Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Regional Dresdner Buchhandlung will expandieren
Nachrichten Kultur Regional Dresdner Buchhandlung will expandieren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:26 22.02.2019
Verlegerin Katharina Salomo und ihr Autor Jens-Uwe Sommerschuh mit seinem neuen Roman "Tarantella" in der Dresdner Verlagsbuchhandlung "Shakespeares Enkel" Quelle: Tomas Gärtner
Dresden

Aus den Verlagen gelangen Bücher in der Regel über große Zwischenhändler in die Buchhandlungen. Die Insolvenz des größten davon, Koch, Neff & Volckmar (KNV) hat vielen kleinen Verlagen in Sachsen Tausende von Euro Verlust eingebracht. Schon zuvor hatten etliche von ihnen nach Alternativen gesucht, um ihre Neuerscheinungen an die Leser zu bringen.

Ein neuer Weg mündet in ihrer kleinen Dresdner Buchhandlung „Shakespeares Enkel“ in der Leipziger Vorstadt, Weimarische / Ecke Eisenbergstraße. Ein halbes Jahr nach deren Gründung meinen die Betreiber - mittlerweile sind das 50 kleine, unabhängige Verlage -, dass sie genau das Richtige damit getan haben.

Express-Lieferung ist nicht zu schaffen

„Wir wollen unseren Direktvertrieb weiter ausbauen“, kündigt Katharina Salomo an, Verlegerin von salomo publishing, eine der Initiatorinnen. So planen sie, bis zum Sommer mit dem drittgrößten Buchgroßhändler Umbreit einen Online-Shop einzurichten. „Denn bei uns wollen auch etliche Kunden aus der Region kaufen.“ Ab wann genau man über diese Internetseite bestellen kann, konnte Katharina Salomo noch nicht sagen. Mit dem Start des Online-Shops soll auch ein Kundenmagazin im Geschäft ausliegen, das zwei Mal im Jahr erscheint.

Dass der Kunde seinen bestellten Titel bereits am nächsten Tag bekommt wie über KNV oder Amazon, schaffen sie freilich nicht. „Aber es handelt sich um Bücher“, sagt Katharina Salomo. „Da kann man vielleicht auch mal einen Tag länger warten.“

Vorgenommen haben sie sich, ab März mit Faltblättern bei den Bewohnern des Viertels für ihre Buchhandlung zu werben. Durch 15 Veranstaltungen - Buchpremieren, Lesungen für Kinder und Erwachsene, kleine Konzerte und eine Skandinavische Weihnacht - hat sich der Laden inzwischen herumgesprochen. „Das Publikum ist gemischt. Sehr viele junge Leute und Familien kaufen hier Bücher.“

Kommt der Basar der Branchenzwerge?

In der Zeit vor Weihnachten 2018 haben sie einen Testlauf auch in der Meißner Altstadt gestartet, am Markt, in den Geschäftsräumen des 1793 gegründeten Kunstverlages Brück & Sohn, Burgstraße 1. „Da sind auch viele Touristen gekommen“, berichtet Katharina Salomo. Am 1. April soll ein Ableger von „Shakespeares Enkel“ dort auf Dauer öffnen, mit einem kleinen Café. Verlegerin Nadine Reuter von Lysandra Books (Dresden und Leipzig) will das übernehmen. Allerdings hat sie dort Konkurrenten: ein paar Meter weiter, gegenüber der Meißner Frauenkirche, an der Ecke Fleischergasse, existiert die Meißner Buchhandlung und an der Elbstraße / Heinrichsplatz eine Thalia-Filiale.

Die Dresdner Verlagsbuchhändler wollen sich am 27. und 28. April im ostsächsischen Löbau auf der „Werk-Schau“ präsentieren, einer Messe der Kreativwirtschaft. Lesungen und Gespräche mit Autoren sind dort geplant.

In einige Buchhandlungen gehen die Shakespeare-Enkel auch direkt, indem sie dort Büchertische zu bestimmten Themen zusammenstellen, Fantasy etwa, Kurzprosa oder Kinderliteratur. Salomo publishing hat auch schon einen speziell gestalteten Stand auf einem Weihnachtsmarkt und auf Mittelaltermärkten aufgebaut. Wer mit seinen Lesern ins Gespräch kommt, haben sie gemerkt, findet unter ihnen auch manchen Käufer. Ist dies das erste, noch zaghafte Wetterleuchten einer neuen Basar-Kultur der Branchenzwerge auf dem von Giganten beherrschten Buchmarkt? Auch manche Schriftsteller sehen sich bei den Kleinen besser aufgehoben.

Der in Dresden und auf einer Insel nördlich von Sizilien lebende Jens-Uwe Sommerschuh gehört dazu. Nach einem Ausflug zum Aufbau-Verlag mit seinem Roman „Coyote“ (2002) ist er zu der Erkenntnis gekommen, ein kleiner Verlag sei viel persönlicher. „In einem großen ist man nur eine Nummer, vor allem, wenn vertraute Ansprechpartner wegfallen.“ Weitaus besser funktioniere über kleine Häuser der Kontakt mit den Lesern.

„Leute beschenken, die genau das mögen, was man macht - das ist da möglich.“ Deshalb erscheint sein neuer Roman „Tarantella“ am 30. März bei salomo publishing. Dieser kleine Verlag feiert am 1. März zehnjähriges Bestehen.

Freitag, 1. März, 15 - 18 Uhr, 10 Jahre salomo publishing bei „Shakespeares Enkel“, Weimarische Str. 7, Spendenaktion und Signierstunde mit Dresden-Krimi-Autor Frank Goldammer, der nicht mehr im Handel zu habende Ausgaben seiner früheren Bücher gegen Spende abgibt

Von Tomas Gärtner

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Gute Musik kann auch aus der Region kommen? Kann sie! Das zeigte einmal mehr der Bandstand im Festspielhaus Hellerau. Freitag und Samstag durften lokale Musiker auf vier Bühnen zeigen, was sie in ihren Proberäumen bisher kreiert haben.

18.02.2019

„Alles ist erlaubt“ heißt das neue Album der Ersten Allgemeinen Verunsicherung, der Gruppe um Klaus Eberhartinger (68) und Thomas Spitzer, und es soll ihr (bis auf weiteres?) letztes sein. An diesem Sonntag spielen sie im Alten Schlachthof in Dresden, im Sommer in der Jungen Garde. Steffen Rüth sprach mit Klaus Eberhartinger.

16.02.2019
Regional „Die im Licht steh‘n“ - Die Vorfahren des heutigen Selfies

Die neue Ausstellung „Mensch! Photographien aus Dresdner Sammlungen“ zeigt eine Sammlung fotografischer Porträts von Persönlichkeiten, die für die Entwicklung der Stadt bedeutsam gewesen waren. Über viele Jahre haben sich Kuratoren und Historiker durch die mehrere tausend Bilder schwere Sammlung gearbeitet.

15.02.2019