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Regional Hackedepicciotto kommen am Freitag in die Scheune Dresden
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13:04 05.03.2020
Hackedepicciotto – das sind Alexander Hacke von Einstürzende Neubauten und die künstlerische Multitaskerin Danielle de Picciotto. Quelle: PR
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Dresden

Man übergießt sie keineswegs mit Unrecht, kommt die Rede bei Hackedepicciotto relativ schnell auf die Einstürzenden Neubauten, Berlin als Epizentrum avantgardistischer Kunst und Lebensleistungen. Danielle de Picciotto und ihr Ehemann und Kreativpartner Alexander Hacke, beide stramm in Richtung gesetzten Alters marschierend, haben gravierende Spuren im bundesdeutschen Kulturleben hinterlassen, Spuren, die sich immer wieder in reifen „Mannschaftsleistungen“ finden, Kollaborationen essenzieller Natur. Wenn sie als Duo unterwegs sind, diesmal mit vierter eigener CD, zentrieren sich alle Elementarteilchen auf eine gute Stunde guter Musik.

We Are Gypsies Now

Also, der Reihe nach: „The Current“ ist im Vorjahr erschienen und bringt elf neue Stücke, die auf Reisen und Residenzen fußen, die Hacke und de Picciotto in den vergangenen zehn Jahren unternommen und bezogen haben. 2010 war das Jahr, als sie Berlin verließen, ihr Haus verkauften, den Hausrat (bis auf eine sehr geschätzte Couch, Instrumente, Gemälde & Kunst).

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Es trieb sie auch ein wenig Unmut, der beide in der Hauptstadt beschlichen hatte. Dort, wohin die US-Amerikanerin 1987 gezogen war. Dort, wo Alexander Hacke 1965 geboren wurde. Beide sprachen von einer „gewissen Müdigkeit“, gar von „Entfremdung“ in einer Stadt, wo die Gentrifizierung sehr eigene Haken schlägt. Danielle de Picciotto: „Ich hatte das Gefühl, das alles hat nicht mehr so viel mit dem zu tun, was ich mal an Berlin gemocht habe.“

Sie wurden Veganer, Antialkoholiker und Nomaden, flogen und fuhren durch die Welt, bekamen künstlerische Aufträge oder wohnten schlichtweg bei Freunden und pflegten Austausch. Die 2018 erschienene CD „Menetekel“ war erstes Ergebnis einer für sie neu interpretierten Art und Weise, den Folk-Begriff zu sprengen. Begonnen hatte es mit einer Graphic Novel, die de Picciotto fünf Jahre zuvor schon erschuf und treffenderweise „We Are Gypsies Now“ benannte. Die Aufnahmen für „Menetekel“ entstanden dann unter anderem in der Mojave-Wüste und in einer österreichischen Kirche, die Texte des weiblichen Duoteils wohl auf der Straße.

Für „The Current“ ging es ins britische Blackpool, aber eben auch wieder zurück nach Berlin. In einem Haus voller Ateliers haben sie ein Studio und Arbeitsräume angemietet. Hacke: „Die Art und Weise, wie in Berlin gerade diskutiert und gedacht wird, ist eine andere als beinahe überall woanders auf der Welt. Und vielleicht kommt es aktuell gar nicht darauf an, dass es hier kunstmäßig total abgeht. Vielleicht braucht die Welt gerade etwas anderes.“ Neue Nähe zu einer Stadt.

Platz ist hier selbst für Heine und seine in Würde ergraute „Loreley

Indes, was an der neuen Platte auffällt, sind die faszinierenden rhythmischen Strukturen, die Hackedepicciotto entwerfen, konstruieren und bauen. Der latente Doom in ihrem Sound ist geblieben, die Wucht und das elementar Feine auch. Doch nicht allein „Third From The Sun“ klingt kompakt wie ein Vollband-Song mit seinen imaginären, sehr gespenstigen Fanfaren. Auch anderes Material ist fulminant in der schleifenden Mischung aus Violine, Autoharp, Hurdy Gurdy, de Picciottos Spoken Words und Hackes Obertongesang, Electronics, Kirchenglocken, bösen Bässen und addierten Drums.

Platz ist hier selbst für Heine und seine in Würde ergraute „Loreley“, zentral aber ist das Lied „The Seventh Day“, das im Netz von einem brillanten Video begleitet wird und textlich dann doch so etwas wie ein Motto vorgibt: „Ich bin ein Tropfen, lass mich ein Fluss sein. Ich bin ein Fluss, lass mich ein Ozean sein.“ Variiert werden diese Zeilen auf sechseinhalb Minuten dann mit Samen, Blüte, Baum sowie Stein, Berg, Planet. Spannende Platte, das in jedem Falle!

Hackedepicciotto kommen zu zweit in die Scheune, dorthin also, wo sie 2014 schon mit ihrer temporären Band Ministry Of Wolves aufgetreten sind, die aus einer Theaterproduktion heraus entstand und neben Hacke und de Picciotto noch Paul Wallfisch von Botanica und Mick Harvey von den Bad Seeds in der Besetzung hat(te). Ein spannender Abend war auch das – mit, wie die DNN zu schreiben wusste, „psychedelischem Rock’n’Roll, feingliedrigen Balladen, ätherischen Folksequenzen, kammerklassischen Momenten, dunklen Chören, lichten Solostimmen, Pop-Walzern und Metal-Riffs.“

Hackedepicciotto können auch anders: Für die Serie „Ein Fall für Dr. Abel“, immerhin auf Sat 1 gelaufen, schrieben sie den Soundtrack, ebenso für den Stummfilm „Crossroads“ oder die italienische Flüchtlingsdoku „Luventa“. Als Porträt über sie selbst drehte Regisseurin Margarete Kreuzer 2018 den Film „Traumfänger“.

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Und die Einstürzende Neubauten, bei denen Alexander Hacke seit 1980 den Bass spielt? Haben im vergangenen Herbst für 2020 eine neue CD angekündigt. „Year Of The Rat“ wird sie heißen, ab 19. April beginnt die Welttour mit Terminen bis hinein in den Oktober. Dresden fehlt diesmal. Auch deshalb empfiehlt sich der „kleine“ Freitag dieser Woche…

Konzert: Freitag, 20 Uhr, Scheune

Von Andreas Körner

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