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14:12 07.05.2019
Felix Räuber Quelle: Anja Schneider
Dresden

Als sich Polarkreis 18 gründeten, war Felix Räuber gerade einmal 13 Jahre alt. Schnell erkannte der Sänger jedoch, dass seiner Elektropop-Band etwas Großes entwuchs: Mit „Allein Allein“ landeten Polarkreis 18 im Jahr 2008 einen Hit, den die Radiostationen landesweit rauf und runter spielten. Das Album „The Colour of Snow“ erreichte Goldstatus, eine Echo-Nominierung folgte, ein zweiter Platz beim Bundesvision Song Contest 2009, eine Tour mit Depeche Mode.

Mit dem Erfolg drehte sich alles immer schneller, so schnell, dass Felix Räuber irgendwann nicht mehr hinterherkam. An der Chartspitze hatte der junge Popstar plötzlich mit Höhenangst zu kämpfen. „Und auf einmal war da nur noch Leere“, erinnert er sich heute. Nach 14 Jahren Bandgeschichte entschieden sich die Musiker 2012 schließlich für eine Pause. Sie hält bis heute an.

Soundtrack des Lebens

Auf Reisen im Nahen Osten fand ein ausgelaugter Räuber seine Inspiration wieder, in Berlin das passende Atelier für seine künstlerische Neuausrichtung. 2018 meldete er sich als Solomusiker zurück – mit seiner Debüt-EP „Wall“, auf der er das Erfahrene verarbeitet und noch ein Mal eigene Grenzen auslotet.

Am 7. Juni erscheint Räubers zweite EP „ME“. Mit der neuen Platte zieht Räuber eine Zwischenbilanz aus seinem über 20-jährigem musikalischen Dasein. Der Soundtrack seines Lebens quasi, der sich aus den musikalischen Bestandteilen seiner Laufbahn zusammensetzt: Polarkreis-Pop verschmilzt mit klassischer Musik, die Räuber in seiner Kindheit begleitete. Der Künstler selbst nennt dieses Genrekonstrukt „Cinematic Pop“.

Auf dem Tonträger „ME“ nimmt sich der Popstar Räuber zurück, um dem Komponisten Räuber zu beschwichtigen. „Ich will nicht mehr nur die Popkeule schwingen“, erklärt der Autodidakt, und schon der Opener „Birth“ bekräftigt die neue Programmatik: Neoklassische Pianomelodien, die an Nils Frahm erinnern, begegnen ätherischem Backgroundgesang und atmosphärischen Streichern.

Nicht er, sondern sein Leben schreibt die Musik, sagt Felix Räuber. So hat die fünfaktige Konzept-EP im Titel „Birth“ ihren Ursprung, ihren Abschluss findet sie mit „Arrival“, der Ankunft. Das Outro klingt nach großem Kino, nach dem Soundtrack für das erste Sonnenlicht, das am Morgen nach der Schlacht zaghaft auf die Silhouetten einer gefallenen Stadt fällt.

Ja, das Bombastische, Pompöse hat sich Felix Räuber von seiner Polarkreis-Zeit aufgehoben. Nicht zuletzt ruft das gleichförmig-organische Orgelthema in „Path“ die monumentale Filmmusik aus Christopher Nolans „Interstellar“ in Erinnerung. Der Instrumentaltrack ist eine Verbeugung vor dem Klangvirtuosen Hans Zimmer, den Räuber für seine Gabe schätzt, mit geringem Aufwand stets das größtmögliche Klangmonster zu erschaffen.

Der ewig Rastlose

Lediglich in zwei der fünf Songs, „Burning Sky“ und „Running out of Time“, nutzt Felix Räuber seine Stimme maßgeblich als Instrument wie auch als Träger des Textes. „Running out of Time“ ergründet das Ende der damaligen Bandzeit und den damit einhergehenden Neuanfang in Berlin – in Dresden sah sich Felix Räuber an jeder Straßenecke mit dem Bruch konfrontiert.

In „Burning Sky“ setzt sich der 34-Jährige mit dem eigenen Geschlecht, den weiblichen und männlichen Komponenten der menschlichen Psyche auseinander. Für Felix Räuber selbst bildet die Besinnung auf seine seelische Androgynie die feste Grundlage aller Kreativität.

Am 10. Mai gibt Räuber sein Releasekonzert in der Scheune Dresden. Der Sänger, Instrumentalist und Dirigent wird die Bühne mit einem Streichquartett und seiner Liveband teilen – die performative Verschmelzung von Pop und Klassik. „Das Soloprojekt ist mein neuer Weg der Selbstverwirklichung“, sagt Räuber. „Jetzt kann ich demokratische Prozesse einfacher umgehen, ich kann schalten und verwalten wie ich möchte.“

Angekommen ist der Musiker dennoch nicht. „Jeder Künstler, der nicht mehr auf der Suche ist, hört automatisch auf, Kunst zu machen“, meint er. Die Rastlosigkeit sei schließlich der Motor, das Defizit, aus dem sich künstlerische Kraft speist.

Und so wird Felix Räuber weiterhin nach Möglichkeiten der eigenen Entfaltung suchen. Wer weiß, vielleicht führt ihn sein innerer Antrieb auch wieder zurück: Eine Reunion mit Polarkreis 18 hält Räuber zumindest nicht für ausgeschlossen. Gut möglich also, dass in naher Zukunft eine lange Pause zu Ende geht.

Konzert am 10. Mai, 20 Uhr, Scheune Dresden. Tickets für 18 Euro an allen bekannten VVK-Stellen.

Von Junes Semmoudi

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