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Regional Gute Nachrichten aus Beirut – Postcards am Dienstag im Societaetstheater Dresden
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11:10 03.03.2020
Die libanesisch Dreier-Kombo Postcards.  Quelle: Rachel Tabet
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Dresden

Der Libanon gleicht derzeit einem dampfenden Kessel – darin ein brodelndes Gemisch aus Wut und Gewalt. Straßenproteste gehören beinahe zur Tagesordnung, auch in der Hauptstadt Beirut. Umso wohltuender, dass mit dem libanesischen Trio Postcards ein wenig musikalische Unbeschwertheit aus dem krisengebeutelten Fleck Erde zu uns herüberschwappt. Ihren Dreampop-Sound präsentieren die Beiruter zum Dienstagskonzert im Societaetstheater.

Postcards – das sind Julia Sabra am Mikro, Marwan Tohme an der Gitarre und Pascal Semerdjian am Schlagzeug. Gefunden haben sich die drei Beiruter im Jahr 2012. Seitdem entstanden drei EPs und zwei Alben. Mit ihrem neuesten Werk „The Good Soldier“ zeigen Postcards, dass sie eine musikalische Reise hinter sich haben – weg vom Folksound ihrer Anfangszeit, hin zu den sphärischen Klängen des Dreampops. Dabei wechseln sich Melancholie und Leichtigkeit songweise ab. Während das Eröffnungsstück „Dead End“ mit seinen langgezogenen, krachenden Gitarrenklängen eher mystisch und düster daherkommt, versprühen Songs wie „Spidersweb“ und „Freediving“ mit ihren flotten und tanzbaren Rhythmen verträumte Sorglosigkeit.

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Dazwischen liegen Songs, die beweisen: Es lohnt, sich Zeit zu lassen. „Little Lies“ klingt beinahe wie in Slowmotion aufgenommen, auch „The Good Soldier“ und „Last Resort“ versprühen eine musikalische Entschleunigung, die am besten bei geschlossenen Augen zu genießen ist, sodass der Hörsinn alles voll und ganz aufsaugen kann.

Postcards spielen mit Abwechslung und Kontrasten, ganz ähnlich wie auf ihrem Albumcover: ein Raum, durch den Lichteinfall getrennt in Dunkel- und Helligkeit, umrahmt im pastelligen Rosaton. Die musikalische Umrahmung bildet bei Postcards ohne Zweifel Sängerin Julia Sabra, deren Stimme in manchen Momenten so fragil klingt, als könne sie gleich wegbrechen. Doch das tut sie nicht. Stattdessen singt Sabra ihre Texte mit einer unglaublichen Unangestrengtheit.

Sie singt vom Klang der Schritte auf lockeren Fliesen, vom Dunkel der Nacht, von den kleinen Lügen der Zeit und der Welt, die wie Wasser durch den Kopf fließt. Der Zustand zwischen Kindheit und Erwachsensein, die Nächte, in denen man nicht schlafen kann, ein Sommer, der im Herbst verweilt und ein Wassertropfen, der den Ozean ausmacht – Sabra singt von Zwischenräumen und Übergängen. Dabei bleibt sie häufig skizzenhaft, was dem Hörer Raum für seine eigene Interpretation lässt. Sodass jeder sein ganz eigenes Postkartenmotiv entstehen lassen kann.

Societaetstheater, heute, 20 Uhr, Karten ab 13,20 Euro

Von Laura Catoni

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