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13:12 02.12.2019
Das Turmzimmer im Residenzschloss. Reproduktion nach Römmler & Jonas, die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1896. Quelle: Fotos (3): aus „Das Porzellankabinett“
Dresden

Das Porzellankabinett im Turmzimmer des Residenzschlosses einzurichten, war an sich eine Verlegenheitslösung. Aber mit dem Porzellanschloss, das man im Holländischen Palais (für das sich dann ab 1727 die Bezeichnung Japanisches Palais durchsetzte) aufzubauen gedacht hatte, wurde es allen Plänen zum Trotz nichts.

So standen Tausende Porzellane der königlichen Sammlung auf dem Boden oder auf Tischen. Und so war das höchste prominent dem Paradeappartement im Dresdner Residenzschlosses vorgelagerte Turmzimmer, das Friedrich August II. Mitte der 1730er-Jahre mit herausragenden Stücken aus dem Bestand des Japanischen Palais ausstattete, bis kurz vor dem Zweiten Weltkrieg „der einzig tatsächlich repräsentative Schauraum für die königliche Sammlung und insbesondere für die besten Erzeugnisse der Meissener Porzellanmanufaktur“, schreibt Julia Weber, Direktorin der Porzellansammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, in ihrem Grußwort zu einer neuen Publikation über jenes Porzellankabinett im Hausmannsturm, das, nachdem es im Zweiten Weltkrieg wie so vieles in Dresden 1945 zerstört worden war, wie Phoenix aus der Asche wieder auferstand.

Auslagerungsort während des Krieges war Schloss Schleinitz

Anliegen des Buches ist es, die wechselvolle Geschichte des etwa 100 Quadratmeter großen Turmzimmers (in dem nie eine Rapunzel einsaß, die ihr Haar herabließ) in den letzten 300 Jahren nachzuzeichnen – von der Ausgestaltung als Silberbuffet zur Fürstenhochzeit 1719 und der späteren Umwandlung in ein Porzellankabinett bis hin zur aktuellen Rekonstruktion des verloren geglaubten historischen Interieurs.

Das Werk ist zu einem beträchtlichen Teil dem Engagement von Anette Loesch, der Oberkonservatorin für den Bestand europäischer Keramiken, zu verdanken. Etwa ein Viertel der Publikation macht ein Verlustkatalog aus, der nicht zuletzt deshalb erstellt werden konnte, weil die bedeutendsten Exponate des Turmzimmers in qualitätsvollen Glasplattennegativen dokumentiert wurden, bevor die Porzellane ausgelagert wurden.

Auslagerungsort war Schloss Schleinitz bei Meißen. 45 Kisten Porzellan, zwölf Dragonervasen und acht aufgerollte Gobelins kamen Mitte August 1943 dort an. Für das Turmzimmer selbst wurde beschlossen, es in seinem Zustand zu belassen, jedoch von jedem Konsolentyp ein Exemplar zu sichern, um im Fall einer (dann auch erfolgten) Zerstörung des Raums diese Konsolen durch Repliken zu rekonstruieren.

Die Deckelvase mit olivgrünem Fond, deren Dekor von Johann Gregorius Höroldt stammt, ist ein Kriegsverlust. Quelle: „Das Porzellankabinett“

Von den im Turmzimmer 1896 fotografisch dokumentierten 356 Konsolen in 37 unterschiedlichen Typen waren 310 Stück geschnitzt und vergoldet, wie Hans-Christoph Walther in seinem Beitrag zur Baugeschichte des Turmzimmers vermittelt. Er erinnert auch daran, dass das Turmzimmer durchaus gelegentlich restauriert und umgestaltet wurde. Manche Pläne blieben auch Makulatur. Als König Johann nach dem Unfalltod seines Bruders die Amtsgeschäfte übernahm, unterblieb die von König Friedrich August II. geplante Ausführung von Fresken im Turmzimmer.

Das Bergungsdepot Schleinitz wurde dann aber nach 1945 massiv von Plünderern heimgesucht: Rotarmisten, Zwangsarbeiter, auch die lokale Bevölkerung machte lange Finger. Als zwei Mitarbeiterinnen der Porzellansammlung bei Privatpersonen vorsprachen, um nach Porzellan zu fahnden, kamen sie in Kontakt mit einem Mann, der ihnen Porzellan ausgehändigte. Er berichtete den beiden Dresdner Damen, dass das Porzellan von einer vormals in Schleinitz beschäftigten Köchin stamme, die es nach und nach von sowjetischen Soldaten geschenkt bekommen habe. Letztlich konnten immerhin 66 Porzellanobjekte übernommen werden, darunter ein sechsteiliges Meißner Tête-à-Tête, ein Frühstücksservice aus der Marcolini-Zeit.

Das Buch rückt auch die silbernen Gueridons ins Gedächtnis, die an die vorangegangene Nutzung des Raums als Silberbuffet erinnern. Gueridons wurden im 17. Jahrhundert als mobile und erhöhte Standflächen für Kerzenleuchter entwickelt. Meist sind sie in Holz ausgeführt und durch eine Fassung, beispielsweise Vergoldung oder Lackarbeit, veredelt. Anhand historischer Fotografien von 1896 können verschiedene Gueridonmodelle ausgemacht werden. Vermutet wird, dass die Aufstellung der silbernen Gueridons innerhalb der Porzellanpräsentation im Turmzimmer auf dessen frühere Nutzung als Silberbuffet zurückgeht.

Gueridon, wohl aus der Werkstatt Permosers, um 1715. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1935. Quelle: „Das Porzellankabinett“

Wie man erfährt, standen im Turmzimmer, als Sachsens Kurprinz Friedrich August und seine Frau Maria Josepha von Österreich bei ihrer Hochzeit 1719 die Festräume des Schlosses durchschritten, anders als in allen anderen Räumlichkeiten keine Gäste Spalier. Mal ist in dem Buch von Sicherheitsgründen die Rede (auch reiche Leute genehmigten sich bei entsprechender Versuchung einen Fünffingerdiscount), mal wird der Grund darin gesehen, dass es nur so möglich war, den silbernen Staatsschatz ohne Einschränkungen zu sehen.

Dem Paar muss sich damals im Turmzimmer ein erhebender Anblick geboten haben. Nur von Kerzenlicht erhellt wurde in diesem Showroom ganz eigener Art auf vergoldeten Konsolen vor rot lackierten Wänden ein einzigartiger Schatz von weißsilbernen und silbervergoldeten Gefäßen präsentiert – das Silberbuffet als Kernstück des Staatsschatzes. Der Dresdner Hofchronist Johann Christian Crell (1690-1762) schreib 1723 unter dem Pseudonym Iccander zum Turmzimmer: „... darinnen jeder, in Anschauung derer gold- und silbernen Pretiositäten, an Schaalen, Pocalen, Cheredons usw. gantz ausser sich selbst gesetzt wird.“

Elementvasen setzten besondere Akzente

Aber auch später, als statt Silbergefäßen Porzellan auf den Konsolen stand, machte der Raum viel her. Bestimmend für den Raum war, wie herausgestrichen wird, nicht zuletzt die Gestaltung der südlichen Schauwand, des eigentlichen Buffets. Neuzeitliche Fotografien vermitteln, dass zahlreiche weiße Kannen und Deckelvasen „mit ihren lebhaften Silhouetten das Bild des Turmzimmers“ dominierten.

Bereits 1769 führt ein Inventar unter der Rubrik „An weißen großen Aufsatz-Stücken“ 26 Kannen und Vasen aus dem Ensemble der Elementvasen aus. Johann Joachim Kaendlers Vasen zu den Elementen Feuer, Wasser, Luft und Erde, die in ihrer ersten Ausführung an sich als Staatsgeschenk für König Ludwig XV. von Frankreich gedacht waren, ist ein eigener Aufsatz gewidmet, in dem Julia Weber versichert: „Schon aufgrund ihrer Größe und des glänzenden Weiß der unbemalten Vasenkörper, das wirkungsvoll mit den rot lackierten Wänden und vergoldeten Konsolen kontrastierte, hoben sich die Elementvasen einst optisch von den übrigen im Turmzimmer präsentierten Porzellanen der Königlichen Sammlung ab“.

Vor allem ihre durch und durch skulpturale Gestaltung habe sie besonders hervorstechen lassen: In einer bis „bis dato unbekannten Tour de Force“ habe Kaendler in seinem Entwurf von 1741 „die Oberflächen der Vasenkörper in Reliefs und die Silhouetten in ausladenden figürlichen Applikationen“ aufgehen lassen.

Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Porzellansammlung; Anette Loesch (Hrsg): Das Porzellankabinett im Hausmannsturm des Dresdner Residenzschlosses, Sandstein Verlag, 320 Seiten, 294 Abb., 48 Euro

Von Christian Ruf

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