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Regional Dresdner Kunsthochschule ordnet Anatomische Sammlung neu
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11:12 06.11.2019
Präparierte Bänderskelette und Gipsabgüsse von Wachsmodellen menschlicher Körperteile sind in der Anatomischen Sammlung der HfBK Dresden zu sehen. Quelle: Fotos (3): Robert Michael, dpa
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Dresden

Es gibt alte Gemäuer, um deren innere Geheimnisse man weiß, weil die Geschichten um sie immer und immer wieder erzählt werden. Und es gibt andere, von denen man gar nicht ahnt, dass in ihnen Geheimnisse zu Hause sind. Und obwohl Geheimnis in diesem Fall ein vielleicht zu ominöses Wort ist, bleiben wir trotzdem für die Dauer dieses Textes einfach dabei.

700 Modelle, Präparate und Lehrtafeln

In diesem Fall ist es die Dresdner Hochschule für Bildende Künste (HfBK), die etwas fast Einzigartiges birgt. Um es zu sehen, wäre der Haupteingang aber die falsche Pforte. Durch eine fast versteckt wirkende Tür am Georg-Treu-Platz, schräg gegenüber vom Albertinum, muss der Besucher seine Schritte lenken. Dann tut sich ihm eine Welt auf, die es in dieser Form nur noch an zwei anderen Orten gibt: in Paris und St. Petersburg. Es ist die Welt, in der Künstler immer schon die menschliche Anatomie kennenlernten, um sie schließlich abbilden zu können. Es ist ein Ort, an dem Generationen von Künstlern diese, ihre Reise ins Innere des Menschen antraten. Eine Reise, die die Öffentlichkeit jetzt nachvollziehen kann.

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Die Anatomische Sammlung der HfBK Dresden

Denn die sogenannte Anatomische Sammlung der HfBK ist nach rund fünf Jahren Forschung wieder hergerichtet. Eine Sammlung, die über rund 700 Modelle, Präparate und Lehrtafeln zur Human- und Tieranatomie verfügt, jeweils gegliedert in Skelett- und Muskelaufbau sowie Oberflächenanatomie. Ab Montag sollen in den Räumen am Treu-Platz Kunststudenten sitzen und zeichnen – wie es schon seit Generationen hiesiger Ausbildungsusus ist.

Menschen ohne Vormund und Verwandtschaft

Dass die Objekte am neu eingerichteten Ort nun wieder der Künstlerausbildung dienen, kann in dieser Form als Alleinstellungsmerkmal der HfBK bezeichnet werden. Sie sind in anderer Hinsicht natürlich aber auch einer Art Neubewertung unterzogen worden. Schließlich handelt es sich um die Gebeine von Toten. In Zeiten, wo nicht zuletzt sächsische Museen Überreste von Toten zurückgeben, die unter mindestens dubiosen kolonialen Begleitumständen einst in hiesige Sammlungen kamen, mussten auch Sandra Mühlenberend und ihre Mitarbeiter die Anatomische Sammlung der HfBK ebenfalls auf Herkunftsfragen abklopfen.

Und sie würden fündig. Die Leichen, von denen die Skelette stammen, seien Menschen ohne Vormund und Verwandtschaft gewesen, erzählt Mühlenberend, die Leiterin des Projekts „Körper und Malerei“, das die Arbeit zur Dresdner Anatomischen Sammlung einschließt und vom Bundesforschungsministerium unterstützt wird. Das Wohlfahrtspolizeiamt des Rates zu Dresden hätte die toten Körper meist überführt. Vor allem medizinische Einrichtungen profitierten davon, aber eben auch die Kunsthochschulen.

Den Grundstein der Dresdner Anatomischen Sammlung legte, kurz nach der Gründung der Kunstakademie 1764, Giovanni Battista Casanova, der jüngere Bruder des bekannten Abenteurers. Er folgte der damaligen klassizistischen Kunsttheorie, ließ die Kunststudenten an Leichensektionen teilnehmen, vermittelte in seinem Unterricht Kenntnisse zu menschlichen Proportionen – und ließ schließlich für die Akademie ein Skelett ankaufen, das die Sammlung begründete.

1500 Einzelknochen „in keiner guten Situation“

1814 avancierte die Künstleranatomie in Dresden zur „Hülfswissenschaft“. Unter dem Mediziner Burkhard Wilhelm Seiler wurde die Sammlung ausgebaut. Fünfzig Jahre später übernahm man schließlich auch Objekte aus der aufgelösten Sammlung der Königlich Chirurgisch-Medicinischen Akademie. Anfang des 19. Jahrhunderts kamen dann Tierpräparate über das bis dahin in der Malerei dominierende Pferd hinaus dazu.

Von dieser Exotik kündet auch die Dresdner Sammlung, wo sich Skelette eines Löwen oder auch eines Kahlkopfgeiers finden. Nicht weit entfernt im Regal liegt ein Eisbärschädel, der nicht minder imposant ist. Besonders eindrücklich aber sind Skelette hinter Glas, die den Gestus antiker Skulpturen nachahmen: die schamvolle Venus, ein Sohn Laokoons im Kampf mit den Schlangen oder der Knabe, der sich im Sitzen einen Dorn aus dem Fuß zieht.

Darüber hinaus erwähnt Mühlenberend, dass es noch eine lose Gebeinsammlung von rund 1500 Knochen gibt. Sie sei „in keiner guten Situation“ aufgefunden worden, nun aber adäquat untergebracht. Im nächsten Jahr soll dieses Konvolut aus Einzelknochen bestattet werden, kündigt sie an. Aus den Ergebnissen ihrer Forschung sollen zudem Handlungsempfehlungen für ähnliche Sammlungen und Depots in anderen Hochschulen abgeleitet werden.

Die Sammlung selbst wird öffentlich zugänglich gemacht. Zur Langen Nacht der Museen und zur Langen Nacht der Wissenschaften kann sie besucht werden, außerdem soll das darüber hinaus noch zu anderen Terminen möglich sein, jedoch mit Voranmeldung. Vorher aber, von heute bis Freitag, ist die HfBK Gastgeberin einer internationalen Tagung, die sich Sammlungen an Kunsthochschulen widmet.

www.hfbk-dresden.de

Von Torsten Klaus

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