Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Regional Familie und Freunde haben an den gestorbenen Rolf Hoppe erinnert
Nachrichten Kultur Regional Familie und Freunde haben an den gestorbenen Rolf Hoppe erinnert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:58 18.12.2018
Ein Foto Rolf Hoppes auf der Bühne „seines“ Hoftheaters. Quelle: Torsten Klaus
Anzeige
Dresden

Keine Gedenkfeier, schon gar kleine im klassischen Sinn und obendrein natürlich auch nicht bierernst. Wobei es schon Momente des Innehaltens gab, aber auch Platz für Lachen. Dafür sorgte manchmal gar der, dem mit einem zärtlichen Abschied gehuldigt wurde: Rolf Hoppe. Der Schauspieler war vor gut einem Monat kurz vor seinem 88. Geburtstag gestorben. Dienstagvormittag sagten ihm Familie und Freunde im bis über den letzten Platz hinaus gefüllten Hoftheater in Dresden-Weißig auf eigene, oft künstlerische Art Lebewohl.

Der Dresdner Schauspieler Rolf Hope ist im Alter von 87 Jahren gestorben.

Da fanden sich viele ein, die enge Begleiter gewesen waren. Wie der Autor und Filmemacher Eberhard Görner, der selbst auch Verfasser einer Rolf-Hoppe-Biografie ist und dem gestorbenen Freund eine kleine Hommage widmete. Hoppe, so sagte er, habe immer die Unvernunft gespielt, „um die Vernunft aus ihrem Schlaf zu wecken“. Dieser wunderbare Satz ist natürlich eine Anlehnung an Goya und die Verfilmung seines Lebens – mit Hoppe in der Rolle des spanischen Königs Karl IV., bei dem Goya Hofmaler war.

Anzeige

Überhaupt die Könige: Diese Rolle hat Hoppe tatsächlich oft verkörpert. Nicht zuletzt auch in „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Obwohl er selbst in einer MDR-Dokumentation meinte, in dem Film damals nicht den König, sondern „nur“ den Vater gespielt zu haben. Die aufschimmernde Erinnerung gibt Hoppe jedenfalls Recht.

Görner brachte auch kurz noch einmal die tatsächlich große Filmwelt ins kleine Hoftheater. Er zitierte kurz aus einer Mail von Armin Müller-Stahl, der ebenfalls um Hoppe trauert. Oder erzählte von einem Telefonat vor wenigen Tagen mit Klaus Maria Brandauer, der in „Mephisto“ den Schauspieler Hendrik Höfgen gab, Rolf Hoppe den nationalsozialistischen preußischen Ministerpräsidenten. „Ohne Rolf Hoppe wäre ’Mephisto’ nicht für den Oscar nominiert worden“, habe Brandauer ihm gesagt, ließ Görner wissen. 1982 hatte der Film von István Szabó die Trophäe für den besten ausländischen Film gewonnen.

Hoppe ist in diesen anderthalb Stunden im Hoftheater natürlich ständig präsent, nicht nur wegen seines großen Fotos auf der Bühne. Er kommt auch als Gegenstand von Anekdoten nicht zu kurz. Dafür sorgten vor allem die Schauspieler-Kollegen Peter Bause und Gojko Mitic. Bause erinnerte daran, dass Hoppe in jungen Jahren bei seinem – Bauses – Schwiegervater gewohnt habe. Diese Erzählung sei mittlerweile so oft weitergereicht worden, dass der Eindruck entstanden sei, „Hoppe hätte 50 Jahre bei uns gewohnt“. Die Lacher hatte er natürlich auf seiner Seite.

Mitic wiederum ließ seine Gedanken zurückschweifen zum Dreh des Indianerfilms „Spur des Falken“, der 1968 erstmals zu sehen war. Es sei seine erste Begegnung gewesen mit Hoppe – und als er ihn sah, habe er sich gedacht: „Was macht denn der Dicke da?“ Dann aber habe der sich wie ein Artist aufs Pferd geschwungen und sei geritten wie der Teufel. Und noch etwas betont der große Indianerdarsteller der DEFA: Hoppe sei immer „ein Ruhepol“ gewesen. Jemand, der sein Ding macht. Bis er dann zum Dreh gebeten wurde und alles zeigte, „als er drankam“. Diese Verbindung wird noch mehrfach betont an diesem Vormittag: die eines großartigen Schauspielers mit der eines guten und nachsichtigen Menschen.

Hoppes Töchter Christine und Josephine gaben dem Abschied ihre jeweils eigene Farbe. Christine warf dem Foto des Vaters Handküsse zu, Josephine lud wunderbar unprätentiös zu Suppe, Getränken und Gesprächen im kleinen Foyer ein.

In der MDR-Dokumentation hatte Hoppe schon seine Neugier auf den Tod bekundet. „Vielleicht ist er ja der schönste Teil des Lebens?“ fragte er damals. Als über dem Hof des Theaters, das Hoppes Namen trägt, am Dienstag der grau-weiße Himmel aufreißt, ist auch das eine Illustration der Ewigkeit. Und man wünscht sich, dass Charon den alten Hoppe tatsächlich an schöne Gestade gebracht hat.

Von Torsten Klaus

Regional Kunstausstellung im „Kastenmeiers“ - Farbenspiele auf Sandsteinmauern
18.12.2018
18.12.2018