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Regional Im Visier der Staatssicherheit
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16:11 06.09.2019
Jürgen Gottschalks Erinnerungen sind in einer Neuauflage erschienen (Archivfoto). Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Dresden, Anfang der 1980er-Jahre: Mit Witz und politischem Hintersinn entwickeln junge Künstler Ideen, die auch über die DDR hinweg Resonanz finden. Sie geraten so ins Visier der Staatssicherheit. Jürgen Gottschalk, einer der wichtigsten Akteure der Mailart-Szene, beschreibt in seinem Buch „Druckstellen“, von dem jetzt eine zweite, erweiterte Neuauflage erschienen ist, wie die Stasi vorging, um ihn mundtot zu machen: erst Berufsverbot, dann Haft, schließlich Abschiebung. Was die Inoffiziellen Mitarbeiter anging, hält Gottschalk fest: „Ich glaube .... nicht, dass die Inoffiziellen Mitarbeiter nicht wussten, was sie taten. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die meisten von ihnen einen guten, interessanten Job hatten“. Auch lässt der Autor den Leser wissen: „Wir waren leichtgläubig und naiv genug, um zu meinen, dass sie, wenn sie alles wissen, selbst sehen müssen, dass wir keine Bomben bauen oder die DDR aus den Angeln heben wollten. Wir wollten nicht wahrhaben, dass aus den ausführlichen IM-Berichten in der Stasi unerbittlich unsere Stricke geflochten wurden. Auch das Ausmaß der Überwachung und den Grad der Einflussnahme überschauten wir damals keineswegs.“

Jürgen Gottschalk: „Druckstellen – Die Zerstörung einer Dresdner Künstler-Biographie durch die Stasi“ Evangelische Verlagsanstalt, 2. überarbeitete und erweiterte Auflage Quelle: Cover

Diplomarbeit des Stasi-Offiziers abgedruckt

Kontrastiert werden die Erinnerungen Gottschalks durch die Diplomarbeit „seines Stasi-Offiziers“ zu seinem Fall, die hier vollständig abgedruckt ist. Auch ein sehr persönliches Interview mit dem Autor sowie eine umfangreiche Auswahl verschiedener Mailartpostkarten fanden Eingang in das Buch, das in der Schriftenreihe des Sächsischen Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur erschienen ist. Entstanden sei laut Ankündigung „eine authentische und persönliche Biografie“, die hautnah miterleben lasse, was „Zersetzung“ praktisch bedeutete. Der Leser erfährt zudem, wie die Verfolgung bis in die Gegenwart nachwirkt und welche Wege Gottschalk geht, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen. Sein Engagement in der Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden und sein Wirken im Theaterstück „Meine Akte und ich“ der Dresdner Bürgerbühne sind hierfür nur zwei Beispiele.

Jürgen Gottschalk: „Druckstellen – Die Zerstörung einer Dresdner Künstler-Biographie durch die Stasi“ Evangelische Verlagsanstalt, 2. überarbeitete und erweiterte Auflage, 200 Seiten, zahlreiche Abb., 10 Euro, ISBN 978-3-374-05498-5

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