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Regional Editionen, Entwürfe, Briefe, Materialien von Gerhard Richter im Albertinum
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17:05 05.09.2019
Gerhard Richter, Schattenbild I (Edition 18), 1968, Lichtdruck (Ausschnitt). Quelle: Gerhard Richter 2019 (23052019)
Dresden

Zum vierten Mal gibt das 2006 in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden angesiedelte Gerhard Richter Archiv seit Ende vergangener Woche im Albertinum Einblick in seine Arbeit. Diesmal stehen „Editionen, Entwürfe, Briefe, Materialien“ des Künstlers im Mittelpunkt der Betrachtung. Die Ausstellung wirft den Blick auf einige grafische Werke – solche begleiteten das malerische Schaffen Richters seit 1965 -, die zum Bestand des von Dietmar Elger geleiteten Archivs gehören beziehungsweise wozu Materialien gesammelt wurden.

Der Künstler Gerhard Richter Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa

Heute liegen mittlerweile mehr als 170 Editionen Gerhard Richters vor, mit denen er immer wieder auf Gemäldemotive zurückgegriffen hat. Zu den frühesten – eine der jüngsten Erwerbungen des Archivs - gehören „Schattenbild I“ und „Schattenbild II“ von 1969, denen die entsprechenden Gemälde 1968 vorausgingen.

Die Ausstellung nun präsentiert aber nicht nur die Editionen, sondern auch einen dazu gehörigen Brief mit genauen Anweisungen des Künstlers an den Drucker und durchgestrichenen Skizzen, die zeigen wie er es nicht möchte. Ein Auszug aus dem Brief ist auch auf der Einladungskarte für die Präsentation abgebildet.

Ein Zeitungsfoto als Vorlage

Auf die Absichten Richters und den Entstehungsprozess von Arbeiten weist auch der Offsetdruck „Elisabeth I“ (1966) - die einzige Leihgabe der Schau - und das dazu vorhandene Material: Mehrere Fotos gekrönter Häupter, darunter Schah Reza Pahlevi, versehen mit Bemerkungen, die im Besitz des Gerhard Richter Archivs sind, machen deutlich, dass der Künstler weitere solche, von gezielter Unschärfe geprägte Drucke geplant hatte. Das Zeitungsfoto von Elisabeth scheint allerdings in der Druckerei verloren gegangen sein, wie man bei der Vorstellung der Präsentation von Dietmar Elger erfahren konnte.

Gerhard Richter, Probe zur Edition 175 „Mao“, 2018 Quelle: Gerhard Richter (23052019)

In unmittelbarem Kontext zur „Elisabeth“-Edition steht der Lichtdruck „Mao“ von 1968. Wie bei der Queen diente Richter hier ein Zeitungsfoto als Vorlage. Für die Biennale in Venedig 1972 malte er Mao auch im Rahmen seiner „48 Portraits“. Dazu wählte er allerdings eine Abbildung, die diesen mit Hut zeigt. Im Zusammenhang mit einer Buchpublikation im Jahr 2018 zu diesen Porträts entstanden zwei weitere Mao-Editionen. Im Richter-Archiv befinden nun drei experimentelle Probefotos dazu, die auf der Grundlage der Gemälde entstanden, aber auch eine Darstellung von Siegmund Freud.

Interessant ist zudem die Story um die „128 Fotos von einem Bild (Halifax 1978) II“. Diese Arbeit war ursprünglich aus der „Not geboren“. Hier ist ein Editionsexemplar dazu präsent sowie zwei, die 128 Fotos wiedergebende Bücher. Gerhard Richter hatte dazumal ein Gastsemester in Halifax, konnte dort – er hatte kein Atelier – nicht malen und verlegte sich aufs Zeichnen und Fotografieren.

Aus extremer Nahdistanz hielt er deshalb die Oberfläche seines „Abstrakten Bildes“ (432-5) fest und arrangierte die 128 entstandenen Schwarz-Weiß-Fotos auf acht Kartons, fügte sie zu einem Tableau zusammen. Dieses befindet sich heute im Kaiser-Wilhelm-Museum Krefeld. Später wurden die Fotos einzeln in einem Buch veröffentlicht. Die Edition zum Tableau wiederum, wovon ein Exemplar nun gezeigt wird, entstand 1998 (Auflage 60). Zudem entstand nochmals ein Buch, zu dem eine Vorzugsausgabe von 128 Stück gehörte, mit jeweils einer hälftig grau übermalten Fotografie.

Jüngste gezeigte Arbeit stammt von 2009

Recht bekannt dürfte dem Besucher das Motiv eines ausgestellten Plakats und ein Siebdruck vorkommen, die neun zum Viereck angeordnete Farben zeigen. Dieser Eindruck ist richtig, knüpfen Blatt und Plakat doch an die bekannte 20teilige Bilderserie „180 Farben“ aus dem Jahr 1971 an. Gerhard Richter hatte sich später davon zu einer Siebdruck-Edition unter dem Titel „9 von 180 Farben“ anregen lassen, in der neun andere Farbflächen frei variiert sind. Beides: Edition und Gemälde haben im Gerhard Richter Archiv ihren Standort. Das gezeigte Plakat, identisch, aber seitenverkehrt mit dem gezeigten Siebdruck, entstand für eine Ausstellung in Bremerhaven im Kabinett für aktuelle Kunst.

Die jüngste gezeigte Serie, nicht die jüngste Arbeit, sind die digitalen Tintenstrahldrucke „September“ von 2009. Die Edition entstand nach dem vier Jahre zuvor geschaffenen Gemälde gleichen Titels. Beides bezieht sich auf den 11. September 2001 und lässt die in Feuer und Rauch getauchten oberen Etagen des World Trade Centers in New York erahnen. Vorlage war eine im „Spiegel“ abgedruckte Fotografie, die Richter durch Übermalung verfremdet hatte. Die Drucke zeigen neun Variationen, die der Künstler für die zwischen Glasplatten befestigte Edition ausprobierte und die alle im Bestand des Archivs sind. Gerade diese Proben machen besonders gut den sorgsamen Arbeitsprozess des Künstlers sichtbar.

An den gezeigten Editionsbeispielen sowie den dazu vorhandenen Materialien wird ein wenig vom umfangreichen Aufgabenprofil des Archivs sichtbar, das mittlerweile weltweit eine feste Adresse für Museen oder im Vorfeld von Publikationen ist, wenn es um die Kunst Gerhard Richters geht. Die Dresdner Institution ist zugleich weltweit unterwegs, um seinen Bestand zu vervollständigen. Zudem durchforsten verschiedene Dienste für sie Veröffentlichungen aller Art nach allem, was Gerhard Richter betrifft.

Wie von Dietmar Elger zu hören war, hat das Archiv mittlerweile 60 Editionen und zahlreiche Probearbeiten des Künstlers in seinem Bestand. Es verfügt über eine Bibliothek von 5500 Bänden, die Richter betreffen, ebenso ein Zeitungsarchiv, das seit 2012 digitalisiert ist. Immerhin erscheinen in jeder Woche 800 bis 1200 Berichte, die etwas mit dem Künstler zu tun haben. Aufbewahrt werden zudem 190 Plakate und 670 Einladungskarten für Richter-Ausstellungen.

Brief von Gerhard Richter an August Haseke, 3.2.1969 Quelle: Gerhard Richter (23052019)

Das alles findet in zwei Räumen mit zwei festen Mitarbeitern, einschließlich des Chefs, statt. Hinzu kommt noch ein Mitarbeiter mit Werkvertrag. Wer sich besonders für die Arbeitsweise des Künstlers Gerhard Richter interessiert, ist in dieser Ausstellung am richtigen Ort.

Bis 22. September, täglich 10 bis 18 Uhr (Mo geschlossen),

öffentl. Führungen und Kunstgespräche: 4.,9.,23.,30. Juli, 8.,13.,August, 18. September, jeweils 16.30 – 17.30 Uhr, Treff: Lichthof Albertinum.

Von Lisa Werner-Art

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