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Regional Feuriger Mendelssohn beim ersten Aufführungsabend der Staatskapelle
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12:15 07.11.2019
Thomas Guggeis und Jonathan Nuß (Posaune) im Aufführungsabend. Quelle: Matthias Creutziger
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Dresden

Nach ihrer Rückkehr von der Europa-Gastspielreise mit Mozart begann die Sächsische Staatskapelle Dresden die Reihe der Aufführungsabende in der Semperoper, mit jenem, den viele für den Mozart des 19. Jahrhunderts halten: Felix Mendelssohn Bartholdy. Dafür hatten das Orchester und der Tonkünstler-Verein Thomas Guggeis, den jungen Kapellmeister der Staatsoper Stuttgart, eingeladen. Gerahmt von den Werken Mendelssohns, erklang dabei auch das Posaunenkonzert op. 114 von Derek Bourgeois.

Ein Crooner auf der Posaune

Bourgeois war Komponist und Arrangeur, der für klassische Sinfonieorchester ebenso geschrieben hat wie für Bläsersinfoniker. Sein Posaunenkonzert op. 114, wohl das bekannteste Werk aus seiner Feder, verbindet mehrere Genres: sinfonische Streicher mit einer (kleinen) Bigband, liedhafte Themen mit Brass-Sinfonik. Solist war Staatskapellen-Mitglied und Soloposaunist Jonathan Nuß, und er beeindruckte vor allem mit weichem Ansatz und schönen Legato-Bögen, mit sanglicher Ausformung – ein Crooner auf der Posaune, dem die Phrasierung wichtiger ist als eine kernige Präsenz.

Thomas Guggeis band das Werk, in dem sich sämtliche Bläserstimmen der Kapelle zeigen durften, zu einem harmonisch gefügten Gesamtbild. Im Allegro, in dem das Hornquartett der Soloposaune ein geschmeidiges Echo wiedergab, setzte sich zuweilen eine treibende Marschmelodik durch, mit dem abschließenden Presto kehrten die Musiker schließlich virtuose Elemente prägend hervor, ohne dass der harmonische Zusammenhang gefehlt hätte.

Das nächste Mal gerne noch ein wenig gelassener

Deutlich war die „Visitenkarte“ von Thomas Guggeis schon bei Mendelssohns Konzertouvertüre „Das Märchen von der schönen Melusine“ op. 32 gewesen. Mit großen Gesten koordinierte der Dirigent die Staatskapelle, setzte auf Präzision und Klarheit, feuerte das Orchester aber auch immer wieder an – das wäre so deutlich gar nicht nötig gewesen. Beim Melusinenmärchen verstärkte er nach bedachtem, beflügeltem Beginnen die düsteren, bedrohlichen Untertöne, schuf Bilder des strauchelnden Ritters und schärfte mit Rauheiten die Konturen.

Nach der Pause schloss Mendelssohns „Italienische“ Sinfonie op. 90 den Abend ab. Einige Grade „heißer“ als gewohnt erklang das Werk, mit feurigen Bläsern noch einmal, und auch hier mit feinen Legatolinien in den Soli. Die Differenziertheit behielt Thomas Guggeis bei, den Grad der Aufmerksamkeit und der Führung hoch. Dennoch bewahrte er im einleitenden Allegro vivace die feinen Nuancen, sorgte für Leichtigkeit im „Wassermotiv“ des Menuetto.

Erstaunlich war, dass er trotz nicht unbeträchtlichem „Antrieb“ und forscher Gangart zu federndem Charakter fand, auch wenn das Menuett nicht ausgesprochen „tänzerisch“ war. Mit so viel Präzision darf er das nächste Mal also gerne noch ein wenig gelassener werden, Tempi mehr auskosten, dann wird es noch besser.

Nächstes Konzert der Staatskapelle: 4. Sinfoniekonzert, David Robertson Dirigent, Elena Zhidkova (Mezzosopran), Matthias Goerne (Bariton); Werke von Aribert Reimann und Béla Bartók, 10. (11 Uhr), 11. und 12. November (jeweils 20 Uhr), Semperoper

Von Wolfram Quellmalz

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