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Regional Herkuleskeule Dresden wird nach rechten Pöbeleien gelobt und beschimpft
Nachrichten Kultur Regional Herkuleskeule Dresden wird nach rechten Pöbeleien gelobt und beschimpft
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10:52 14.01.2020
„Wir sind schockiert“, sagt Philipp Schaller von der Herkuleskeule in Dresden.
Dresden

„Wir wollen das Ganze nicht größer machen, als es ist.“ Ein Satz, der ein vernünftiges Herangehen an Probleme illustriert. Philipp Schaller sagt ihn am Telefon. Er hat gerade die künstlerische Leitung der Herkuleskeule übernommen, des Dresdner Kabaretts. Und sieht sich gleich mit einem Vorgang konfrontiert, der öffentlich Wellen geschlagen hat.

Am Sonnabend pöbelte eine Gruppe aus dem Publikum von Beginn an in der Vorstellung „Betreutes Denken“. Die beiden Schauspieler Nancy Spiller und Alexander Pluquett stellten die Störer zur Rede, es kam zu einer verbalen Auseinandersetzung, schließlich bekam Pluquett eine Biertulpe an den Kopf, blieb aber, bis auf Schmerzen, unverletzt. Die lauten Äußerungen aus der Gruppe sollen sich unter anderem gegen Asylbewerber gerichtet haben. Außerdem soll es „AfD!“-Rufe gegeben haben.

Störer sind bereits polizeibekannt

„Ich mutmaße, dass die Gruppe gekommen ist, um die Vorstellung zu stören. Das ist ihnen gelungen“, sagt Schaller. Die beiden Darsteller haben nach dem Vorfall weitergespielt und auch später am Abend noch wie geplant eine zweite Vorstellung gegeben. Das Publikum habe sich größtenteils solidarisch mit den Schauspielern gezeigt und den Störern gesagt, dass sie gehen sollten, erzählt Schaller. Die etwa 15 Personen umfassende Truppe stammt aus dem Raum Cottbus und sei „polizeibekannt“.

Auch wenn die Angelegenheit nicht aufgebauscht werden soll, bleibt trotzdem eine gewisse Verunsicherung. „Wir sind dennoch schockiert“, räumt Schaller ein. Geschrieben wird im Nachgang des Ganzen ebenfalls. Man bekomme Beschimpfungen und Solidaritätsbekundungen, sagt er.

Keine extra Sicherheitskontrolle

Wer sich zur hiesigen Debattenkultur ein Bild machen will, sollte die Kommentare unter dem Facebook-Eintrag der Herkuleskeule zum Sonnabend lesen. Es ist auch eine Blaupause dafür, wie das eigentliche Thema für einige bald keine Rolle mehr spielt.

Das kann aber auch – Vorsicht: steile kommentierende These des Autors! – damit zusammenhängen, dass die Aufmerksamkeitsspanne in Zeiten des Internets bei manchen Leuten kaum noch den einer Blattschneideameise erreicht. Was zugegeben eine Beleidigung für jede Blattschneideameise ist.

Presseinformation der Dresdner Herkuleskeule zum Zwischenfall am 11.01.2020 Wir sind erschüttert über den gestrigen...

Gepostet von Dresdens Kabarett-Theater Die Herkuleskeule GmbH am Sonntag, 12. Januar 2020

Lautstarkes Lamentieren ist keine Diskussionskultur

Die Herkuleskeule will jedenfalls auch künftig keine extra Sicherheitskontrolle einrichten. „Das hier ist Unterhaltung, dabei sollten sich die Leute frei fühlen“, meint Schaller. Seine Kollegin Dörte Waurick, Geschäftsführerin beim Leipziger Kabarett Academixer, hat in ihrem Haus noch keine ähnlichen Vorfälle regis-trieren müssen. Die Leute seien aber dünnhäutiger geworden und fühlten sich schnell angegriffen, sagt sie. Oft dann, „wenn die AfD Thema ist“.

Dresden hatte sich in der gescheiterten Bewerbung zur europäischen Kulturhauptstadt 2025 als „Heimat der Diskussionskultur“ positioniert. Wer dem entsprechen will, ob auf großer oder kleiner Bühne, sollte aber zuvor zumindest mal kurz über den Begriff der Kultur nachgedacht haben. Lautstarkes Lamentieren, vor allem in der Weise, wie es jetzt in der Herkuleskeule passiert ist, mag manchen als angemessen erscheinen. Ist es aber nicht. Dort greift einfach das Hausrecht. Wer das nicht versteht, dem dürfte schwer zu helfen sein.

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