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Regional Dresdner Comedy & Theater Club: Zum Lachen in den Keller
Nachrichten Kultur Regional Dresdner Comedy & Theater Club: Zum Lachen in den Keller
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08:50 22.12.2017
Der Dresdner Comedy & Theater Club und Heike Jack laden unter dem Kügelgenhaus auf der Neustädter Hauptstraße in den Keller ein.
Der Dresdner Comedy & Theater Club und Heike Jack laden unter dem Kügelgenhaus auf der Neustädter Hauptstraße in den Keller ein.  Quelle: Robin Kowal
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Dresden

 Das Motto ist Programm: Zum Lachen in den Keller. Unter dem Kügelgenhaus auf der Neustädter Hauptstraße residiert der Dresdner Comedy & Theater Club und hat sich dort als eine feste Adresse für feinen - und nur im übertragenen Sinne „unterirdischen“ - Humor etabliert. Just am 11.11. wurde dort das elfjährige Bestehen gefeiert, ohne auch nur die Spur von karnevalistischem Klamauk zu versprühen.

Geboten wurde ein Best Of des facettenreichen Programms, das neben Comedy und Theater, wie es der Name verspricht, auch Gesang und politisches Kabarett beinhaltet. Wer des Abends etwas zum Lachen haben will, kommt hier durchaus auf seine Kosten. Ostalgiker bekommen die Nachfahren von Herricht & Preil präsentiert, leibhaftig verkörpert von Dirk Neumann und Carsten Linke, Frauen-Versteher (und solche, die es gerne werden wollen) gehen zu Ellen Schaller und / oder Matthias Machwerk in die Schule, Andrea Kulka und Herr Lehmann versprechen Antwort auf die Frage „Wie halte ich mir einen Mann?“ und FrauAndrea (sic!) erklärt hieb- und stichfest „Starke Weiber dürfen mehr!“

Die musikalische Komponente bringen die Schwiegermütter-Lieblinge der „NotenDealer“ ein, a capella becircen die fünf jungen Mannen mit „Comedy nach Noten“ und lassen wahrhaftig kein Auge trocken. Offenherzig bekennt Tatjana Meissner „Du willst es doch auch!“, erklärt Henriette Ehrlich „Testosteron ist kein Badezusatz!“ und wird „Prosecco für alle!“ gefordert. Ganz und gar „Rattenscharfes Kabarett“ gibt es mit Cornelia Fritzsche in Personalunion als Ursula von Rätin.

Ganz hauptstädtlerisch sind die direkt vom Berliner Reg(ul)ierungsdesaster kommenden Gastspiele des MDR-bekannten „Pförtners vom Kanzleramt Pforte D“ Lothar Bölck. Dessen Suaden hinterlassen stets auch ein nachdenkliches Publikum.

Die Fäden für all diese Lachsalven, Pointensträuße und orgiastisch doppelbödigen Witzorgien hält Heike Jack in der Hand, Theaterfrau durch und durch. Das Organisieren hat sie an großen Häusern und Festivals wie in Stuttgart und Hannover gelernt, das Gespür für den Dienst des Menschen am Menschen dürfte ihr angeboren sein, und dass sie auf die Wünsche der bei ihr gastierenden Künstlerinnen und Künstler so perfekt einzugehen vermag, könnte an ihrem ersten Berufsweg als ausgebildete Kindergärtnerin liegen.

Begonnen hat sie im Herbst 2006 im Barococo am Altmarkt, in den Folgejahren wechselte der Dresdner Comedy & Theater Club in die Secundo Genitur, ins Italienische Dörfchen, gastierte im Zoo sowie im Alten Zollhaus, trat beim Zirkus Sarrasani auf und zog sogar auf der Auswandererinsel Mallorca ein nach deutschem Humor gierendes Publikum in seinen Bann. Weit mehr als einhundert Künstlerinnen und Künstler haben inzwischen bei Heike Jack mitgewirkt, die Gästeschar hingegen zählt nach Tausenden und setzt sich nicht nur aus Einheimischen, sondern auch aus zahllosen Gästen der Stadt zusammen.

Subventionen bekommt der kurz DCTC genannte Club dennoch nicht, er ist und bleibt auf sein Publikum sowie eine gewogene Gönnerschaft angewiesen. Große Sponsoren verirren sich kaum in diese Szene, dabei hätte sie es mit ihrem Engagement und der breiten Akzeptanz so sehr verdient.

Bei allem Sinn für Humor, Augenzwinkern und witzigem Bauchgefühl verspürt Heike Jack allerdings auch ganz und gar ernsthaft eine Verpflichtung, sich über ihren Comedy & Theater Club hinaus für jene Menschen zu engagieren, denen der Sinn momentan überhaupt nicht nach Lachen oder gar nach Klamauk steht. Seit dem Beginn der momentan so genannten Flüchtlingskrise engagiert sie sich für die neuen Mitbürger von Dresden, veranlasste eine Ausstellung mit Bildern von geflüchteten Kindern sowie einen dankbar angenommenen Workshop mit den jungen Künstlerinnen und Künstlern. Auch im Keller, in den die Menschen zum Lachen kommen, macht die ebenso tatendurstige wie hilfsbereite Frau darauf aufmerksam, dass derzeit bei weitem nicht allen Mitmenschen nach Lachen zumute ist. Dieses Engagement mag hier und da irritieren, trägt aber auch zu Spenden für jene bei, die es tatsächlich nötig haben.

Heike Jack könnte stolz sein auf das, was sie erreicht hat. Doch sie denkt gar nicht daran, sondern übt sich in Demut. Denn auch, wenn dieser Keller zum Lachen sein soll, müssen Nachdenken und MItmenschlichkeit nicht ausgeschlossen sein.

www.comedytheaterclub-dresden.de

Von Michael Ernst