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Regional Galerie Raskolnikow in Dresden zeigt Fotografien von sechs iranischen Künstlern
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09:54 15.11.2019
Newsha Tavakolian: Look, 2009 (verschoben) Quelle: Forum für zeitgenössische Fotografie
Dresden

In Kooperation mit dem Fotohof Salzburg und der Galerie Raskolnikow richtet das Forum für zeitgenössische Fotografie Dresden eine Ausstellung mit Fotografie von iranischen Künstlern im Kunsthaus Raskolnikow aus.

Der iranische Kurator Mohatar Amiri wählte mit Kurt Kaindl (Fotohof Salzburg) sechs fotografische Positionen aus, in denen sich Leben und Alltag im Iran facettenreich brechen. Wichtig war dabei die besondere Beziehung zwischen ihnen, unabhängig von jeder Einzelarbeit. Von den iranischen Fotografen leben bereits fünf im Ausland. Die totalitäre Regierung, deren Zensur und Unterdrückung zwangen viele iranische Künstler, „sich entweder in einer gewissen Einsamkeit auf ihr eigenes Werk zurückzuziehen oder ihre Kunst nach den vorgegebenen Moralvorstellungen zu überarbeiten“ (M. A.).

Behnam Sadiqi: 6 Quelle: Forum für zeitgenössische Fotografie

Wichtig war dem Kurator auch, wie Mensch und Raum miteinander agieren und dadurch ein Bild vom modernen Iran und seiner Kultur herübergebracht wird. Alltag, städtischer und ländlicher Raum, Natur und Erholungsparks, Reklame und Propaganda in den Medien werden in den Fokus genommen, wobei die krititsche Beobachtung sozialer, psychologischer, religiöser und kultureller Aspekte eine besondere Rolle spielt. Das Fotografieren in der Öffentlichkeit ist nicht erlaubt. So dringen wenige Informationen nach draußen. Trotz aller Repressalien gibt es im Iran eine lebendige Fotoszene, die sich 2017 bei den Rencontres in Arles präsentierte. Die jetzt in Dresden gezeigten Arbeiten stammen zum Teil aus einer Ausstellung im Fotohof Salzburg.

Fotografen vermeiden Bilder mit politischem Inhalt

Die islamische Republik Iran wurde 1979 als „Gottestaat“ gegründet und versteht sich als streng religiös verfasster Staat. Die religiösen Oberhäupter regieren das Land nach der Scharia, der islamischen Gesetzgebung, die orthodoxen Vorschriften folgt. Die sechs iranischen Fotografen und Fotografinnen haben sich auf ihren persönlichen Lebensraum konzentriert und vermeiden Bilder mit politischem Inhalt. Sie geben mit dieser Ausstellung Einblicke in ihre Lebenswirklichkeit, die ansonsten schwer zugänglich ist. Dennoch wird in ihren Arbeiten eines deutlich: Das Leben im Iran ist aus dem Gleichgewicht geraten. Hoffnungslosigkeit und Lethargie machen sich breit. Gerade die Jugend versucht, ihrem Leben einen neuen Sinn zu geben, indem sie sich trifft und in der Natur miteinander kommuniziert.

Navid Reza Haghighi: Park, 2011-2013 Quelle: Forum für zeitgenössische Fotografie

Newsha Tavakolian beschreibt die Menschen ihres Lebensumfeldes in der Großstadt: Seit zehn Jahren fotografiert und erzählt sie von der jungen Gesellschaftsschicht zwischen Angepasstheit, Isolation, Zukunftsängsten und heimlichen Träumen. Über einen Zeitraum von sechs Monaten beobachtete sie ab 20 Uhr die Nacht und das Treiben in der Stadt hinter den von ihr im Rahmen des Fensters positionierten jungen Menschen, die ihr als Modelle für eine Porträtserie dienten.

Abgeschiedenheit machte die Misere deutlich

Navid Reza Haghighi macht mit seinen Fotos die Verwurzelung der Iraner in der Natur deutlich, die bis tief in die Vergangenheit reicht. Auch die Vorliebe für Gärten und Parks. In einem Langzeitprojekt fotografierte er den größten und ältesten, reformierten Park des Landes, den „Mellat-Park“. Nach dem Tod des Vaters hat der Fotograf viele Stunden darin verbracht und begann, den „Geist“ dieses Parkes zu verstehen. Er begriff auch die Bedeutung des Ortes für die dort sich erholenden Menschen.

Behnam Sadiqi thematisiert mit seinem Dokumentationsprojekt eine Gruppe iranischer Jugendlicher, die einige Tage in freier Natur verbrachten. Es erwies sich für sie als ein Irrtum, dass ihr Leben in der Natur sie in die innere Ruhe führe; die Abgeschiedenheit machte die Misere deutlich, in der sie sich befanden. Die Fotografien zeichnen Langeweile und Entmündigung auf, die sie nicht mehr abschütteln konnten.

Laurence Rasti: There are no Homosexuals in Iran, 2014-2016 Quelle: Forum für zeitgenössische Fotografie

Laurence Rasti widmet sich in seinen Fotografien der Homosexualität im Iran, die dort strafrechtlich verfolgt wird (mit der Todestrafe). Junge Männer als Paar mit Blumen, aber auch verhüllt in einen gemeinsamen Schleier, treten in einer Serie von Fotos auf. In seinen Bildern versucht er, den Betroffenen ihr Gesicht zurückzugeben, das ihnen ihr Land zur Zeit genommen hat.

Stress und Furcht vor den Folgen einer polarisierten Gesellschaft

In den Gesichtern, die Bahram Shabani in seinen „Abend-Porträts“ beschreibt, spiegeln sich Stress und Furcht vor den Folgen einer polarisierten Gesellschaft, immer unsicher werdenden Lebensumständen, in die Moderne und Anonymität Einzug halten. Die Bewohner der Großstadt versuchen mit einem Leben Schritt zu halten, das zunehmend aus dem Gleichgewicht gerät.

Hannah Darabis Foto-Installation besteht aus drei Teilen, in denen das urbane Leben von Teheran erzählt wird. Brüche und Unwirklichkeiten in der Architektur, dem Stadtbild und seinen Menschen klingen an, aber auch das Alltagsleben der Stadt. Das Motiv „wallpaper“ zeigt das Facebook-Coverfoto des iranischen Verkehrsministers.

Bis 22. November. Kunsthaus Raskolnikow, Böhmische Straße 34, 01099 Dresden, Tel. 0351/804 57 08, Mi-Fr 15-18 Uhr, Sa 11-14 Uhr, www.galerie-raskolnikow.de

Fotografischer Salon mit Podiumsdiskussion am 21. November, 19.30 Uhr

Von Heinz Weißflog

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