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Regional Dresdner Künstlermesse wagt Neustart im Hygiene-Museum
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10:26 06.03.2020
Vor der Eröffnung der 7. Künstlermesse legt der Dresdner Künstler Thorsten Groetschel selbst Hand an. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Von einem Wimmelbild zu sprechen, wäre eine zu gewagte Analogie. Dennoch herrscht im zweiten Stock des Hygiene-Museums mindestens angeregte Geschäftigkeit. Während draußen die Sonne ihre Bahn zieht, macht sich drinnen der Saal messefein. Am Freitagabend muss schließlich alles bereit sein. Dann startet die 7. Dresdner Künstlermesse. Genauer gesagt: Sie startet neu.

Dazu gehört ein wenig Vorgeschichte. Jahrelang war die Künstlermesse in der Messe im Ostragehege daheim und bildete zusammen mit „room + style“ sowie „fashion + style“ ein Trio. Letztmalig ging das dort 2017 über die Bühne. Dann wurden die Differenzen, die mit der Messe beim Raumkonzept bestanden, aber unüberbrückbar. Seither findet im Ostragehege im Januar die Messe „NEUE ArT“ statt. Die Künstlermesse jedoch pausierte. Bis jetzt.

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Geschäftiges Treiben vorab: Die Künstlermesse Dresden wagt einen Neustart im Deutschen Hygiene-Museum. Quelle: Anja Schneider

Messe in Zeiten von Corona – Gesundheitsamt „tiefenentspannt“

Dabei sticht in diesen Tagen mit dem Coronavirus noch ein ganz anderes Thema hervor – nicht zuletzt im Angesicht von zahlreichen Absagen anderer Messen. Das ficht aber die Dresdner Veranstalter nicht an. Ihr Vorteil liegt klar auf der Hand: der Lokalbezug. Anders als beispielsweise bei der Buchmesse Leipzig, die allein rund 2500 Aussteller aus 51 Ländern erwartete – von den Besuchern ganz zu schweigen. Diese Internationalität hat Leipzig in Zeiten von Corona absagen lassen (müssen). In Dresden sieht es, wie gesagt, anders aus.

Obwohl Antje Friedrich – Geschäftsführerin des Künstlerbundes Dresden und maßgebliche Organisatorin des Ganzen – sofort einräumt, dass die aktuelle Lage natürlich eine Rolle gespielt hat bei der Vorbereitung. „Wir haben schon gebangt“, erzählt sie. Beim Gesundheitsamt der Stadt habe man deshalb auch nachgefragt – und war von der Reaktion überrascht: „Dort sind sie tiefenentspannt.“

Antje Friedrich, Künstlerbund-Chefin und Organisatorin, mit dem Künstler und Kurator Thomas Hellinger in der Begleitausstellung Quelle: Anja Schneider

Ein kleiner Handzettel, der kurz das Thema noch einmal anschneidet und auf das Händewaschen verweist, liegt trotzdem aus, auch die Webseite gibt diesen Hinweis. Ansonsten wäre das ja auch eine Art Treppenwitz, wenn der Coronavirus ausgerechnet im Hygiene-Museum seine Dresden-Premiere erlebte.

Zusammenarbeit zwischen Museum und Messe

Eine achtköpfige Jury hat rund 90 Künstler ausgesucht. Knapp 140 Galeriebewerbungen habe es gegeben, erzählt Friedrich. Man kann also guten Gewissens von einer kuratierten Messe sprechen. Dieser Qualitätsausweis ist auch Thomas Hellinger wichtig. Er hat die Begleitausstellung „Zwischen Sonne und Erde – die Existenz der Pflanzen“ kuratiert. Damit dockt er an der noch bis 19. April im Hygiene-Museum laufenden Sonderschau „Von Pflanzen und Menschen“ an. Es ist die Form gewordene Kooperation mit dem Museum, die Friedrich und Hellinger einhellig loben. Für diese Zusammenarbeit steht nicht zuletzt ein Begleitprogramm, das sich ausdrücklich auch an Kinder wendet. Und das Dresdner Filmfest steuert ein Kurzfilmprogramm bei.

Die beiden Polinnen Dominika Ziober-Krol (im Bild) und Majka Dokudowicz sorgen für ein bisschen Internationalität auf der Künstlermesse Dresden. Quelle: Anja Schneider

Die Internationalität ist aber nicht ganz abgehakt. Dafür sorgen die beiden polnischen Künstlerinnen Majka Dokudowicz und Dominika Ziober-Król. Unter den Lokalmatadoren finden sich bekannte Namen wie Gerda Lepke, Jakob Flohe, Thorsten Groetschel oder Beate Bilkenroth. Die Künstler würden die Erwartungen an die Messe sehr realistisch einschätzen, sagt Friedrich. Vor allem gehe es darum, in einer qualitätvollen Umgebung sichtbar zu sein mit den Arbeiten. Nicht zuletzt kommt es zu Nachfragen, dass Künstler wiederum an anderen Ausstellungen teilnehmen sollen. Die Besucher seien häufig gekommen, um sich einen Überblick zu verschaffen – selbst wenn ihnen das für den Kunstkauf nötige Geld fehle.

Heidemarie Dressel Quelle: Anja Schneider

Neustart als Experiment

Der Neustart der Dresdner Künstlermesse ist trotz der Affinität am neuen Standort dennoch erst einmal ein Experiment in vielerlei Hinsicht. Wie viele Besucher werden kommen – trotz der viralen Begleitumstände? Geht alles finanziell auf? Die Antworten auf diese Fragen werden entscheiden, ob die Künstlermesse dann so oder ähnlich weiterläuft – und auch, ob es eine Fortsetzung im Jahres- oder Zweijahresrhythmus gibt.

Was ausgelobt wird, ist ein Publikumspreis, benannt nach einem großen Händler für Künstlermaterial. Wer also sein Votum abgeben will, kann das bis zum Sonntag, 14 Uhr tun. Drei Stunden später wird der Sieger bekanntgegeben.

Vernissage: heute, 18 Uhr, Hygiene-Museum (geöffnet 15–22 Uhr), Sa 11–21, So 11–18 Uhr

Tageskarte: 7 Euro (erm. 5,50 Euro)

www.kuenstlermesse-dresden.de

Von Torsten Klaus

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