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Regional Fortsetzung folgte – Fotoausstellung von Jürgen Matschie zeigt Künstler der Oberlausitz
Nachrichten Kultur Regional Fortsetzung folgte – Fotoausstellung von Jürgen Matschie zeigt Künstler der Oberlausitz
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18:30 28.10.2019
Jürgen Matschie: Marten Kirbach, aus „Künstler der Oberlausitz 2".
Pulsnitz

Die aktuelle Pulsnitzer Ausstellung ist in großem Umfang Jürgen Matschie (geb. 1953) zu verdanken. Über etwa zwei Jahrzehnte hat der in Bautzen ansässige Fotografiker ein grandioses Projekt verfolgt: „Künstler der Oberlausitz“ in Porträt und Biografie zwischen zwei Buchdeckeln zu verankern. Dies hat vorher noch niemand getan. 2009 war Band 1 mit gut 90 Porträts vorgestellt worden. In der Folge ergaben sich für Matschie aber Fragen. Denn als der Band erschien, waren einige der Fotografierten bereits nicht mehr am Leben, so dass grundsätzlich die Frage nach verstorbenen Künstlern, die im 20. Jahrhundert das Kunstgeschehen in diesem Raum mit prägten, entstand. Und es zeigte sich ebenso, dass es wohl noch mehr tätige Künstler mit Bezug zur Oberlausitz gab.

So ergab sich eine zweite „Runde“, in der der Fotograf noch einmal 70 Künstler aufsuchte, so dass Band 1 und 2 zusammen 167 bildende Künstler in Porträt und Biografie enthalten. Aufgenommen sind jene, die die Grundlage für ihr Arbeiten überwiegend an einer Kunsthochschule erwarben und/oder einem Berufsverband angehören. Darüber hinaus – gewissermaßen, um das 20. Jahrhundert „rund“ zu machen – betrieb Jürgen Matschie umfangreiches Quellenstudium und erarbeitete für Band 2 einen ansehnlichen zweiten Teil mit weit über hundert Biografien von Kunstschaffenden, die oft noch im 19. Jahrhundert geboren wurden und deren Werk in einer Zeit voller Brüche und Umbrüche, einschließlich zweier Weltkriege entstand. Hinzuzufügen ist, dass die Ältesten der nun Fotografierten ebenfalls noch vom Zweiten Weltkrieg betroffen waren.

"Künstler der Oberlausitz 2" von Jürgen Matschie Quelle: Cover

Summiert man alle erfassten Künstler, so liegt ein Nachschlagwerk mit 300 Biografien vor, die die Möglichkeit eröffnen, bei Bedarf weiter zu forschen. Sicher ist auch damit keine Lückenlosigkeit erreicht (unter anderen waren die Berühmtesten, die einen Bezug zur Oberlausitz haben – Baselitz und Gerhard Richter – nicht zu fassen). Gleichwohl ist dieses dokumentarische Werk nicht hoch genug zu schätzen, geht es doch gerade auch um die Würdigung in der Breite.

Intensiver Kontakt zum Porträtierten

Die in der Ostsächsischen Kunsthalle gezeigten 70 Schwarz-Weiß-Fotoporträts entstanden mit der Großformattechnik, auf analoge Weise. Durch das Festhalten am Schwarz-Weiß scheint auch der Betrachter auf das Wesentliche gelenkt. „Verschönerung“ durch Farbe unterbleibt. Der Betrachter ist unabgelenkt, und die Persönlichkeit des Künstlers tritt andererseits auf diese Weise besonders hervor. Das mag auch mit dadurch bedingt sein, dass Jürgen Matschie wegen seiner Technik, die einige Einrichtungszeit braucht, Zeit gewinnt für einen intensiven Kontakt zum Porträtierten. Gewissermaßen treffen sich zwei Kunstschaffende, die bestenfalls einander verstehen. So entstehen Momente großer Offenheit, die wiederum – im Porträt festgehalten – den Künstlermenschen in seiner Eigenheit erscheinen lassen. Das umgebende Interieur oder Atelier, die Kunstwerke und Bücher, der Platz, wo etwa der Bildhauer arbeitet – also das jeweilige Umfeld – ergänzen das Bild der Persönlichkeit, runden es ab. Meist erhält der Betrachter sogar noch einen kleinen Eindruck von der Kunst des Porträtierten.

Die Oberlausitz als Episode

Die Pulsnitzer Ausstellung wird zudem von einem kleinen Ausschnitt aus dem Schaffen von zehn Künstlern, die 2019 Jubiläen hatten oder ein besonders hohes Alter erreicht haben, bereichert. Die meisten stammen aus der Oberlausitz/Lausitz oder Schlesien. Die meisten verließen in jungen Jahren ihre Heimat Richtung Dresden; viele blieben da, manche kehrten früher oder später zurück, und manchmal war die Oberlausitz auch nur eine Episode, die aus familiärer Verwurzelung entstand.

Klaus Heller (geb. 1949 in Nießky), der heute in Kleindehsa, einem Ortsteil von Lawalde, lebt, zeigt kleine figurative Bronzen, die typische Bildhauerthemen verkörpern. Zu den Bildhauern bzw. Plastikern, denen man begegnet, gehören auch Johannes Peschel (geb. 1931 in Kamenz), der kürzlich verstorbene Werner Rauschhardt (geb. 1949 in der Rhön) sowie Helmut Schwager (geb. 1922 in Breslau). Alle drei hat es nach mehr oder weniger langen Umwegen nach Dresden geführt, zunächst an die Hochschule für Bildende Künste (HfBK), der sie teils in verschiedenen Lehrfunktionen treu blieben. An den Arbeiten spürt man die sich am klassischen Menschenbild orientierende Dresdner Schule. Beispiele sind Peschels „Stehende“, Schwagers „Torso“ oder Rauschhardts schöne „Liegende“ aus Marmor.

Breites künstlerisches Spektrum

Durchaus interessant ist das Spektrum der Maler und Grafiker, die in der Mehrheit ebenfalls einen wesentlichen Schritt auf ihrem Weg an der HfBK absolvierten, wo die Liste jener, bei denen sie studierten, von Lachnit über Fraaß bis Kerbach reicht. Gleich nebeneinander findet man zwei stark abstrahierende Positionen: die des 91-jährigen Ernst Günther Neumann (geb. 1928 in Hörnitz) sowie des 40-jahrigen, gebürtigen Görlitzers Marten Kirbach. Bei beiden sind neben verschiedenen Aspekten kubistische Anregungen zu spüren. Zu nennen wäre auch Manfred Schubert (geb. 1929 in Bautzen) mit landschaftlich orientierten Bildern von teils gezügelter Expressivität.

Beteiligt ist ebenfalls Carla Weckesser (geb.1949 in Jonsdorf) mit farbigen Radierungen und Monotypien, die ein feines Farbgefühl und technische Expertise verraten. Ansgar Skiba (1959), dessen Familie 1982 in die Bundesrepublik ausreiste, und der unter anderen bei Gotthardt Graubner studierte, beeindruckt mit Silberstiftzeichnungen. Abschließend sei auf die farbigen Landschaftszeichnungen von Inge Wehle verwiesen (1933 Sohland), die auch – gemeinsam mit ihrem Mann – mit baugebundenen Arbeiten bekannt wurde.

bis 3. November, Pulsnitz, geöffnet Do, Fr, So 14 bis 17 Uhr

Jürgen Matschie: „Künstler der Oberlausitz 2“, Hrsg. Ernst Rietschel Kulturring e.V., Pulsnitz, 19 Euro (während der Ausstellung werden beide Band 1+2 zusammen für 27 Euro verkauft)

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