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Regional Felix Reuter gastierte im Boulevardtheater Dresden
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14:49 14.11.2019
Felix Reuter. Quelle: Agentur
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Dresden

Gut, die Geschichte des Dritten Reiches musste, da die vom „Stern“ angekauften Hitler-Tagebücher gefälscht waren, nicht umgeschrieben werden. Was aber die Geschichte der klassischen Musik angeht, da könnte so mancher, der im Dresdner Boulevardtheater den Aufritt des Showpianisten Felix Reuter erlebte, geneigt sein, Änderungen am persönlichen Weltbild in Sachen „Klassik“ vorzunehmen. So sehr wurden die „gesicherten“ Kenntnisse diesbezüglich erschüttert.

300 Jahre Musikgeschichte, reflektiert und parodiert

Mozart? Ein Rock’n’Roller! Beethoven? Voll der Pop-Musiker? Und Bach, „der an der Beethovenstraße wohnte, weiß man ja“? Er ist praktisch der Urvater des Jazz! So in etwa ist die Quintessenz dessen, was der Thüringer Musikpädagoge und Konzertpianist Felix Reuter vermittelte, dessen Programm „Verflixte Klassik“ vor allem ein Ziel hat: Aufzuzeigen, dass Klassik keineswegs verstaubt ist.

Reuter, der an an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ in Weimar studiert hat, vermittelt den Zuschauern überdeutlich, auch wenn er wie versprochen „gar nichts zu Ende spielt“, die natürlich „rein zufälligen“ Parallelen etwa zwischen Beethovens „Für Elise“, das so schön ist, dass man es am besten oft spielt, „bis die Nachbarn klingeln“, und Gershwins „Summertime“.

Auch bei anderen Kompositionen wird klar, wie sehr – es ist eben in der Tat „alles nur geklaut“, da hat der Song der Prinzen schon recht – einer vom anderen abkupferte. Reuter tritt in seinem die Musikgeschichte von 300 Jahren reflektierenden wie parodierenden Programm den Beweis an, das man in Smetanas „Moldau“ mit seiner so vertrauten Melodie eigentlich auch das Kinderlied „Alle meine Entchen“ heraushören kann. Smetana griff auf die Moll-Tonart zurück. Logisch, heißt ja auch „Moldau“ und nicht „Durdau“.

Der Osten kennt „Sind die Lichter angezündet“

Reuter ist mitnichten „nur“ ein Pianist, sondern als Musikkomödiant und Entertainer nicht von schlechten Eltern. Der Witzfaktor ist hoch, wobei zum Handwerk neben dem Kalauer auch die hintergründige Sentenz gehört. Vermittelt wird, warum es „kleine“ Nachtmusik heißt – weil eben Mozart, nachdem er fertig mit dem Komponieren war, noch mal die Noten zählte.

Für Fitness sorgt Reuter auch. Er strapaziert die Lachmuskeln. Als jeder im Saal sich innerlich fragt, ob der Pianist ernsthaft die Becher-(Nationalhymne) spielt, lässt er das Publikum wissen, dass das „Goodbye Johnny“ gewesen sei, also jenes Lied von Hans Fritz Beckmann (Text) und Peter Kreuder (Musik), das vor allem durch die Interpretation von Hans Albers in dem Abenteuerfilm „Wasser für Canitoga“ von 1939 berühmt wurde. „Was dachten Sie denn?, fragt Reuter das Publikum in aller – gespielten – Unschuld.

Gegen die Landsleute aus den „gebrauchten Bundesländern“ gibt es noch eine zweite, vom Publikum ebenfalls lauthals belachte Spitze, nämlich als Reuter mit Freude registriert, dass das Publikum (das zum erheblichen Teil älter war und folglich in der DDR groß wurde) im Boulevardtheater anders als bei Auftritten im Westen das Lied „Sind die Lichter angezündet“ an Anhieb erkennt.

Von Christian Ruf

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