Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Regional Fett! Das Moka Efti Orchestra kam aus Babylon Berlin in den Alten Schlachthof nach Dresden
Nachrichten Kultur Regional Fett! Das Moka Efti Orchestra kam aus Babylon Berlin in den Alten Schlachthof nach Dresden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:38 08.11.2019
Das Moka Efti Orchestra Quelle: Joachim Gern
Dresden

Das mit der Eins davor hat nicht mehr ganz geklappt, doch nun ist es noch ein wenig stilechter: Nicht im Herbst 2019, sondern am 24. Januar 2020 startet die zwölf Episoden lange dritte Staffel der zu Recht hochgelobten FernsehserieBabylon Berlin“, wieder als Zusammenarbeit zwischen dem Privatsender Sky und der öffentlich-rechtlichen ARD. Sky hat die Erstaufführungsrechte, die ARD folgt dann später im kommenden Jahr.

Mehr als zwei Jahre Pause liegen also zwischen der Premiere der ersten beiden „Zwanziger Jahre“-Pakete der Regisseure Tom Tykwer, Henk Handloegten und Achim von Borries, geschnürt aus 16 Folgen. Zuvor gibt es im Dezember noch den Europäischen Filmpreis für „Babylon Berlin“, die Jury sagt, es sei „ein leidenschaftliches filmisches Spektakel“. Eine Erfolgsgeschichte auch, verkauft in 90 Ländern weltweit, 35 davon haben für die folgende(n) Staffel(n) schon zugesagt. Ungesehen. Auch Volker Kutscher, den Autor der Romanvorlage, hat es gefreut.

Eine Bigband schwimmt sich frei

Nach Kutschers „Der nasse Fisch“ nun „Der stumme Tod“, die Zwanziger Jahre gehen hitzig und eklatant in die Dreißiger über. Berlin wird von Drogen überschwemmt, Kommissar Rath könnte lachen darüber, hatte er es doch bislang immer wieder schwer, sich seine Schmerzmittel zu besorgen. Was indes ebenso klar sein dürfte, ist, dass weiterhin getanzt wird: im großen Nachtclub Moka Efti, der tagsüber ein braves Kaffeehaus ist, oder im kleineren, dafür verruchteren Club Hollaender. Musik wird erklingen, Swing, Ragtime, Hot Jazz, Charleston und Tango. Und das Moka Efti Orchestra, die Hausband? Kein Wort fiel darüber beim ersten Dresdner Konzert des 14-köpfigen Ensembles. Immer nur war von der Vergangenheit die Rede. Schweigegelübde dürfen nun mal nicht gebrochen werden, Filmproduzenten kennen keine Gnade!

Eine Bigband schwimmt sich frei. Ohne „Babylon Berlin“ hätte der Rückenwind fürs Eigenleben gefehlt, mehr aber auch nicht. Denn wie sich im ordentlich gefüllten Kleinen Saal des Schlachthofs zeigte, ist das Potenzial der Truppe enorm und ruht beileibe nicht nur in der maßlos ansteckenden Feierwut, die sie verströmt. Seit Mai 2018 spielt sie fern des Filmsets live für Kenner der TV-Serie und das wohl nicht gerade kleine Rudel mit Bigband-Fans, die sich seit langem schon ein ausgewachsenes Exemplar davon wünschen. Eines, das die Entfesselung zelebriert und nicht unbedingt nur die korrekten (Ab-)Läufe, die alles Akademische für einen Abend abwerfen kann und einfach nur fett ist. Fett! Und herrlich dreckig am Frack.

Nur Musik! Genug!

Ein Trio führt hier die Feder: Die Komponisten Nikko Weidemann und Mario Kamien sowie der Arrangeur Sebastian Borkowski haben den Filmen, den Konzerten und bald auch mit „Erstausgabe“, der Debüt-CD, Grob-Schliff verpasst, eine dogmenfreie Stilistik, würziges Triebmittel. Sie und zehn weitere Musiker sowie später für zwei Lieder die litauische Originalsängerin Severija Janusauskaite legen vom Stand weg mit dem fiebrigen „Frenzy“ los, stiltreu hinter Pulten, einzig mit dem Moka-Efti-Logo im Bühnenhintergrund. Die Angst, es kämen Filmausschnitte, war also unbegründet. Nur Musik! Genug!

Knapp 90 Minuten wird das Orchester nicht sklavisch an den auf der zweiten CD des Doppel-Soundtracks von „Babylon Berlin“ veröffentlichten Stücken kleben bleiben, dort aber ihren sicheren Hafen wissen. „Wir machen uns unabhängig. Sie wollten es einfach für den Film cool haben und wir sind jetzt frankensteinmäßig vom Seziertisch aufgestanden. Und das Monster läuft und tanzt los!“, sagte Nikko Weidemann, der äußerlich viel vom jungen Michael Gwisdek hat, in einem Interview. Losgelöst haben sie sich zuvor schon von den Klischees und engen Formaten der Spielarten des Jazz dieser Zeit. Denen folgen sie nie sklavisch, immer wieder reißen sie nur an und auf, gehen drüber und drunter, feiern ihre Lust am Live.

Gymnastische Dresdner Gelassenheit

Dass handwerklich alles auf höchstem Niveau passiert, gibt ihnen Sicherheit. Die Bläsersätze sind exzellent arrangiert, höllisch im Tempo beim „Hollaender Mashup“, scharf wie Messer oft, grell und leuchtend, die Streicher changieren zwischen schrägem Gypsy und Wiener Melange. Einzig im Vokalen müssen die Männer zwangsläufig hinter den Originalen zurückfallen. Schön, dass keiner erst versucht, Bryan Ferry oder Tim Fischer zu imitieren, „Reason Or Rhyme“ ist und bleibt Sache des Ersteren, „Meine Rose“ die des Zweiten! Die zigste Version der schwerschwarzen Selbstmörderballade „Gloomy Sunday“ aber gehört längst aus Severija Janusauskaite, eben weil sie auf Russisch kommt und „Vaskresenje“ heißt.

Je zwei Posaunen, Trompeten und Saxophone, Violine und Viola, Drums, Piano, Banjo, Klarinette, Kontrabass – markig in den Soli, fulminant im Gruppenklang. Das ist anfangs fast Punk, was das Moka Efti Orchestra zeigt, am Ende, da die 13 das ikonenhafte Stück „Zu Asche zu Staub“, zuvor kühl und elegant geschwungen und gesungen von Severija, verlängern, ist es fast Freejazz, aber ohne jegliche verkopfte Attitüde.

Und der Saal? Gymnastische Dresdner Gelassenheit! Einige Männer hatten sich in Hosenträger und Feinzwirn getan, an vereinzelten Frauen wurden Federboa, Haarband und Strass gesehen. Man hat getanzt, vor allem wurde gejubelt. Beim nächsten Mal wird sich vielleicht mehr getraut. Dann haben wir ja „Babylon Berlin“ längst weitergesehen. Wir alle und noch ein paar mehr!

Von Andreas Körner

Die Werke osteuropäischer Regisseure schaffen es leider nur selten auf die deutschen Leinwände. Beim den am Sonnabend im Kino in der Fabrik startenden 7. Osteuropäischen Filmtagen ist das anders.

08.11.2019

Christina Ludwig soll nach dem Willen einer siebenköpfigen Findungskommission neue Direktorin des Stadtmuseums Dresden werden und am 1. April 2020 die Nachfolge von Erika Eschebach antreten, die dann in den Ruhestand geht. Das letzte Wort hat der Stadtrat.

08.11.2019

Von der Dresdner Bürgerbühne über die Leipziger Schauspielhochschule und einigen Filmrollen ins Dresdner Schauspielstudio: Die Radebeulerin Henriette Hölzel spielt heute als Anna Seghers Marie an ihrem Wunschtheater. Kurz vor der Premiere von „Transit“ sprach sie mit den DNN.

08.11.2019