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Regional In Dresden ein Erzgebirger – im Erzgebirge ein Dresdner
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20:15 12.10.2019
 Ewald Schönberg: "Frau mit Ziegen", Öl auf Leinwand, 1927, Städtische Sammlungen Freital (Ausschnitt). Quelle: Biokovar Dresden
Dresden

Worüber entscheidet, ob man ein Künstler des Erzgebirges ist? Ist der Geburtsort, der langjährige Wohnort ausschlaggebend oder sind es die sporadischen Wanderausflüge, der mehrwöchige Arbeitsaufenthalt oder doch die Sujets und Motive, die im Œuvre des Künstlers immer wieder hervortreten? Es wird wohl alles eine Berechtigung haben, obwohl, wer verbindet solche Namen wie Max Pechstein (1881-1955) aus Zwickau, Carlfriedrich Claus (1930-1989) aus Annaberg oder Siegfried Klotz (1939-2004) aus Oberschlema schon mit dem Erzgebirge?

Wenn man sich einen genaueren Überblick über bildende Kunst des Osterzgebirges machen möchte, kam bzw. kommt man an zwei der wichtigsten Museen nicht vorbei: dem Museum Osterzgebirgsgalerie im Schloss Dippoldiswalde und den Städtischen Kunstsammlungen Freital auf Schloss Burgk. Die Dippoldiswalder Galerie konzentrierte sich fast ausschließlich auf die Kunst des Osterzgebirges. Über 180 Künstler ab Ende des 18. Jahrhunderts verzeichnete allein der Katalog des Museums. Leider wurde diese Galerie im letzten Jahr geschlossen, die Arbeiten verschwanden (auf Nimmerwiedersehen?) im Depot, ohne einen Aufschrei der Bevölkerung. Eine unsinnige politische Entscheidung der Stadt Dippoldiswalde, die nicht nachvollziehbar ist. Das war auch eine „Ohrfeige“ für den Museumsgründer und Ehrenbürger von Dippoldiswalde Günter Groß.

Bestand an Arbeiten osterzgebirgischer Künstler

Freital hat vor allem als Sammlungsschwerpunkt Dresdner Kunst von 1890 bis 1950, besitzt aber auch einen umfangreichen Bestand an Arbeiten osterzgebirgischer Künstler. Daneben gibt es immer wieder Sonderausstellungen, organisiert vom langjährigen Direktor und diesjährigen Kunstpreisträger der Stadt Freital Rolf Günther. Mit der aktuellen Ausstellung „Ewald SchönbergEin Maler der Neuen Sachlichkeit“ ist ihm nun eine außerordentliche Wiederentdeckung gelungen.

Von Schönberg ist nur wenig bekannt. Er wurde 1882 in Geising als Sohn eines Arbeiters geboren. Nach der Volksschule erlernte er den Tischlerberuf. In Dresden besuchte er die Gewerbe- und Kunstgewerbeschule. Ab 1920 war er Dozent an der Volkshochschule und gründete 1925 die „Malgruppe Schönberg“. Obwohl Autodidakt, wurde er um 1923 auch in die Dresdner Künstlervereinigung aufgenommen. Ab 1930 war er fast jährlich in Dresden in Gemeinschaftsausstellungen präsent. 1947 wurde er Mitglied der Künstlergruppe „Das Ufer“. Mit Frau und den beiden Söhnen lebte er bis zu seinem Tod 1949 in Dresden-Gruna.

Danach wurde es still um ihn. 1960 gelangte der Nachlass nach Freital, konnte dort jedoch aufgrund der baulichen Gegebenheiten nie in Gänze gezeigt werden. Erst 1999, für zehn Jahre, wurden einige seiner Arbeiten im historischen Huthaus in Zinnwald der Öffentlichkeit präsentiert. Die große Ausstellung „Neue Sachlichkeit in Dresden“ im Jahr 2011/12 machte auch wieder auf Schönberg und andere „Erzgebirger“, wie Heribert Fischer-Geising (1896-1984) und Fritz Junghans (1909-1975), aufmerksam, jedoch mehr als Randfiguren der Dresdner Kunstszene.

Mit der jetzigen Ausstellung werden erstmalig rund 70 Arbeiten gezeigt, ein wunderbarer Überblick über sein Schaffen von fast drei Jahrzehnten. Bereits die Arbeiten von Mitte der 1920er Jahre sind im Stil der Neuen Sachlichkeit angelegt.

Ewald Schönberg: Zeitungsjunge, Öl auf Leinwand, 1930 Quelle: Biokovar Dresden

Den etwa zehn Jahre jüngeren Otto Dix (1891-1969) scheint Schönberg gekannt zu haben, die Arbeiten von George Grosz (1893-1959) waren ihm gewiss nicht fremd. Obwohl er die Themen der Zeit aufnimmt, bleibt er in seinen Arbeiten zurückhaltender. „Der Landstreicher“ strahlt immer noch eine gewisse Würde aus, ein „Tippelbruder“ mit Selbstachtung. Der „Zeitungsjunge“ von 1930 ist bei ihm eher nicht das anklagende Motiv der Ausbeutung und Kinderarbeit. Nur der „Säufer“ erinnert an Dix’ Malweise. Mit aufgerissenem Mund, ungekämmt und ein kaputtes Glas vor sich, schaut er wirr. Nur eine Herz-Spielkarte deutet eine Verbindung zum normalen Leben an.

Überblick über ein Schaffen von fast drei Jahrzehnten

Die karge Landschaft des Erzgebirges taucht immer wieder auf. Vor allem die Winterbilder beeindrucken. Die charakteristischen Hütten mit den fast bis auf den Boden reichenden Dächern stehen einsam im Schnee. Der klare winterliche Sternenhimmel lässt ein melancholisches Gefühl aufkommen. Die Bilder sind reduziert, nur das einsame Licht im Fenster zeigt an, dass hier Menschen wohnen. Menschen, die er in ihrem schweren Alltag begleitet. „Der Landbriefträger“ von 1935 kämpft sich durch den Schneesturm, zehn Jahre später muss die „Holzsammlerin“ ebenso mühsam den Naturgewalten trotzen wie die „Botenfrau“ von 1947.

Das entbehrungsreiche Leben findet jedoch nicht nur auf dem Lande statt. „Plätterinnen“ müssen sich ihren Lebensunterhalt mit schwerer Arbeit verdienen. Der Lohn ist karg, die Arbeit in der Hitze kaum auszuhalten. Der „Scheuerfrau“ geht es nicht besser, auf allen Vieren kämpft sie gegen den Schmutz der (wahrscheinlich) gutbürgerlichen Wohnung.

Wie Ewald Schönberg das Kriegsende erlebt hat, ist nicht bekannt. Nach 1945 entstehen nochmals einige religiös geprägte Motive. „Der heilige Sebastian“, „Christus am Kreuz“ und der „Menschensucher“ sind seine Versuche, den Krieg für sich zu verarbeiten. Die Figuren sind allesamt menschlich dargestellt, die auffälligen Ruinenlandschaften im Hintergrund der Bilder sind als deutliche Anklage zu verstehen.

Zur Ausstellung ist ein Katalog mit Texten von Anke Rödel und fast 70 farbigen Abbildungen erschienen. Grundlage für ein Werkverzeichnis und hoffentlich weiterführende Forschungen.

Übrigens, wer weitere Arbeiten eines Künstlers aus dem Erzgebirge sehen möchte, sollte sich die ständige Ausstellung von Heribert Fischer-Geising im Schloss Lauenstein ansehen. Und ab November können dort in einer Sonderausstellung frühe Arbeiten der 1930/40er Jahre besichtigt werden, ein direkter Vergleich zu Schönberg, von „Erzgebirger“ zu „Erzgebirger“.

Bis 27. Oktober, „Ewald SchönbergEin Maler der Neuen Sachlichkeit“, Städtische Sammlungen Freital Schloss Burgk, Altburgk 61; geöffnet: Di.-Fr. 12-16 Uhr,

Von Dieter Hoefer

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