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Regional Hellerauer Sternstunden – „Das Geometrische Ballett“ zum Festivalfinale
Nachrichten Kultur Regional Hellerauer Sternstunden – „Das Geometrische Ballett“ zum Festivalfinale
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12:47 23.09.2019
Grabritter und Mädchen aus „Geometrisches Ballett“ von Ursula Sax, mit Erik Brünner und Jule Oeft. Quelle: André Wirsig
Dresden

Da passte doch alles zusammen. Im Rahmen des Jubiläums 100 Jahre Bauhaus hatte man im Hellerauer Festspielhaus noch einmal die berühmte Bühne Adolphe Appias und des Lichtkünstlers Alexander von Salzmann rekonstruiert.

Adolphe Appia wollte eigentlich seine Idee eines Theaterraumes ohne Trennung der Bühne von den Zuschauern als einen Raum für optische, klangliche und bewegungsmäßige Gesamtkunstwerke für die Festspiele in Bayreuth entwickeln. Das klappte nicht. Er konnte seine Idee zum Glück aber 1912 in Hellerau, auf dem „Grünen Hügel der Moderne“ bei Dresden verwirklichen: Diese Architektur des umbauten Lichtes, dieser weiße Raum, mit den doppelten Wänden aus weißen Stoffbahnen, zwischen denen sich die 5000 Glühbirnen für die Lichtinstallationen Alexander von Salzmanns befinden. Ein Raum aus Licht, das sich verändert, ohne dass es eine eigens auszumachende Quelle dieses Lichtes zu geben scheint.

Und selbstverständlich gilt dieser Raum mit seiner Wirkung als eine der wesentlichen Anregungen für folgende Bauhausideen. In Hellerau fanden darin auch Aufführungen statt, etwa die der Szenen aus Glucks Oper „Orpheus und Eurydike“ mit choreographierten Bildern der Chöre, diese wiederum beeinflusst durch die Neuerungen des Tanzes aus der Rhythmischen Gymnastik von Émile Jaques-Dalcroze in Hellerau.

Anregungen für Schlemmer

Jetzt kehrte zum Bauhausjubiläum im Rahmen des Hellerauer Festivals der Tanz mit den Tanzskulpturen von Ursula Sax, unter dem Titel „Geometrisches Ballett – Hommage à Oskar Schlemmer“ an jenen Ort zurück, von dem einst erste Anregungen eben für jenes 1922 in Stuttgart uraufgeführte „Triadische Ballett“ ausgingen, dieser genialen Formspielerei mit den 19 skurrilen Figuren von Oskar Schlemmer. Er folgte nämlich den Ideen des königlichen, klassischen Solotanzpaares Elsa Hölzel und Albert Burger aus Stuttgart, die auf Wunsch des Generalmusikdirektors Max von Schillings 1912 einen fünfmonatigen Fortbildungsurlaub in der Rhythmischen Bildungsanstalt von Émile Jaques-Dalcroze in Hellerau verbrachten. Schon 1916 gab es dann erste Tänze mit den fantasiereichen Figuren von Oskar Schlemmer.

Und nun, an diesem Ort, in der Rekonstruktion des einmaligen Ambientes, wo so vieles begann, was bis heute das Ballett und den Tanz beflügelt, als Dresdner Uraufführung „Das Geometrische Ballett“ mit den Tanzskulpturen der 84-jährigen Künstlerin Ursula Sax, die an der Dresdner Hochschule für Bildende Künste lehrte. Erstmals wurden geometrische Figuren von Ursula Sax 1991 und 1992 in Berlin und Braunschweig von Studierenden bewegt. Jetzt in neuer Fassung, in diesem berühmten weißen Raum, in der Choreographie von Katja Erfurth, im Lichtdesign von Ted Meier und mit Live-Musik von und mit Sascha Mock in der Dramaturgie von Isolde Matkey als Produktion der Dresdner Agentur tristan Produktion in Kooperation mit Hellerau, dem Europäischen Zentrum der Künste.

Und diese Uraufführung gestaltete sich als eine Sternstunde in und vor allem für Hellerau und Dresden. Genau genommen waren es 75 Minuten, die wie im Fluge vergingen. Am Ende starke Berührung, Begeisterung des Publikums im total ausverkauften Saal des Festspielhauses.

Zu erleben gab es mit den Figuren von Ursula Sax – mit der Art, wie sie von den fünf Protagonisten bewegt wurden, wie sie die gespannt zusehenden Menschen bewegten, wie Figuren, Protagonisten und Publikum zueinander in Beziehungen traten – immer wieder diese Momente wunderbarer Zärtlichkeiten der Fantasien.

Generalprobe „Geometrisches Ballett“ von Ursula Sax, fotografiert auf der Appia Bühne im Festspielhaus Hellerau. Quelle: André Wirsig

Hier wurden die Horizonte der Fantasien werden weit geöffnet. Weiß ist eben nicht gleich weiß, zusammen mit Bewegungen, mit Licht und Klängen eröffnen sich, nun besonders in diesem Raum, ungeahnte Farbfacetten.

Die Formen von Ursula Sax sind ja in ihren geometrischen Ausgangspositionen auf verblüffende Weise veränderbar. Da sind diese „Körperpappen“, also auf- und einklappbare Elemente an den Körpern der Protagonisten.

Da sind die farbigen Luftkleider, die sich kraft des in ihnen gestauten Luftdruckes mit den Bewegungen der Tänzer verändern. Das kann ganz skurril sein, komisch, kurios, dann wieder übergehen in luftige Eleganz des Tanzes aus den Traditionen des Balletts.

Der Humor ist da: grandios die riesige, durch den Luftstrom bewegte Figur, diese Windfigur eines Walfischs der Fantasien, eine witzige Skulpturenwand kommunizierender Ärmel zu rhythmisch genialem, stimmakrobatischem Rap von Erik Brünner.

Manche Figuren führen in die Welten der Fantasien der Malerei: ein Kriegerpapst, ein Grabritter, ein Soldat, ein Kürbispanzer-Krieger mit Spitzhelm erinnern schon an Motive eines Hieronymus Bosch, ohne zu kopieren. So kommt nämlich immer wieder die Fantasie der so wunderbar konzentrierten, staunenden Zuschauer ins Spiel. Ihre Geometrien tanzen nämlich im Geiste mit, lösen sich auf und kommen wieder zusammen.

Klarheit statt Verklärung

Grandios ist das Licht von Ted Meier, das Spiel mit Licht und Schatten, den Raffinessen, wenn sich im Original die Geometrie einer Figur auflöst, im kunstvoll geleuchteten Schatten sich farbig aber wieder aufbaut und dann doch zerfällt.

Nicht zu vergessen, im sensiblen Zusammenspiel mit den Protagonisten, den Tänzerinnen Helena Fernandino und Jule Oeft, dem Schauspieler Erik Brünner, dem Rhythmiker Liang Zhu, und natürlich der tanzenden Choreographin Katja Erfurth, der Musiker Sascha Mock mit seinen im Fluss der Bewegungen zugespielten Sounds. Dazu sein Spiel der Instrumente des Schlagwerks, melancholischer Verzauberung der Klangschalen, mit der klingelnden Heiterkeit kleiner Schellen. Zitate von Henry Purcell, mit dem zugespielten Gesang von Annette Jahns setzten einen besonderen Akzent mit jazziger Kraft, tänzerischer Rhythmik, bei fröstelnder Abfolge der Töne dieses „Coldsongs“ in einem weißen Bild.

Und insgesamt bezieht dieses Geometrische Ballett seine Kraft aus der Konzentration durch die Feinheiten der Zwischentöne in den sensibel geführten Bewegungen der Menschen im Dialog mit den Materialien dieser Figuren und Formen. Ein Hellerauer Abend: lebendig in der Verbindung von Traditionen und Gegenwart. Keine Verklärung, dafür große Klarheit.

So ging ein angemessen inszeniertes Festival erfolgreich zu Ende, zu dessen Programm vor allem auch die von Gabriele Gorgas und Claire Kuschnig kuratierte Ausstellung „Raum der Visionäre – Appia, Dalcroze, von Salzmann“ gehörte, in der erstmals eine so große Auswahl originaler Briefe von Émile Jaques-Dalcroze in deutscher Übersetzung gehörte und eine Ausstellung über Ursula Sax von Semjon H.N. Semjon, der auch zu den Initiatoren von „Das Geometrische Ballett“ gehört.

Von Boris Gruhl

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