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Regional Druckgrafik aus Dresden und Thessaloniki im Kulturrathaus Dresden
Nachrichten Kultur Regional Druckgrafik aus Dresden und Thessaloniki im Kulturrathaus Dresden
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17:00 09.10.2019
Kostis Spanopoulos, Image beyond Image, 2019 (Ausschnitt) Quelle: Repro: Galerie
Dresden

2011 wurde das seit 1997 bestehende Künstler-Austauschprogramm der Landeshauptstadt Dresden um die griechische Partnerstadt Thessaloniki bereichert. So konnten seither unter dem Schwerpunkt der Druckgrafik Dresdner und Thessalonische bildende Künstler in der jeweiligen Partnerstadt arbeiten, Erfahrungen mit anderen Kunstschaffenden austauschen und ihre künstlerischen Resultate präsentieren.

Bizarre Bildwelten von Kostis Spanopoulos

Die Ausstellung „Drei Ansichten“ im Kunstfoyer des Kulturrathauses zeigt aktuelle Positionen zweier ehemaliger Stipendiaten. Im September 2011 reiste erstmals Kostis Spanopoulos noch während seines Studiums der Bildenden Kunst an der Aristoteles Universität Thessaloniki nach Dresden, um hier einen Monat in der Grafikwerkstatt zu arbeiten und seine Ergebnisse im Kunst- und Kulturzentrum Alte Feuerwache Loschwitz auszustellen.

Der Austausch blieb nicht folgenlos, 2016 kehrt der Thessalonikier erneut als Stipendiat, aber auch als Lehrender der Technik des Kupferstich nach Dresden zurück, die er seither in Athen im Kaviri Open Art Studio unterrichtet. „Drei Ansichten“ zeigt Graphitzeichnungen der Jahre 2017 und 2019. Bildwelten bizarrer Mischwesen, imaginärer zoomorpher Geschöpfe verbinden sich mit Vegetabilem und Anorganischem. Nahezu altmeisterlich entwirft Spanopoulos in akribisch-dichten Kreuz- und Parallelschraffen hybride Lebensformen.

Hierbei folgt er dem Konzept des Cyborgs, wie es der zypriotisch-australische Bio-Artist Stelarc in seinen Perfomances am eigenen Körper mit Implantaten menschlicher Zellen oder Prothesen von Gliedmaßen antizipiert. Kostis Spanopoulos‘ Gestalten, in ihrer stark dekonstruierten Körperlichkeit rekurrieren aber vor allem auf die Ikonographie surrealistischer Schimären, wie derer Max Ernsts und Richard Oelzes. Unter Verzicht auf jegliche räumliche Verortung erwecken sie in ihrer ikonischen Präsenz den Eindruck als schwebten sie in Unendlichkeit. Es entsteht eine Bildwelt deren Geschöpfe zwischen einer Jenseitigkeit vitalen Ursprungs und einer entseelten, technoiden Objekthaftigkeit oszillieren.

Kerstin Franke-Gneuß’ Beobachtung der Außenwelt

Stellvertretend für die Dresdner Perspektive des Künstleraustausches werden Radierungen der Grafikerin Kerstin Franke-Gneuß gezeigt, die nach dem Studienaufenthalt in Thessaloniki zwischen 2016 und 2019 entstanden. Kerstin Franke-Gneuß eine der anerkanntesten Grafikerinnen auch jenseits Dresdens reist 2015 in die griechische Hafenstadt Thessaloniki und ist von Licht, Landschaft und dem reichen kulturellen Erbe der Antike tief beeindruckt.

Es folgen Annäherungen an das Wesen des Erlebten über intuitive und wahrnehmungsanalytische Beobachtungen der Außenwelt. Dies findet seine Entsprechung in der prozessualen langwierigen Bearbeitung der Druckplatten, sei es mittels mehrfacher graduell unterschiedlicher Säureätzung und Reservage oder enormem, wohltariertem Kraftaufwand durch das Ritzen mit der Kalten Nadel in der spröden Oberfläche der behandelten Platte.

Die Titelgebende Arbeit der Ausstellung „Drei Ansichten“, eine Aquatinta in Verbindung mit Reservage und Kaltnadelradierung, indiziert das Spektrum, der im Medium der Radierung gegebenen Möglichkeiten. In mehreren übereinander lagernden Ebenen variiert Kerstin Franke-Gneuß flächige Kompartimente, die in Anmutung und Verteilung auf dem hellen lediglich vom Plattenton des Druckens gefilterten Fond, wie Inseln oder Treibgut von den Rändern der Komposition zum Zentrum driften.

Über allem nahezu die dritte Dimension andeutend, schweben wie pelzige Schwünge, die gratigen Risse der Kalten Nadel und körnige gebrochene Linien der Reservage. Die unterschiedliche Intensität sukzessiver Säureätzungen der Platte erzeugen im Druckbild tonal graduell voneinander abweichende Grautöne amorpher Flächen im Mittel- und Hintergrund, die sich wie Urbilder zu ihren Schatten verhalten. Hellgraue schwach geätzte Flächen diffundieren in ihre dunkleren Pendants. Welche Form sich aus welcher entwickelt ist bei der räumlichen Tiefendimension der Komposition nicht mehr auszumachen, der Austausch der Formen funktioniert in beide Richtungen und lässt den Prozess der Transitorik des sich Ereignenden im Medium der Radierung glaubhaft erscheinen.

Würdigung der künstlerischen Druckgrafik

Der von der Landeshauptstadt geförderte Künstleraustausch Dresden-Thessaloniki ist bedeutsam für zeitgenössische Künstler deren Werk sich auf das Medium der Druckgrafik konzentriert, einer Gattung, die im Kanon der bildenden Künste zu Unrecht oftmals eine tendenzielle Marginalisierung erfährt, was sich u.a. in der Ausstellungspolitik der internationalen Museumslandschaft niederschlägt.

So sind nicht allein die Arbeiten von Kerstin Franke-Gneuß und Kostis Spanopoulos ein wesentlicher Beitrag für die Nobilitierung der künstlerischen Druckgrafik sondern auch ihr Einsatz für die Erhaltung und Weitergabe druckgrafischer Technologien und historischen Wissens im Rahmen von Workshops.

bis 23. Oktober, Kunstfoyer des Kulturrathauses (Königstr. 15), geöffnet Mo-Do 9-18, Fr 8-16 Uhr

Von Katharina Arlt

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