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Regional „Ich werde nicht hassen“ – Premiere am Kleinen Haus
Nachrichten Kultur Regional „Ich werde nicht hassen“ – Premiere am Kleinen Haus
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10:09 24.09.2019
David Kosel in der Rolle des palästinensischen Arztes Izzeldin Abuelaish. Quelle: Sebastian Hoppe
Dresden

Zur Premiere am Sonntagabend blieben auch in der kleinsten Bühne 3 des Kleinen Hauses einige Stühle leer. Ist der Dauerkonflikt des Nahen Ostens zu abgenutzt, das Leid der Palästinenser zu fern, das Thema nicht opportun? Aber das mobile Einpersonenstück „Ich werde nicht hassen“ des palästinensischen Arztes Izzeldin Abuelaish bietet das Staatsschauspiel auch Schulen an. Seine emotionale Wirkung scheint garantiert.

Darf man in Deutschland die expansive Politik Israels kritisieren?

Und für Diskussionsstoff dürfte es gewiss auch sorgen. Darf man in Deutschland die expansive Politik Israels kritisieren? Oder sind wir auch drei oder vier Generationen nach den entsetzlichen Verbrechen an den Juden noch mit einer „Erbschuld“ belastet, die es verbietet, Menschenrechtsfragen auch gegenüber ihrem 1948 gegründeten Staat aufzuwerfen?

Izzeldin Abuelaishs Autobiografie war in den USA und in Kanada ein Bestseller, wurde in zwölf Sprachen übersetzt und fand in einer Bühnenfassung auch den Weg an mehrere deutsche Theater. Sie holt den palästinensischen Alltag aus der Anonymität heraus in eine packende Nähe und Präsenz. Nur eines von Zehntausenden Schicksalen, wie sie fast jede Familie im Gazastreifen und im von israelischen Siedlungen schon fast kolonialisierten Westjordanland erzählen kann.

Dabei ist der begabte und leidenschaftliche Gynäkologe nicht nur der erste Palästinenser, der in einem israelischen Krankenhaus praktizieren darf, sondern auch der natürlichste Botschafter von Frieden und Aussöhnung. Der achtfache Vater, für den es nichts Schöneres gibt, als jungem Leben auf diese so unheile Welt zu verhelfen, erscheint auch im Spiel von David Kosel als ein liebenswürdiger, grundheiterer Mensch. Auch wenn er bei nüchterner Überlegung in diesen israelischen Neugeborenen „eine neue Generation von Besatzern“ sehen muss.

Mit dieser Heiterkeit erträgt Izzeldin die Schikanen am Grenzübergang Erez zwischen seinem Arbeitsort in Beer Sheva und seinem Wohnort in Gaza. Auch die Schilderung der extremen Lebensbedingungen, unter denen die von fast allen Ressourcen abgeschnittenen Palästinenser leben müssen, mündet noch nicht in eine laute Anklage. Seit seinem siebenten Lebensjahr arbeitete er schwer, um das Überleben der Familie zu sichern. Richtig freuen kann sich dieser junge Mann trotzdem, In der Regie von Fanny Staffa tanzt und singt und bewegt sich quer durch den fast leeren Bühnenraum.

Ungewöhnlich langer Beifall

Immer wieder bricht dann aber auch laute, elementare Empörung durch. Einerseits über eine rechtzeitig aufgegriffene junge Attentäterin – „was denkt sich die Hamas eigentlich bei diesem Akt des Bösen?“. Vor allem aber gegenüber der eiskalten Demonstration der Macht der Besatzer, wenn beispielsweise das elterlich Haus einfach plattgewalzt wird, damit Scharons Panzer bequemer rollen können. „Wir sollten in unserer Existenz vernichtet werden“ kommentiert er die zweite Intifada im Jahr 2000.

Ein letzter Aufschrei, als der Arzt auf dem Weg zu seiner todkranken Frau in Jerusalem einen ganzen Tag festgehalten wird, obwohl man ihn kennt und alle Papiere in Ordnung sind. Sein Haus wird im Gazakrieg 2009 von zwei Granaten zerstört, ein Anruf bei den ihm bekannten israelischen Stellen wendete die Katastrophe nicht ab. Drei Töchter und eine Nichte sterben.

Die starke Betroffenheitswirkung dieser Geschichte, für die es ungewöhnlich langen Beifall gab, ist zugleich ihre Schwäche. Erst in den letzten beiden Minuten resümiert der inzwischen in Kanada als Professor lehrende Arzt und Vater jenes titelgebende „Ich werde trotzdem nicht hassen“. Zumindest einige kurze einordnende Reflexionen hätte man sich zwischendurch gewünscht. Über das verständliche, aber völlig überzogene Sicherheitsbedürfnis Israels zum Beispiel. Aber auch über das verantwortungslose UNO-Fehlkonstrukt von 1948, mit dem zwar die zionistische Sehnsucht der Juden erfüllt wurde, zugleich aber neues Vertreibungsunrecht und auf unabsehbare Zeit neuer Unfrieden geschaffen wurden.

nächste Aufführungen: 15., 29. Oktober

www.staatsschauspiel-dresden.de

Von Michael Bartsch

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