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Regional Elfriede Lohse-Wächtlers Leben als Tanz/Theater im Soci Dresden
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12:27 01.12.2019
Die Tänzerin Katja Erfurth in „...es wird schon alles wieder gut...“. Quelle: Volker Metzler
Dresden

Wer sich auf der Bühne den Eigenheiten namhafter Künstler anzunähern versucht, begibt sich zwangsläufig immer auf dünnes Eis. Weil diese doch letztlich unergründlich sind und sich jeder im Publikum dazu garantiert so seine ganz eigenen Vorstellungen macht. Wie eben auch jenes bemerkenswerte Darsteller-Trio, das sich nun im Societaetstheater in der vielgestaltigen Tanz/Theater-Inszenierung „...es wird schon alles wieder gut...“ dem Schicksal von Elfriede Lohse-Wächtler widmet. Eine berührende Arbeit, die im kommenden Jahr auch im Nancy-Spero-Saal des Festspielhauses Hellerau zur Aufführung kommen wird.

Massiver Druck von allen Seiten

Die so außergewöhnliche Frau und Künstlerin, geboren 1899 in Dresden, wird, wie viel man bislang auch über sie herausgefunden haben mag oder noch veröffentlichen wird, für die Nachwelt immer ein Rätsel bleiben. Und zudem angesichts ihrer stets neu zu entdeckenden Schöpfungen immer seine vollendet Unvollendete sein. 1940 wurde sie, zuvor schon entmündigt und zwangssterilisiert, von der Psychiatrischen Anstalt Arnsdorf nach Pirna-Sonnenstein deportiert und aufgrund des NS-Euthanasieprogramms in der Tötungsaktion „T4“ vergast.

Dass ein solch szenisches Projekt viele Unwägbarkeiten besitzt, dessen sind sich die unmittelbar auf der Bühne Agierenden deutlich bewusst. Katja Erfurth, Heiki Ikkola und Sabine Köhler zeichnen aber ein ganz eigenes, fragmentarisches Bild von Elfriede Lohse-Wächtler, die sich selbst auch Nikolaus Wächtler nannte (von Freunden zu „Laus“ abgekürzt), sparsam kommentiert mit überlieferten Aussagen und szenischen Assoziationen. Dabei verzichten sie trotz großer Projektionsflächen im mit hellem Nesselstoff abgehangenen Bühnenrund bewusst auf herausgestellte Kunst-Beispiele, sind die sensiblen Selbstporträts, Menschenbilder verschiedenster Art oder Stadt- und Landschaftsansichten quasi nahezu „ausgespart“. Und werden dennoch assoziiert, beispielsweise in „Objekten“ wie der wunderbar ins Spiel einbezogenen Büste. Die wohl an das Selbstporträt um 1930 (Öl auf Karton) in braun-grauen Farbtönen erinnern mag oder sich auf ein anderes Werk bezieht.

Die Inszenierung, in der Heiki Ikkola für Regie und Katja Erfurth für Choreographie verantwortlich zeichnen, konzentriert sich offensichtlich besonders auf die körperlich-seelischen Zustände von Elfriede Lohse-Wächtler, auf den massiven Druck, dem sie von allen Seiten ausgesetzt ist, vom überforderten Vater wie später auch von ihrem Mann Kurt Lohse, auf ihre vielgestaltigen Ängste, Nöte, Hoffnungen, auf Qual, Aufruhr und Resignation. Diese „gewaltige innere Spannung“, die beredt ebenso eingefangen ist in den Klangcollagen von Karsten Gundermann.

Sie nicht dem Vergessen preiszugeben

Das alles geschieht im Zusammenwirken der Darsteller mit ganz eigenen sprachlichen und bewegten Mitteln, mit Masken und Figurenspiel so konzentriert und intensiv, dass man sich zuweilen wie mittendrin in der Szene wähnt. Und die Gestaltenden sind weitgehend auch behutsam an die Geschehnisse herangegangen, haben sich nicht an diversen Schuldzuweisungen festgebissen (sie aber auch nicht ausgespart) oder sich in immer neuen Details dieses sehr speziellen Schicksals verloren.

Dass sich Elfriede Lohse-Wächtler vor allem in den frühen Dresdner Jahren, wo sie beispielsweise auch mit den Künstlern der Dresdner Sezession Gruppe 1919 und anderen bestens bekannt war, sich ebenso für die Tanzmoderne interessierte, dazu gibt es diverses dokumentarisches Material. Wie zum Beispiel auch Fotografien belegen, in denen sie sich in Tanzposen zeigt, oder ein kolorierter Linoldruck auf Reispapier (1917) zu „Indischer Tanz“ mit Gertrud Leistikow.

Da kommt es nicht von ungefähr (wenn es auch zunächst etwas zu artifiziell wirkt), dass Katja Erfurth die junge Frau ebenso tänzerisch in Szene setzt. Und es ist letztlich ganz besonders beredt, wenn mit allen Zwängen ebenso die Körpersprache mehr und mehr zum „Aufbäumen“ und schließlich zum „Erliegen“ kommt.

"Es wird schon alles wieder gut" im Societaetstheater Quelle: Volker Metzler

Zum Schluss geschieht fast schon zu leibhaftig (es braucht für diese Szene wahrlich keinen Bühnennebel), was der Künstlerin im Alter von gerade mal 40 Jahren auf dem Sonnenstein widerfahren ist. Assoziiert ist ihr Sterben im Gas, als eine der Getöteten von insgesamt 14.751 Menschen, die in den Jahren 1940/1941 in Pirna-Sonnenstein ermordet wurden. Daran immer wieder und auch mit dieser Inszenierung zu erinnern, sie nicht dem Vergessen preiszugeben, ist unverzichtbar.

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Von Gabriele Gorgas

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