresdner Elbtalarchitektur mit dem Zwinger, der Brühlschen Terasse und dem 1893 erbauten Blauen Wunder (durch dessen exzessive Darstellung der Maler Klose in Dresden bekannt wurde) antizipiert Klose den Zauber des lokalen Landstrichs, wie die alltäglichen Heideerlebnisse, die ihm den Wald nahebrachten und ihn lieben lernten. Ein lakonischer Realismus tritt dabei hinter einer expressiv-magischen Auffassung zurück, wo angedeutet werden soll, wird etwas ausgesprochen, nämlich, was zwischen Maler und Natur geschieht. Plötzlich erstrahlt ein helles, transparentes Blau im Licht, das Sinnbild für die Blaue Blume des Romantikers Novalis ist, Tiefe und Unendlichkeit, Seelenkraft und Spiritualität, die als mögliche Symbole in Frage kommen und das Bild bestimmen.

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Natur- und Körperfarbe heben einander hervor

Der Titel der Ausstellung „Im Wald und auf der Heide“ erinnert an ein gleichnamiges deutsches Volkslied aus dem Jahre 1816. Der Bezug zur Romantik (“in der das Wünschen noch geholfen hat“) ist in dieser Ausstellung offensichtlich, aber auch vielfältig gebrochen und vom Geist unserer Zeit erfüllt. Klose, studierter Architekt, malt Waldstücke wie plötzliche Gedanken an eine Situation von Form und Licht. Im Atelier wird nur ergänzt, gefeilt und verfeinert. Das ganze Schaffen spielt sich vor Ort ab. Manchmal verdichtet sich der Wald zu einem Stück fast abstrakt wirkender Farbfläche, auf der die Bäume zu verschmelzen scheinen, andermal tritt eine bezaubernde Baumgruppe in den Mittelpunkt, die sich aus dem Chaos der Farbe schemenhaft herauskristallisiert.

Die große dunkel-opake Fläche eines Ölbildes korrespondiert auch hier mit einem kleinen weiblichen Torso von Cominotto, Natur- und Körperfarbe ergänzen sich und heben einander hervor. Wie gewohnt durften auch einige Perspektiven auf das Blaue Wunder nicht fehlen, die in ihrer Konstruktion einen herzhaften Gegensatz zu den Waldbildern bilden. Durchblicke machen die Ansicht interessant und für das Auge des Betrachters zu einer Sehaufgabe. Anders geartet aber sind neben den Aquarell-Impressionen vom Wald die beiden Ölbilder im Foyer, in denen die Lineatur des Pinsels zu bewegten, existentiellen, fast gestischen Baumbildern führt, die etwas Fremdes, Märchenhaftes und Ungewohntes in sich bergen.

Auseinandersetzung mit Menschsein und Psyche

Jürgen Cominotto kam im Jahr 1994 von Bremen nach Pulsnitz, um dort eine kunsttherapeutische Arbeit an der VAMED-Klinik im Schloss aufzunehmen. Was als existentieller Notanker für die Familie gedacht war, erwies sich als ein neuer Anfang auch in der eigenen Kunst als Bildhauer und Plastiker. Cominotto erlebte aus erster Nähe das Zusammenwachsen von Ost und West. Als Vertreter der Bremer Schule (bei Waldemar Otto) entwickelte Cominotto in seinem Atelierhaus in Ohorn die Eigenheiten der Bremer Bildhauerschule, die stark von Berlin beeinflusst ist, auf seine Weise weiter. Gegenstand seiner Arbeit sind Kopf und Figur aus weißem Ton, der zwischen Schühr-und Glasurbrand dezent und zartfarbig bemalt wurde. Der Kopf hat kaum etwas Porträthaftes an sich und gewinnt erst durch den Brand seine Eigentümlichkeit. Fragile Gesichtszüge verbreiten Leichtigkeit und eine positive Energie, eine Heiterkeit, die eine Einheit von Form und Inhalt findet.

Oft geöffnet, wird das Verhältnis von innen und außen deutlich. Sehr oft auch ist das Schädeldach mit kleinen Ornamenten, Schlangen (Medusa), Figürchen, Blüten (Flora) oder Stierköpfen geschmückt, die an Mythen der Antike (Zeus und Europa), das Christentums (Adam und Eva) sowie an Märchen (König) erinnern. Die therapeutische Arbeit vertiefte bei Cominotto die Auseinandersetzung mit dem Menschsein und der Psyche, dem Verhältnis von Intellekt und Emotion, Bewusstem und Unterbewusstem.

Ausstellung noch bis 14. März

Im Kabinett zeigt Manuela Neumann kleinformatige Tuschezeichnungen, in denen ihre Alltagserlebnisse und Träume vorkommen. Oft sind es Szenen am Meer (2018) oder in der umfangreichen Serie „Ocker-Quadrate“ Körperassoziationen mit Aktposen und Befindlichkeiten von Körper, Psyche und Geist. Die studierte Bildhauerin (bei Prof. H. Heinze) an der HfBK Dresden hat sich in jüngster Zeit wieder mit der Linie beschäftigt, weil die Zeichnung Grundlage aller künstlerischen Arbeit ist. Von der Ostsee brachte sie mehrere Zentner Seesteine mit, die sie fantasievoll bemalte (1-22). Hier wirken natürliche Plastizität und aufgebrachte Zeichnung ideal zusammen.

Bis 14. März. Galerie Mitte, Striesener Straße 49, 01307 Dresden. Kontakt: 0351/459 00 52 www.galerie-mitte.de geöffnet Di-Fr 15-19 Uhr Sa 10-14 Uhr.

Von Heinz Weißflog

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