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Regional Im Dresdner Zentralwerk startet am Mittwoch das Festival „Literatur Jetzt!“
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11:36 24.09.2019
Das Zentralwerk in Pieschen wird zum Festivalzentrum. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Fünf Tage Musik, Romane, Gedichte, Gespräche, Show, Ausstellung und ein Wettstreit von Journalisten auf der Bühne – das Dresdner Festival „Literatur Jetzt!“ überrascht mit ungewöhnlichen Präsentationsformen und etlichen Neuerungen. An neuem Hauptveranstaltungsort startet es in seinem elften Jahr mit einer der ungewöhnlichsten Dresdner Unterhaltungskünstlerinnen: Anna Mateur tritt gemeinsam mit dem Gitarristen Samuel Halscheidt morgen, 19 Uhr, im „Zentralwerk“ in Pieschen auf.

Team aus Verlegern, Autoren, Journalisten und Kulturmanagern

In diesem Gebäudekomplex zwischen Großenhainer, Heide- und Riesaer Straße, dem späteren Goehle-Werk, wurden zunächst Nähmaschinen und Großschreibmaschinen produziert, seit 1939 Zünder für Bomben und Schrapnells. Auch Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge waren hier beschäftigt. Nach 1945 befand sich die Druckerei „Grafischer Großbetrieb Völkerfreundschaft“ darin. Seit 2015 haben Mitglieder einer Genossenschaft sich Werkstätten und Ateliers hier eingerichtet und bauen den Komplex zu einem Ort um, der Wohnen, Kunst und Kultur miteinander verbindet.

Mit ihrem Programm eröffnet Anna Mateur zugleich eine Ausstellung von Nicolas Mahler. Der Wiener Künstler zeichnet Comics für Tageszeitungen und Satiremagazine. In seine extrem reduzierende Bildersprache hat er anspruchsvolle Werke der Weltliteratur übersetzt wie Marcel Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ (1913-1927), Robert Musils „Mann ohne Eigenschaften“ (1930-1943) oder Thomas Bernhards „Alte Meister“ (1985). Als Disc-Jockey (DJ) der anschließenden Tanz-Party ist der in Dresden lebende Schriftsteller Marcel Beyer zu erleben, der auch Kenner der Popmusik ist.

Utopien und die Sonne standen im vergangenen Jahr im Hygiene-Museum Mittelpunkt. Diesmal haben die Organisatoren – ein Team aus Verlegern, Autoren, Journalisten und Kulturmanagern um Leif Greinus (Verlag Voland & Quist) und Michael Bittner (Lesebühne Sax Royal) – auf ein Leitthema verzichtet.

Drei Lesungen für Kinder

Die Besucher erwartet ein vielfältiges Programm. So können sie sich zusammen mit den drei Lyrikern Sina Klein, Martin Piekar und Marcel Beyer auf einen poetischen Rundgang durch das „Zentralwerk“ begeben. In verschiedenen Ateliers lesen die jeweils eine Viertelstunde. Für Krimi-Freunde gibt es einen Maigret-Abend, bei dem Schauspieler Walter Kreye („Der Alte“, „Ein Fall für zwei“, „Tatort“) Passagen aus den Romanen von Georges Simenon (1903-1989) vorträgt.

Bekannt aus Fernsehkrimis: Walter Kreye. Quelle: Thomas Kierok

Premiere hat ein Text-Wettstreit neuer Art: Nach dem Prinzip der Poetry-Slams treten fünf Zeitungs-Reporter gegeneinander an. Drei Schriftstellerinnen und drei Schriftsteller stellen ihre neuen Romane vor. Karen Köhler zum Beispiel erzählt vom Aufwachsen in einer abgeschirmten Dorf-Gesellschaft mit traditioneller Ordnung; Feridun Zaimoglu plädiert für eine neue Erzählung der Menschheitsgeschichte aus der Perspektive der Frauen; Anselm Neft berichtet in seinem Internatsroman von Freiheit, Manipulation, Liebe, Lüge und sexueller Gewalt. Andere Bücher erzählen über die Lust am eigenen Körper, über die österreichische Verbrecherszene der Nachkriegszeit oder das Landleben.

Mit ihrer Literaturshow „Die schlecht gemalte Deutschlandfahne“ begeistern zwei schreibende Rheinländerinnen seit dem Frühjahr im Neuen Schauspiel Leipzig, indem sie in Gesprächen mit Autoren unterhaltsam das Schwarz-Weiß gängiger Vorstellungen über Deutschland aufbrechen. Als Gast ihrer Dresdner Sonderausgabe bringen sie Marion Brasch mit. Die beiden Literaturkritiker Anne-Dore Krohn und Denis Scheck feiern mit einer Revue Theodor Fontanes 200. Geburtstag.

Weitere Neuheit: Erstmals haben die Festivalmacher unter dem Motto „Literatur Fetzt“ drei Lesungen speziell für Kinder vorbereitet.

Aus dem Festival-Programm

25. September: 19 Uhr, Zentralwerk (Saal), Anna Mateur und Samuel Halscheidt; Vernissage der Ausstellung „Low Art. Na das wird schon irgendwie Kunst sein“ mit Nicolas Mahler; 21.30 Uhr After-Show-Party mit Marcel Beyer

26. September: 19 Uhr, Zentralwerk (Ateliers), drei Dichter – drei Räume – drei Stationen mit Sina Klein, Martin Piekar und Marcel Beyer; 19 Uhr Zentralwerk (Saal), „Edition Simenon“ mit Walter Kreye; 20 Uhr, Kulturhaus Scheune, Reporter-Slam mit Franziska Klemenz, Cornelius Pollmer, Alex Rühle, Juliane Schiemenz und Josa Mania-Schlegel

27. September: 19 Uhr, Zentralwerk (Saal), Feridun Zaimoglu: „Die Geschichte der Frau“; 21 Uhr, Zentralwerk (Saal), Jubiläumsshow 30 Jahre Lesebühnen mit Ahne, Tilman Birr, Andreas Scheffler und Lea Streisand

28. September: 17 Uhr, Isabelle Lehn: „Frühlingserwachen“ und Anselm Neft: „Die bessere Geschichte“; 19 Uhr

David Schalko: „Schwere Knochen“; 21 Uhr Literaturshow „Die schlecht gemalte Deutschlandfahne“ mit Rebecca Salentin Isabelle Lehn und Marion Brasch – alles im Zentralwerk (Saal)

29. September:11 Uhr, Zentralwerk (Saal), Lola Randl: „Der große Garten“,

14 Uhr Katja Gehrmann: „Stadtbär“ (Erstleser), 15 Uhr Kai Pannen: „Zombert und der mutige Angsthase“ (Kinderbuch); 20 Uhr, Filmtheater Schauburg, Fontane-Revue mit Anne-Dore Krohn und Denis Scheck

www.literatur-jetzt.de

Von Tomas Gärtner

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