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Regional Galerie Adlergasse widmet Christiane Just eine Gedenkausstellung
Nachrichten Kultur Regional Galerie Adlergasse widmet Christiane Just eine Gedenkausstellung
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19:00 28.10.2019
Christiane Just: „Der Weg ins Offene“, Öl, 2011. Quelle: repro: Heinz Weißflog
Dresden

Kürzlich jährte sich der Todestag der Dresdner Malerin, Grafikerin und Buchkünstlerin Christiane Just (1960-2011) zum achten Mal. Seit ihrem Tod wurden bereits fünf Gedenkausstellungen in verschiedenen Dresdner Galerien ausgerichtet.

Die Galerie Adlergasse, die sie im April 1990 als eine der ersten von einem Verein geführten Dresdner Galerien mitbegründete, widmet ihr eine Ausstellung, die sie als bedeutende Malerin zeigt. 20 Leinwandbilder demonstrieren die unterschiedlichen Phasen ihrer künstlerischen Entwicklung bis zum abstrakten, fast surrealen Bild. Ihr erstes und auch ihr letztes Selbstbildnis verraten die schöpferische Spannung, in der sie seit ihrer frühesten Jugend und während ihres Studiums an der HfBK Dresden (bei Prof. Günter Horlbeck) bis zu ihrem Tode lebte und arbeitete: Einmal als junge Frau (1980) in violettbraunem Kleid mit einer blühenden Rose, fragend und nachdenklich, während ihr Selbstbildnis von 2011 sie selbst als Teil einer fragwürdigen Welt darstellt, die am Abgrund steht. Mit ihrer Krankheit begriff sie sich nicht allein und so reflektierte sie auch nicht über sie, sondern schöpfte Widerstandsfähigkeit und Lebensmut aus ihr, die ihr letztes Lebensjahr zum fruchtbarsten machte.

Zwischen heftiger Bewegtheit und Innehalten im Moment

Christiane Just ist Künstlerin von Beginn an. Ihr großes Talent hat sie sich durch die Mühen der Jahre vervollkommnet. Dabei war sie auf verschiedenen künstlerischen Gebieten tätig, malte und zeichnete, schuf Skulpturen in Holz und Stein, druckte und gestaltete Bücher in der gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Andreas Hegewald im Jahr 2004 gegründeten Edition BUCHENpresse zu Werken bedeutender Dichter der Gegenwart wie Herta Müller, Wolfgang Hilbig, Ulrich Zieger u.a. Sie hatten sich während ihres Studiums an der Kunsthochschule kennengelernt und sie verband eine 35-jährige intensive Lebens- und Arbeitsbeziehung. Noch in ihrem Todesjahr unternahm sie mit Andreas Hegewald mehrere große Reisen, eine davon nach Toronto und Cleveland mit einem Trip rund um den Eriesee. Mit ihrer Schwester wanderte sie von Porto bis Santiago de Compostela auf dem Jacobsweg. Später sind drei zusammengehörende, breitformatige Ölbilder entstanden (Jacobsweg I-III, 2011). Es ist ein Wesenszug der späten Malerei von Christiane Just, in der sie Figürliches mit freien Formen (Oval und Lanzett) zusammenbringt, die oft in heftiger Bewegtheit wie im Moment innezuhalten scheinen.

Traum und Vorhersehung

Neben den Versen von Dante Alighieri, zu denen im Jahr 1998 neben einem originalgrafischen Buch zur „Vita Nuova“ auch eine Serie von 20 Mischtechniken zur „Göttlichen Komödie“ entstanden, liebte Christiane Just Mythen, zum Beispiel von Tieren, in denen die archaische Urkraft verdichtet ist und der Schmerz, der Natur ausgesetzt zu sein. Dabei betrachtete sie das Tier nicht als Kreatur, sondern als Individuum, das eine eigene Seele besitzt. Dieser im Bilde dargestellte Animismus beherrschte ihre Vorstellung stark, besonders in den drei magischen Leinwandbildern von 1993, die in der Ausstellung als Komplex zu sehen und zu verstehen sind: „Dämon“, Schwarzer Engel“ und „Grüne Frau“ berühren das Geheimnis von Traum und Vorsehung, dunkel und gespenstisch. Sie drücken die innersten Beweggründe der Künstlerin aus, einer Seele, die zwischen Licht und Finsternis geworfen war und um Ausdruck rang.

Eines der Schlüsselwerke der Ausstellung ist das 2011 gemalte Ölbild „Madonna mit Katze“. Dort offenbart sich ein Hauch von Orient, in dem Christiane Just spielerisch die Welt der Märchen und der Geschichten betritt: Über dem Haupt der Madonna züngelt eine Flamme, das ganze Bild erscheint ornamental. Ein Knabe wirkt wie ein kleiner Kasper, der Körper der Frau ist blutig-offen und von Krankheit gezeichnet.

Im Vestibül haben die Aussteller eine Ende der 80er Jahre von Christine Starke aufgenommene Fotografie von Christiane Just platziert. Es zeigt sie als Perkussionistin mit Maultrommel der 1983 in Leipzig gegründeten Rennbahnband in den Räumen des Neustädter Cafés Mocca-Perle kurz vor der geplanten Sprengung. Damals spielten die bis zu 14 Musiker ohne Publikum drei Tage zu der Installation „Raumbau“ von Jörg Sonntag.

Dieses Foto ist Teil einer Serie, die das Geschehen reflektiert und gleichzeitig eine Würdigung der Künstlerin neben ihrem frühen Selbstbildnis in der Gedenkausstellung darstellt.

bis 1. November, Galerie Adlergasse, Wachsbleichstraße 4, geöffnet Mo-Fr 10-13 und 16-20 Uhr, Kontakt: Tel. 0351/866 02 11

www.riesa-efau.de

Von Heinz Weißflog

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