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Regional Heiki Ikkola soll neuer Geschäftsführer des Dresdner Societaetstheaters werden
Nachrichten Kultur Regional Heiki Ikkola soll neuer Geschäftsführer des Dresdner Societaetstheaters werden
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13:21 23.03.2019
Heiki Ikkola (li.) soll die Leitung des Societaetstheaters übernehmen. Damit tritt er in die Fußstapfen von Andreas Nattermann. ) Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Zweieinhalb Monate, länger hat das Prozedere nicht gedauert. Am 6. Januar war die Bewerbungsfrist abgelaufen, gestern nun stellte Dresdens Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Die Linke) den neuen Geschäftsführer des Societaetstheaters vor. Es ist ein Gewächs der freien Theaterszene dieser Stadt, das nun, mit der Übernahme des Hauses, sozusagen vom Nomadendasein ins Sesshafte wechselt: Heiki Ikkola.

Geplant ist eine ruhige Übergabe

Er hatte nach seinem Studium an der Berliner Schauspielschule „Ernst Busch“ schon Mitte der 1990-er Jahre seine erste freie Theatercompagnie gegründet. Von 1998 bis 2005 war er Puppenspieler und Regisseur am Theater Junge Generation, bevor es wieder in die Freiberuflichkeit zurückging. Aus der entsprangen Ideen wie der Scheune-Schaubuden-Sommer oder die Compagnie Freaks & Fremde, die Ikkola gemeinsam mit Sabine Köhler befeuerte und die 2015 mit dem Kunstpreis der Stadt bedacht wurde.

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Klar ist: Mit dem Wechsel an die Spitze des Societaetstheaters – die offiziell im Mai 2020 vollzogen werden soll – dürfte Ikkola fürs Theatermachen kaum noch Zeit bleiben, auch wenn er das gestern noch etwas zu beschwichtigen versuchte. Er wolle schon weiter Theater spielen, wenn auch sicher sehr beschränkt. „Wichtig ist aber erst einmal das Haus.“

Dort führt noch Andreas Nattermann die Geschäfte – seit 2006. Wenn er den Stab an Ikkola übergibt, wartet der Ruhestand. Für den hat Nattermann aber noch keine Pläne. Nur, dass er, der damals aus Mainz an die Elbe gekommen war, in Dresden bleiben werde.

Mit der Wahl der Findungskommission, die von 29 Bewerbern sieben zum Gespräch einlud, zeigt sich der Noch-Chef zufrieden, „nicht wissend, wer vorgesprochen hat“. Ikkola sei weltläufig und sprenge den Dresdner Rahmen, stelle Dinge in Frage. Kurz: „Ich halte es für eine glückliche Lösung.“ Bis Ikkola das Zepter übernimmt, wird er wohl mit seinem designierten Nachfolger eine Art gleitenden Übergang hinlegen. Eine „zeitweise Zusammenarbeit“ sei wünschenswert, sagte Nattermann. Es werde eine „ruhige Übergabe“ stattfinden, gab sich auch Klepsch überzeugt. Der Stadtrat muss der Personalie noch zustimmen.

Wie soll es bei Freaks & Fremde weitergehen, ohne Ikkola?

Für die Zukunft hat Ikkola – geboren 1969 in Schönebeck an der Elbe (damals Bezirk Magdeburg, heute Bundesland Sachsen-Anhalt) – jedenfalls schon mal einige Ideen gewälzt hat, in die er auch bereits erste Einblicke gab. Da das Societaetstheater über zwei Bühnen verfüge, wolle er die Spielweise en suite, also ein Stück über einen längeren Zeitraum zu spielen, mehr auskosten, sagte er. Was ihm außerdem noch vorschwebt, kann hier nur angerissen werden: Puppentheater (da kommt er ja her) für Erwachsene, zirzensisches Theater, eine Zusammenarbeit mit dem Europäischen Zentrum der Künste Hellerau, alle zwei Jahre eine Kammeroper, eine Kooperation mit dem Verlag Voland & Quist, ein Wiederaufleben des Philosophie-Festivals „Denkfiguren“.

Die bisherigen Festivals im Haus, Off Europa und szene: Europa, sieht Ikkola als „gewisse Dopplung“. Da will er inhaltlich stärker bündeln. Andererseits soll der Blick auch noch weiter schweifen, „über Europas Grenzen hinaus“.

Ikkola übernimmt jedenfalls ein bestelltes Haus – daran ließ er gestern auch keinen Zweifel. Das Societaetstheater, das jüngst erst seinen 20. Geburtstag gefeiert hatte (DNN berichteten) beschrieb er als „versteckt, aber mitten in der Stadt“. Im Haus würden Poesie und Anarchie aufeinandertreffen, ähnlich wie die Lage eine am Schnittpunkt von Neustadt und Altstadt sei.

Und wie soll es bei Freaks & Fremde weitergehen, ohne Ikkola? Dort soll personell umgebaut werden. Eine Gruppe von Leuten werde ihm im kommenden halben Jahr über die Schulter schauen und danach die Aufgaben übernehmen. Ikkola macht aber auch kein Hehl daraus, dass das nicht einfach wird. Er attestiert „seiner“ Compagnie, dass sie gerade sehr interessante Zeiten und Entwicklungen durchmacht. Dennoch wird er sie, mit Blick auf seine neuen Aufgaben, wohl mehr oder minder hinter sich lassen müssen.

„Das Theater soll seine Tentakel in die Stadt ausstrecken“, umriss Ikkola sein Credo. Was bleiben soll, ist das Societaetstheater als Basis für längerfristige Kooperationen mit freien Theatermachern – davon hatte nicht zuletzt auch Freaks & Fremde profitierten können. Dafür sei das Haus prädestiniert, sagte Ikkola.

www.societaetstheater.de

Von Torsten Klaus