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Regional Dresdner Band Woods of Birnam mit Live-Installation im Schauspielhaus
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13:12 19.02.2020
Intermezzo im Probenraum oder Pizzaesser vorm Stillleben: Woods of Birnam, also Philipp Makolies, Christian Grochau, Uwe Pasora und Christian Friedel (v.l.) Quelle: Peter Rigaud
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Dresden

Woods of Birnam sind jetzt Sänger/Schauspieler/Komponist/Regisseur Christian Friedel, Gitarrist Philipp Makolies, Drummer Christian Grochau und Bassist Uwe Pasora. Die Band bringt am 28. Februar zusammen mit Stephan Gräber von Waterloo Produktion und den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden die aufwendige Installation „How To Hear A Painting“ auf die Bühne des Schauspielhauses. Anlass ist die Neueröffnung der Gemäldegalerie Alte Meister nach siebenjähriger Teilschließung.

Parallel dazu erscheint das musikalische Material auf einer gleichnamigen CD. Es ist die vierte von Woods of Birnam, die regelmäßig auf Theaterbühnen und mit einem Sommerfestival in Dresden präsent sind.

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Für die DNN sprach Andreas Körner mit Christian Friedel und Philipp Makolies über Projekt, Pathos, Größe und den richtigen Moment, kleiner zu werden.

Frage: Nun also das nächste Großprojekt von Woods of Birnam. Es scheint, als kann die Band gar nicht klein – oder ist es nur eine Projektion von außen?

Christian Friedel: Es ist ein stetig wachsender Prozess. Wir haben beispielsweise keine Angst mehr vor Theatralität. Beim Komponieren liegt das wahrscheinlich an mir, während Philipp eher aus dem Lyrischen kommt. Das ergänzt sich sehr gut.

Christian Friedel Quelle: dpa

Für das neue Album kann man sagen, dass es wirklich unsere Entwicklung seit der ersten Platte von 2014 dokumentiert. Wir haben noch nie zuvor so selbstverständlich miteinander musiziert.

Erzählen Sie bitte zunächst etwas über das musikalische Material von „How To Hear A Painting“.

C.F.: Die Songs sind eigentlich für die Armin-Petras-Inszenierung „1984“ am Düsseldorfer Schauspielhaus entstanden, die 2018 Premiere hatte und an der wir beteiligt sind. Es sollte ein eigenständiges Album entstehen, und es hätte deutlich anders geklungen als das jetzt vorliegende. Stephan Gräber von Waterloo Produktion kam dann zu uns mit seiner Idee von „Bilder einer Ausstellung 2.0“. Schnell merkten wir, dass es spannender sein könnte, nicht wie Mussorgski heranzugehen, also Musik extra für Bilder zu schreiben, sondern Bilder zu bereits existierender Musik zu suchen.

„Wir sind ja bekennende Fans der Überforderung des Publikums“

Wie passt das dystopische „1984“ nach Georges Orwell zur Farbigkeit Alter Meister wie Rubens, Brueghel, van Utrecht, Solimena und Vernet?

C.F.:Das bereits angesammelte Material ist inhaltlich gar nicht mal so stark an Orwells Roman gebunden, wie man vermuten könnte, sondern eher flächig angelegt. Deshalb vermeiden wir eine vordergründige Interpretation eines Gemäldes durch Texte, sondern beschreiben Zustände. Orwells „1984“ erzählt von einer Welt, die sich komplett von Gefühlen losgesagt hat. Musik funktioniert dort eher als verführendes Element. Die Bilder der Alten Meister wiederum sind Verführungen, die Geschichten illuminieren, den Geist öffnen oder den Glauben festigen sollten.

Wir fanden es spannend, nach Werken zu suchen, die sich atmosphärisch in den Songs widerspiegeln. Und die Arrangements wiederum wurden durch diese Begegnung komplexer und suchen nach bunten, strahlenden und auch versteckten Farben der Bilder. Sie haben sich dadurch deutlich vom „1984“-Kontext entfernt und sind zu eigenständigen Kunstwerken geworden.

Das Material verlangte stilistische Vielfältigkeit. Es gibt jetzt Frauenstimmen und Chöre, wortlose Zwischenspiele, Sprechstücke, schmal instrumentierte, pompöse, solche mit Saxophon, es wird gepfiffen, Sven Helbig schrieb Orchesterarrangements, eingespielt von der Staatskapelle Dresden

C.F.:…die übrigens das erste Mal überhaupt für einen Pop-Kontext arbeitet. Es geht bei diesem Projekt ja nicht nur um die Platte, sondern auch um die aufwendige Installation im Schauspielhaus. Dafür haben wir uns eine kleine Geschichte mit Spannungsbogen und Themengruppen gebastelt. Wir sind ja bekennende Fans der Überforderung des Publikums und wollen durch Video, Licht und Ton ein Gefühl wiedererwecken, das man eventuell früher beim ersten Anblick der Bilder hatte. In einer Zeit, in der man visuell noch nicht so überflutet wurde wie heute.

Die Bilder stehen live also im Vordergrund?

C.F.: Genau! Und wir in der zweiten Reihe.

„Wir haben beschlossen, wirklich Grenzen sprengen zu lassen.“

Wie hat die Band die Bilder ausgewählt?

Philipp Makolies: Die Auswahl begann etwa vor zwei Jahren mit dem Stöbern in Katalogen. Dann haben wir Jahreskarten für die Staatlichen Kunstsammlungen bekommen und sind in mehreren Konstellationen durch die Räume gegangen, mal jeder für sich allein, dann in der Gruppe.

C. F.: Für die Platte ging es um zwölf Werke, auf der Bühne werden noch mehr zu sehen sein. Wir haben unter anderem mit Andreas Hennig von den Kunstsammlungen einen Kurator an die Seite bekommen, der uns sein Hintergrundwissen vermittelt hat. Interessant war zum Beispiel sein Hinweis, dass es spezielle inhaltliche Übermalungen gibt oder mit Farben gearbeitet wurde, die über die Jahrhunderte verblassen. Andreas Hennig bekam unsere Songs und traf eine erste persönliche Auswahl an Gemälden, die einerseits inspirierend, andererseits auch konträr zu unserer ausfiel. Was klar ist, denn jeder interpretiert die Musik und die Texte anders. Zum Glück.

Wir von draußen sprechen ja gern von „Mut zur Größe“. Braucht es wirklich Mut?

P. M.: Für uns war es eher Mut, dem natürlichen Drang nachzugeben, wohin die Musik sich entwickeln wollte. Wir haben in den letzten Jahren mehrmals Stationen erreicht, an denen unsere Musik immer wieder anders klang. Vor der neuen Platte haben wir uns sehr bewusst mit unserem Produzenten O.l.a.f. Opal hingesetzt und darüber gesprochen, was genau Woods of Birnam ausmacht.

Wir haben beschlossen, wirklich Grenzen sprengen zu lassen. Und wenn es groß und pathetisch werden sollte, dann sollte es eben groß und pathetisch werden. Wir haben die Zügel locker gelassen und nicht gegen irgendwelche Strukturen angekämpft.

C. F.: Zum Beispiel gegen die Schublade, nur eine Theaterband zu sein. Das hörten wir äußerst ungern, aber diesmal haben wir ganz bewusst zur theatralischen Größe gestanden. Das war ein befreiendes Gefühl.

“Ich habe keine Angst vor Pathos.“

Sie verwenden Worte wie Pathos ziemlich locker. Ist dieser heikle Begriff für Sie wirklich positiv besetzt?

C. F.: Bis zu einem gewissen Punkt ist es tatsächlich so. Ich habe keine Angst vor Pathos. Man sollte sich dessen aber bewusst sein und die Möglichkeit, mit dem Pathos zu brechen, in Betracht ziehen. Es gibt so viel pathetische Musik, die man schwer aushalten kann. Manchmal aber damit zu spielen, kann sehr spannend sein. Gerade junge Musiker und Schauspieler experimentieren lustvoll und angstfrei damit herum, wir standen uns da manchmal fast im Wege.

Mit Kitsch ist es ähnlich. Da habe ich persönlich bis zu einem gewissen Punkt auch keine Angst, denn Kitsch spielt immer mit dem Vertrauten. Solche Momente zuzulassen, ja, das hat im Grunde wirklich etwas mit Mut zu tun. Diese Momente können den Blick öffnen auf anderes, das zu spielen man sich früher vielleicht verboten hätte.

P. M.: Spannend fand ich, dass durch die Größe auch das Gegenteil passiert ist. Da sind jetzt beispielsweise minimalistische Songs auf der Platte, an die wir uns zuvor vielleicht gar nicht herangetraut hätten. Wir haben dort den Kern der Lieder freigelegt.

„How To Hear A Painting“ ist wirklich die bislang lebendigste Woods-Platte geworden...

C. F.: Das hat unser Produzent auch gesagt…

Wie eingangs geschrieben, hängt bei Woods of Birnam zumeist noch etwas dran: Theater, Film, ein Festival. Die Wahrnehmung, zumindest hier in der Stadt, ist die einer Projekt-Band. Erschwert dieser Umstand vielleicht, simple Konzerte zu spielen?

C. F.: Auf der Tour zu „Grace“, unserer letzten Platte, hatten wir unfassbar viel Spaß. Dabei gab es nicht den Schutz irgendeines Projektes, sondern pure Konzerte mit puren Songs und Publikum, das uns, wie in Stuttgart beispielsweise geschehen, auch schon mal singend zu den Zugaben gebeten hat. Da wurde einfach etwas zwischen Bühne und Saal in Gang gesetzt, das mit purer Lebensfreude einherging. Es wird wahrscheinlich auch damit zu tun haben, dass uns viele Menschen auf der Theaterbühne entdecken und sich bei einem Konzert einen Abend lang nur auf die Lieder freuen. Unsere treuen Dresdner Fans freuen sich dagegen jetzt wieder auf ein Theaterstück mit den Woods.

Lesen Sie auch: „Come to the Woods“ – Woods Of Birnam und Freunde verzaubern zur Zweitauflage des Indie-Festivals

Trotzdem: Als Theater- und „reguläre“ Popband scheinen Woods of Birnam ein Alleinstellungsmerkmal in Deutschland innezuhaben...

C. F.: Könnte gut sein. Ein Journalist hat uns mal aufgefordert, genau das zu betonen. Vielleicht sind wir ja die berühmtesten Vertreter des Genres Shakespeare-Pop?

„Wir halten den Begriff einer Independent Band hoch.“

Bringt das Theater vor allem die nötige Stabilität beim Arbeiten?

C. F.: Das kann man stark bejahen! Für uns ist das Theater großes Glück. Es fordert die Kreativität und nimmt den Druck von der Musikbranche, die ja vor allem neue und junge Künstler entdecken und fördern möchte. Wir gelten da schon als alte Säcke und sind gerade mal in den Dreißigern. Ich glaube aber, egal wie alt, man sollte Künstlern nie absprechen, dass sie noch Neuland entdecken können. Dafür hilft die Stabilität.

P. M.: Wir halten den Begriff einer Independent Band hoch. Wir sind wirklich unabhängig von jeglicher Industrie. Dass wir in der Lage sind, vieles selbst zu stemmen, entspannt uns, vor allem auch künstlerisch.

In unserem DNN-Interview von 2014 haben Sie einen Wunsch formuliert, der sich wohl erfüllt hat: Bestand zu haben. Gab es in den letzten Jahren trotzdem schwierige Momente, in denen Woods of Birnam hätte zerbrechen können?

C. F.: Die Zeit, in der ich als Schauspieler arbeite und über Wochen nicht für die Band verfügbar bin, ist schwierig. Vor allem, wenn ich es nicht geschafft habe, sie in meine Arbeit zu involvieren (lacht). Ich glaube aber, dass wir als Verbund inzwischen so stark geworden sind, dass es viele offene Fragen, die wir bei unserem letzten Gespräch noch hatten, nicht mehr gibt. Wir haben unseren Fokus gefunden.

Multiinstrumentalist, Texter und Arrangeur Ludwig Bauer ist nicht mehr mit dabei…

C. F.: Aus privaten Gründen ist er kein festes Mitglied mehr, aber gern gesehener Gast. Bei dieser Entscheidung hat sich gezeigt, wie erwachsen wir damit umgegangen sind. Es ist nichts weggebrochen, wir haben gemeinsame Wege in der Kommunikation gefunden. Das hat uns gestärkt.

Herr Friedel, Sie selbst hatten sich damals gewünscht, die Balance zwischen Theater, Film und Musik zu finden. Waren Sie dabei erfolgreich?

C. F.: Ja, vor allem wenn es am Theater darum geht, die Band mit an Bord zu holen. Mich besetzt man dort ja sehr gern singend, und da öffnet sich auch der Raum für Woods of Birnam. Bei „1984“ in Düsseldorf war es so, aus unserem Shakespeareabend „Searching For William“ ist wiederum die Inszenierung von „Macbeth“ inspiriert, die am 21. März am Dresdner Staatsschauspiel Premiere feiern wird. Ich habe versucht, meine Arbeit nach Phasen zu ordnen, das gestaltet sich aber schwierig. Große Kinofilme wie „Elser“ waren zuletzt für mich nicht zu schaffen, das klappt erst im kommenden Sommer wieder. Dafür konnte ich Serien wie „Parfum“ und „Babylon Berlin“ drehen.

Im Soundtrack der dritten Staffel von „Babylon Berlin“ ist auch ein Woods-Song enthalten, in zwei Fassungen als Bandversion und mit purem Friedel-Gesang und Tobias Morgenstern am Akkordeon.

C. F.: Henk Handloegten, einer der drei „Babylon“-Regisseure, hat sich unseren Shakespeare-Abend angesehen und war begeistert. Da war es wohl sofort klar für ihn, dass meine Figur in „Babylon Berlin“, der Polizeifotograf Gräf, in der neuen Staffel singen muss. Philipp und ich haben dann ein Lied komponiert, sofort mit dem Handy eine erste Version aufgenommen und es kam im Team super an. Tja, und dann fragte ich wie immer, ob man die Band nicht als Komparsen in die Szene integrieren könnte.

P. M.: Sind wir eigentlich zu sehen?

C. F.: Na klar, sehr deutlich! In Folge neun!

„How To Hear A Painting“ als audiovisuelle Installation, 28. Februar, 20.30 & 22.30 Uhr (ausverkauft), Schauspielhaus Dresden (20.30 Uhr mit Live-Übertragung in die Gemäldegalerie Alte Meister im Semperbau)

Von Andreas Körner

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