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Regional Dresdner Galerie zeigt Aktzeichnungen von Günter Schmitz
Nachrichten Kultur Regional Dresdner Galerie zeigt Aktzeichnungen von Günter Schmitz
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17:42 23.09.2019
Einige der in der Galerie am Damm gezeigten Aktzeichnungen von Günter Schmitz. Quelle: Repro: Heinz Weissflog
Dresden

Aus gegebenem Anlass, dem 110. Geburtstag des Radebeuler Malers und Grafikers Günter Schmitz, präsentiert die Galerie am Damm seit 2009 zu seinem Gedächtnis eine sehenswerte Ausstellung mit einem Konvolut aus drei Dutzend Aktzeichnungen, Studien und Skizzen, die in seinen Studienjahren an der Dresdner Kunstakademie im Abendaktsaal zwischen 1930 und 1932 entstanden. Das Dokument und Zeitzeugnis verdient wegen seiner künstlerischen Qualität besondere Beachtung und dürfte eine begehrte Ergänzung für die städtischen Sammlungen sein.

Kompaktheit und Fragilität

In Schmitz’ Aktzeichnungen zeigt sich der Geist der Zeit in Gestalt von Mode, Frisur, Körperkult, aber auch ein reiche Varianz von Posen und Arrangements des Körpers im Raum mit seine spärlichen Möbeln. Besonders die Rückenansichten demonstrieren die Freiheit des Körpers und das Risiko gewagter erotischer Anspielungen, die gelungene Freizügigkeit des Körperspiels in einer streng anatomisch angelegten Körperzeichnung.

Dabei arbeitete Schmitz seine Akte plastisch heraus und nutzte geschickt Licht und Schatten. Er benutzte Bleistift, Rötel und Kohle/Kreidestift, füllte sensibel die Binnenräume oder modellierte den Körper durch eine zarte Lavur. Neben genial hingeworfenen Umrissen strichelte er sich an den Körper heran, um Kompaktheit und Fragilität gleichermaßen intensiv hervorzuheben.

Vom Facharbeiter zum Künstler

Leichte Einflüsse von Otto Dix, dessen Verismus Schmitz aber ablehnte, sind nachvollziehbar, zumal es die gleichen Modelle waren, die zur Sitzung saßen. Accessoires, Strümpfe oder Handschuhe dienten zu sinnlichen Akzentuierung des Aktes und steigern seine Dezenz.

Günter Schmitz (geb. 1909 in Chemnitz) gelangte nach der zweiten Heirat der Mutter nach Radebeul, wo er Kindheit und Jugend verbrachte und bis zu seinem Tod im Jahr 2002 als Maler und Grafiker arbeitete. 1916 bis 1920 besuchte er die Grundschule in Kötzschenbroda, 1920 bis 1926 die Dreikönigsschule in Dresden. Er absolvierte zwischen 1926 und 1930 eine Lehre als Gebrauchsgrafiker in der AG für Kunstdruck Niedersedlitz, von 1930 bis 1937 studierte er an der Dresdner Kunstakademie. Dort erhielt er Zeichenunterricht von Richard Müller und Hermann Dittrich (Anatomie).

Belebung der nackten Körper

Seine malerische Ausbildung erfolgte bei Ferdinand Dorsch, Max Feldbauer und Rudolf Schramm-Zittau. 1937 bis 1940 arbeitete er freischaffend als Maler und Grafiker. 1940 bis 1945 war er Soldat in Frankreich und Russland. Im Herbst 1949 wurde er aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft entlassen. Mit seiner Frau Traute hatte er drei Kinder: Sabine (1944), Ulrike (1951) und Tilo (1959). Viele Jahre arbeitete er im Brotberuf im angewandten Bereich. Seit 1970 wendete er sich wieder verstärkt der freien künstlerischen Arbeit zu. 1998 wurde ihm der Kunstpreis der Großen Kreisstadt Radebeul verliehen.

Es ist eine Tatsache: Wer den Akt richtig zu zeichnen versteht, hat einen besonderen Zugang zu anderen Genres. Landschaft, Porträt, selbst das Stillleben und das Interieur profitieren davon, weil die menschlichen Proportionen und auch ihre Schönheit selbst ein Stück Natur sind. Schmitz gelingt die Belebung der nackten Körper, er haucht ihnen Leben ein, auch weil eben das Gesicht und sein Ausdruck wie die Feinheit von Händen und Füßen dazugehören.

Dass Schmitz aus dem Erleben der Realität schafft, zeigt sich auch in den Selbstporträts und Porträts von Freunden, wie das von Gerhard Schiffel, einem langjährigen Freund aus dem Kreis um Hans Grosse, Werner Hans Schlegel, Fritz Springefeld und Karl Timmler, mit denen er auch befreundet war.

Die Feinheit der Komposition

Zu seinem 90. Geburtstag, also fast zu spät, bekam Günter Schmitz seinen ersten Katalog zu einer Werkausstellung in der Stadtgalerie Radebeul 1999 unter Karin Baum (damals Gerhard). Hier zeigt sich die künstlerische Größe besonders in dem von ihm meisterlich gehandhabten Aquarell. Der am Erlebnis orientierte Realismus zwischen Tradition und Avantgarde ist frei von Wertungen und künstlerischer Programmatik.

Die Genauigkeit und Feinheit der Komposition in der Landschaft erinnert in ihrer künstlerischen Größe an die hier gezeigten Akte. Stimmung, sinnliche Opulenz und Durchgeistigung sind ihm wichtiger gewesen, wie es sich besonders in einer Suite von Aquarellblättern zur Gartenstadt Radebeul zeigt.

Zur Ausstellung

Die Ausstellung ist bis zum 8. Oktober, Galerie am Damm, Körnerplatz 10, geöffnet: Di-Fr 14-19, Sa 11-14 Uhr, Kontakt: Tel. 0351/267 92 18

www.galerie-am-damm.de

Von Heinz Weißflog

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