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Regional Spektakuläre Kunstdiebstähle in Ostdeutschland
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15:40 25.11.2019
In den vergangenen Jahren erregten immer wieder spektakuläre Kunstdiebstahl-Fälle die Aufmerksamkeit – wie zum Beispiel der Diebstahl der „Big Maple Leaf“ in Berlin 2017. Quelle: Marcel Mettelsiefen/dpa
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Leipzig

Nach dem Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden laufen die Ermittlungen der Polizei auf Hochtouren. In den vergangenen Jahren kam es in Ostdeutschland immer wieder zu spektakulären Kriminalfällen mit Kunstgegenständen.

Einbruch ins Georgium Dessau

Im Februar 1990 brechen zwei Männer in das Dessauer Schloss Georgium ein. Ein Wachpolizist bemerkt auf seiner Streife eine eingeschlagene Fensterscheibe sowie einige abgestellte Bilder. Er alarmiert sofort seine Kollegen, die eine Viertelstunde später mit zwei Streifen am Schloss antreffen. Nach einer Verfolgungsjagd können sie die zwei Männer aus Mainz und West-Berlin schnappen. Unter den Bildern, die bereits aus ihrem Rahmen genommen worden waren, befindet sich unter anderem die originale „Kreuzigung Christi“ von Lucas Cranach dem Älteren. Der Wert der Stücke wird später von einem Gutachter auf 3,4 Millionen D-Mark geschätzt.

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Während die beiden Täter in Untersuchungshaft sitzen, erhält der Fall eine besondere Brisanz: bei den Diebstählen soll es sich um Aufträge aus Westdeutschland handeln, so behauptet es einer der Angeklagten. Das Gericht glaubt diese Schilderungen nicht und verurteilt die beiden zu Haftstrafen von sieben und acht Jahren.

Nach drei Wochen waren die Gemälde wieder in Weimar. Die Diebe konnte die Polizei bei einer Geldübergabe in Göttingen festnehmen. Quelle: Candy Welz/dpa

Kunstraub und Ringfahndung in Weimar

Herbst 1992 in Weimar. Kurz nach der Wiedervereinigung zeigt das Weimarer Stadtschloss wertvolle Kulturgüter der deutschen Kunstgeschichte. Darunter auch ein Jahrhunderte altes Porträt Martin Luthers sowie der Prinzessin Sibylle von Cleve des Malers Lucas Cranach dem Älteren. Der Wachmann glaubt zuerst an einen Fehlalarm und patrouilliert schließlich noch an der falschen Stelle im Schloss. Die Diebe schaffen es so mit einigem Zeitvorsprung die bedeutenden Werke Cranachs zu stehlen. Deren Wert beläuft sich auf rund 63 Millionen D-Mark. Außerdem äußerst pikant: die Gemälde waren nicht versichert, weil eine entsprechende Police für das Museum zu teuer ist.

Die Polizei Weimar leitet umgehend eine Ringfahndung ein und kontrolliert jeden Autofahrer, der die Stadt verlassen will. Kurz darauf wird eine zwanzigköpfige Soko eingerichtet, die deutschlandweit fahndet. Nach Hinweisen aus der Bevölkerung führt die Polizei die Spur auf eine Bande aus Niedersachsen. Bei einer vorbereiteten Geldübergabe auf einem Supermarktplatz in Göttingen gelingt es schließlich den Ermittlern die Täter mitsamt ihrer Beute zu schnappen. Nach drei Wochen kommen die Bilder wieder zurück ins Stadtschloss. Die Täter werden im darauffolgenden Jahr zu kurzen Haft- und Bewährungsstrafen verurteilt.

Ein Relikt von unschätzbarem Wert: Himmelscheibe von Nebra wanderte einige Jahre lang durch verschiedene Hände. Heute liegt sie im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle. Quelle: Sebastian Willnow/dpa

Die Himmelsscheibe von Nebra und ihre lange Odyssee

Im Sommer 1999 gehen zwei Schatzsucher im Wald bei Nebra mit Metalldetektoren auf die Jagd. Plötzlich schlagen ihre Geräte an. Dabei graben sie eine 30 Zentimeter große Kupferscheibe mit Himmelszeichen aus dem Waldboden. Anstatt sich an ein Museum zu wenden, verkaufen die beiden ihr Fundstück für 31.000 D-Mark an einen Händler in Köln. Danach landet sie bei Hehlern im Raum Düsseldorf. Mittlerweile erregt das zirka 4.000 Jahre alte Stück unter Kennern Aufmerksamkeit. Im Jahr 2002 reist der Landesarchäologe von Sachsen-Anhalt als vermeintlicher Käufer in die Schweiz, um sich mit den Hehlern zu treffen. Sein Angebot liegt bei 700.000 Mark Bei der Übergabe ist auch die Polizei mit vor Ort, die die Hehler schließlich festnimmt.

Ein Jahr später werden die Raubgräber sowie die Hehler zu mehrjährigen Bewährungsstrafen verurteilt. Der Wert der Himmelscheibe wird heute auf 100 Millionen Euro geschätzt.

So sah die 100 Kilogramm schwere Goldmünze „Big Maple Leaf“ vor dem Diebstahl aus. Wahrscheinlich wurde sie bereits zerstückelt und die Einzelteile verkauft. Quelle: Marcel Mettelsiefen/dpa

Der dreiste Raub der Goldmünze Maple Leaf in Berlin

Mit ganz schlichtem Werkzeug schafft ein Trio vor zwei Jahren den großen Coup. Über einen Bahndamm nahe der Haltestelle Hackescher Markt gelangen die Diebe durch ein Fenster in den zweiten Stock des Bode-Museums. Dort steht die Goldmünze „Big Maple Leaf“ in einer Vitrine. Sie ist so groß wie ein Autoreifen, 100 Kilogramm schwer und 3,75 Millionen Euro teuer. Mit einer Axt schlagen die Diebe die Vitrine ein und werfen die Münze aus dem Fenster. Mit einer Schubkarre legen sie die letzten Meter zum Fluchtwagen zurück.

Die Münze wurde bis heute nicht gefunden. Vermutlich wurde sie nach dem Diebstahl zerkleinert und die Stücke anschließend verkauft. Nach intensiven Ermittlungen stehen aktuell die drei mutmaßlichen Täter sowie ein Mitarbeiter des Museums – er soll den Angeklagten Tipps für den Einbruch gegeben haben – vor Gericht. Der Fall erregte nicht nur wegen seiner Durchführung Aufmerksamkeit. Die drei Angeklagten gehören außerdem zu einer arabischen Großfamilie, die in Berlin bereits in der Vergangenheit mit Raubüberfällen und Verbindungen zur organisierten Kriminalität Schlagzeilen machte.

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